Glossar
FIFO (First In First Out)
Aktualisiert 12. Juni 2026
FIFO (First In First Out) ist eine Bewertungsmethode, bei der unterstellt wird, dass die zuerst angeschafften Einheiten eines Vermögenswerts auch zuerst wieder veräußert werden – unabhängig davon, welche konkreten Coins tatsächlich den Besitzer wechseln.
Funktionsweise im Krypto-Kontext
Wer Kryptowährungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zu unterschiedlichen Preisen kauft, bildet automatisch mehrere Anschaffungspakete. Beim späteren Verkauf entscheidet die gewählte Bewertungsmethode, welche Anschaffungskosten steuerlich angesetzt werden. Bei FIFO gilt: Das älteste Paket wird rechnerisch als erstes verkauft.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Tragweite: Ein Käufer erwirbt im Januar einen Bitcoin für 1.000 € und im November einen weiteren für 6.000 €. Verkauft er im Dezember einen Bitcoin, setzt FIFO die 1.000 € als Anschaffungskosten an – der steuerlich relevante Gewinn fällt entsprechend höher aus. Die alternative Methode LIFO (Last In First Out) würde stattdessen die 6.000 € ansetzen und damit den steuerpflichtigen Gewinn erheblich reduzieren. Beide Methoden können so zu erheblich unterschiedlichen Steuerbelastungen führen.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland und den USA
In Deutschland wird FIFO im Rahmen des § 23 EStG als Verbrauchsfolgeverfahren diskutiert und gilt als gängige Methode zur Gewinnermittlung bei Kryptowährungen. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen alternativ LIFO angewendet werden kann, ist steuerrechtlich nicht abschließend kodifiziert; Steuerpflichtige sollten die für sie geltende Methode mit einem Steuerberater abstimmen. Entscheidend ist jedoch: Die einmal gewählte Methode muss konsistent angewendet werden und darf nicht von Jahr zu Jahr beliebig gewechselt werden.
In den USA behandelt der IRS FIFO als Standardverfahren, wenn Anleger keine spezifische Identifikation einzelner Coin-Einheiten vornehmen. Die sogenannte „Specific Identification" erlaubt es, gezielt einzelne Einheiten einem Verkauf zuzuordnen – setzt aber eine lückenlose Dokumentation voraus.
Praktische Relevanz
Je länger und aktiver jemand Kryptowährungen handelt, desto stärker wirkt sich die Wahl der Bewertungsmethode auf das steuerliche Ergebnis aus. FIFO ist konzeptionell einfach nachzuvollziehen und wird von den meisten Steuerbehörden als zulässiges Standardverfahren akzeptiert. Wer die steuerlichen Auswirkungen verschiedener Methoden vergleichen möchte, sollte dies stets im Kontext seiner gesamten Transaktionshistorie und mit fachkundiger Unterstützung tun.