Glossar
Freibetrag
Aktualisiert 12. Juni 2026
Freibetrag ist ein steuerrechtlicher Begriff für den Teil eines Einkommens oder Gewinns, der per Gesetz von der Besteuerung ausgenommen bleibt — unabhängig davon, ob und wie weit der Gesamtbetrag darüber hinausgeht. Nur der den Freibetrag übersteigende Teil unterliegt der Steuer.
Freibetrag vs. Freigrenze: ein entscheidender Unterschied
Die Verwechslung beider Begriffe ist im Krypto-Kontext folgenreich. Beim Freibetrag bleibt der festgelegte Sockelbetrag immer steuerfrei; besteuert wird ausschließlich der übersteigende Anteil. Klassische Beispiele im deutschen Steuerrecht sind der Grundfreibetrag (2025: 12.096 €), der für alle Steuerpflichtigen gilt, sowie der Sparerpauschbetrag (1.000 € für Einzelpersonen), der Kapitalerträge aus Zinsen oder Dividenden schützt.
Bei der Freigrenze hingegen kippt die gesamte Steuerfreiheit, sobald der Schwellenwert auch nur um einen Euro überschritten wird — der Gesamtbetrag wird dann vollständig steuerpflichtig. Genau das gilt für Kryptowährungen: Die 1.000 €-Grenze für Gewinne aus privatem Spot-Trading (§ 23 EStG, ab Veranlagungszeitraum 2024; zuvor 600 €) ist eine Freigrenze, kein Freibetrag.
Beispiel: Wer innerhalb der einjährigen Haltefrist einen Gewinn von 1.001 € aus Krypto-Veräußerungsgeschäften erzielt, versteuert nicht nur den einen Euro, sondern den gesamten Betrag von 1.001 € — ein spürbarer Unterschied gegenüber einem echten Freibetrag.
Relevante Freigrenzen im Krypto-Steuerrecht
Neben der 1.000-€-Freigrenze für Veräußerungsgeschäfte existiert für sonstige Einkünfte wie Staking, Mining oder Lending eine separate Freigrenze von 256 € pro Jahr gemäß § 22 Nr. 3 EStG. Beide Grenzen gelten unabhängig voneinander und sind nicht miteinander verrechenbar.
Im DACH-Vergleich lohnt sich ein Blick nach Österreich: Dort wird zwischen Freibetrag (mindert die Steuerbemessungsgrundlage, also das zu versteuernde Einkommen) und Absetzbetrag (mindert direkt die Steuerschuld) unterschieden — eine Differenzierung, die die tatsächliche steuerliche Entlastung maßgeblich beeinflusst.
Für Krypto-Anleger in Deutschland ist die korrekte Einordnung als Freigrenze praktisch bedeutsam: Wer die Grenze durch geschicktes Timing oder Verlustverrechnung knapp unterschreiten kann, bleibt vollständig steuerfrei. Wer sie überschreitet, schuldet Steuern auf den Gesamtgewinn — nicht nur auf den übersteigenden Teil.