Glossar
LIFO (Last In First Out)
Aktualisiert 12. Juni 2026
LIFO (Last In First Out) ist eine Bewertungsmethode, bei der die zuletzt angeschafften Einheiten einer Kryptowährung rechnerisch als erste veräußert gelten – unabhängig davon, welche Coins technisch tatsächlich den Wallet verlassen.
Funktionsweise am Beispiel
Wer Bitcoin zu verschiedenen Zeitpunkten gekauft hat, besitzt Einheiten mit unterschiedlichen Anschaffungskosten. Beim Verkauf legt LIFO fest, welche dieser Einheiten steuerlich als „abgegeben" gilt. Ein Beispiel: Kauf von 1 BTC im Januar zu 20.000 € und ein weiterer Kauf von 1 BTC im Oktober zu 45.000 €. Wird danach 1 BTC verkauft, weist LIFO den Oktober-Kauf (45.000 € Einstandspreis) als veräußerte Einheit aus. Liegt der Verkaufspreis bei 50.000 €, ergibt sich ein steuerlicher Gewinn von 5.000 € – statt 30.000 € nach FIFO (First In First Out), das den Januar-Kauf heranziehen würde. In einem steigenden Markt führt LIFO also tendenziell zu einer geringeren steuerpflichtigen Bemessungsgrundlage, weil neuere Käufe meist eine höhere Kostenbasis aufweisen.
Rechtlicher Rahmen im DACH-Raum und international
Im deutschen Handelsrecht ist LIFO nach § 256 S. 1 HGB als Sammelbewertungsverfahren für gleichartige Vermögensgegenstände zulässig. Ob und unter welchen Bedingungen es konkret für Kryptowährungen in der privaten Steuererklärung anwendbar ist, hängt von der jeweiligen Verwaltungspraxis und individuellen Sachverhalten ab – hier ist steuerrechtliche Beratung unumgänglich. In den USA hingegen ist LIFO für die steuerliche Bewertung von Kryptowährungen faktisch nicht anerkannt; dort kommen in der Regel FIFO oder die spezifische Identifikation einzelner Einheiten zum Einsatz.
Die Wahl der Bewertungsmethode ist keine rein buchhalterische Formalität: Sie beeinflusst unmittelbar die Höhe des ausgewiesenen Veräußerungsgewinns und damit die Steuerlast. Entscheidend ist zudem die Konsistenz – ein willkürlicher Methodenwechsel von Jahr zu Jahr ist steuerrechtlich problematisch und kann bei einer Prüfung zu Korrekturen führen. Wer mehrere Wallets und Börsen nutzt, sollte außerdem prüfen, ob die Methode wallet- oder depotbezogen oder portfolioübergreifend angewendet wird; auch das beeinflusst das Ergebnis erheblich.
LIFO ist kein Steuersparmodell per se, sondern ein Bewertungsprinzip mit konkreten steuerlichen Konsequenzen, die sich je nach Marktlage und Kaufhistorie stark unterscheiden können.