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Drawdown – einfach erklärt

Aktualisiert 12. Juni 2026

Drawdown ist der prozentuale Wertrückgang eines Portfolios, eines Assets oder eines Handelskontos vom zuletzt erreichten Höchststand bis zum nachfolgenden Tiefstpunkt – gemessen, bevor ein neuer Höchststand erreicht wird. Die Kennzahl beschreibt damit den maximalen Verlust, den ein Anleger in einer bestimmten Verlustphase erlitten hätte.


Was ist ein Drawdown? Definition und Grundbegriffe

Peak und High-Water-Mark

Der Peak (Höchststand) ist der Ausgangspunkt jeder Drawdown-Berechnung. In der Fachliteratur spricht man häufig von der High-Water-Mark – dem höchsten Wert, den ein Portfolio oder Asset in einem definierten Betrachtungszeitraum je erreicht hat. Solange kein neuer Höchstwert überschritten wird, bleibt diese Marke konstant und dient als Bezugsgröße.

Trough – der Tiefpunkt

Der Trough (Tiefstpunkt) ist der niedrigste Wert, der nach dem Peak aufgezeichnet wurde, bevor sich das Portfolio erholt und einen neuen Höchststand erreicht. Die Spanne zwischen Peak und Trough definiert eine vollständige Drawdown-Episode.

Laufender Drawdown vs. Maximum Drawdown (MDD)

Beide Begriffe werden im Alltag oft verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Sachverhalte:

BegriffBedeutung
Laufender DrawdownDer aktuelle Wertrückgang vom letzten Peak bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt – die Episode ist noch nicht abgeschlossen
Maximum Drawdown (MDD)Der größte Peak-to-Trough-Rückgang innerhalb eines abgeschlossenen oder definierten Betrachtungszeitraums – der historische „Worst Case"

Ein laufender Drawdown kann den bisherigen Maximum Drawdown jederzeit übersteigen. Solange eine Verlustphase andauert, ist ihr endgültiges Ausmaß nicht bekannt.


So wird der Drawdown berechnet

Visualisiert die Kernkonzepte Peak, Trough, Drawdown-Tiefe und Recovery-Phase auf einer abstrakten Kurslinie ohne reale Zahlen
Visualisiert die Kernkonzepte Peak, Trough, Drawdown-Tiefe und Recovery-Phase auf einer abstrakten Kurslinie ohne reale Zahlen

Die Formel

Der Maximum Drawdown ergibt sich aus folgender Formel:

`` MDD = (Tiefstwert − Höchstwert) / Höchstwert × 100 ``

Das Ergebnis ist ein negativer Prozentwert, da der Tiefstwert stets unterhalb des Höchstwerts liegt.

Schritt-für-Schritt-Beispiel

Ein Portfolio entwickelt sich wie folgt:

ZeitpunktPortfoliowert
Januar10.000 €
März12.500 € ← Peak
Juni8.750 € ← Trough
Oktober13.000 € ← neuer Peak

Berechnung des MDD zwischen März und Juni:

`` MDD = (8.750 − 12.500) / 12.500 × 100 = −30 % ``

Das Portfolio hat in dieser Episode 30 % seines Höchstwerts verloren, bevor die Erholung einsetzte.

Absolute vs. prozentuale Angabe

Drawdown lässt sich auf zwei Arten ausdrücken:

  • Prozentual: −30 % (Standard, ermöglicht den Vergleich unterschiedlich großer Portfolios)
  • Absolut: 3.750 € (konkrete Verlustgröße in der Basiswährung)

Für den Strategievergleich ist die prozentuale Angabe üblich, da sie portfoliounabhängig interpretierbar ist. Die absolute Angabe ist vor allem im persönlichen Risikomanagement relevant, wenn konkrete Verlustgrenzen in Euro oder einer anderen Währung definiert werden.


Warum der Drawdown als Risikomaß wichtig ist

Bewertung von Portfolios und Handelsstrategien

Rendite allein sagt wenig über die Qualität einer Strategie aus. Zwei Portfolios können dieselbe Jahresrendite erzielen und dabei völlig unterschiedliche Drawdown-Profile aufweisen. Ein Portfolio mit einem MDD von −15 % ist für viele Anleger psychologisch und finanziell leichter tragbar als eines mit −55 %, selbst wenn die Endrendite identisch ist.

Der Drawdown beantwortet konkret die Frage: Wie tief kann es gehen, wenn der ungünstigste Einstiegszeitpunkt gewählt wurde? Er beschreibt damit die Erfahrung eines Anlegers, der am Höchststand kauft und am Tiefststand verkauft – das tatsächliche Worst-Case-Szenario vergangener Daten.

Vergleich unterschiedlicher Strategien

Im Fondsmanagement und in der quantitativen Analyse dient der MDD als Standardkennzahl, um Risiken verschiedener Strategien zu vergleichen. Eine Strategie mit geringerem MDD bei ähnlicher Rendite gilt als risikoeffizienter. Dabei ist jedoch zu beachten: Ein hoher MDD schließt eine gute Strategie nicht aus. Hochvolatile Assets können historisch hohe Drawdowns mit ebenso hohen Renditen kombinieren. Der Drawdown allein rechtfertigt keine Ablehnung oder Bevorzugung einer Strategie – er ist eine von mehreren Kennzahlen im Gesamtbild.

Calmar Ratio – Drawdown und Rendite verbinden

Die Calmar Ratio setzt die annualisierte Rendite ins Verhältnis zum Maximum Drawdown:

`` Calmar Ratio = Annualisierte Rendite / |Maximum Drawdown| ``

Ein höherer Wert signalisiert eine bessere risikogewichtete Effizienz: Die Strategie erzielt mehr Rendite pro Einheit Drawdown-Risiko. Die Calmar Ratio ist damit eine sinnvolle Ergänzung, wenn zwei Strategien mit unterschiedlichen Drawdown- und Renditeprofilen gegenübergestellt werden sollen. Auch sie ist jedoch ein rückwärtsgewandter Indikator und liefert keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.


Die Asymmetrie der Verluste: Recovery und Erholungszeit

Mathematische Asymmetrie

Eine der wichtigsten – und häufig unterschätzten – Eigenschaften von Drawdowns ist ihre mathematische Asymmetrie. Ein Verlust erfordert einen überproportional höheren Gewinn zur vollständigen Erholung:

DrawdownErforderliche Erholung
−10 %+11,1 %
−20 %+25,0 %
−33 %+50,0 %
−50 %+100,0 %
−75 %+300,0 %

Ein Portfolio, das von 10.000 € auf 5.000 € fällt (−50 %), muss sich anschließend verdoppeln, um wieder den Ausgangswert zu erreichen. Diese Asymmetrie ist kein Meinungsurteil, sondern eine mathematische Tatsache: Verlust und Gewinn beziehen sich jeweils auf unterschiedliche Basiswerte.

Time to Recovery – die Erholungszeit

Time to Recovery bezeichnet die Zeitspanne vom Eintreten des Tiefpunkts bis zur vollständigen Rückgewinnung des vorherigen Höchststands. Diese Kennzahl ergänzt den MDD entscheidend: Ein tiefer Drawdown kann schnell aufgeholt werden, ein moderater Drawdown kann sich über Jahre ziehen – je nach Marktumfeld und Asset-Klasse.

Die Erholungszeit hängt von mehreren Faktoren ab:

  • der Tiefe des Drawdowns
  • dem Renditepotenzial des Assets nach dem Tief
  • externen Marktbedingungen

In Anlagevergleichen sollte die Time to Recovery immer zusammen mit dem MDD betrachtet werden. Ein MDD von −40 % mit einer Erholungszeit von acht Monaten unterscheidet sich fundamental von einem MDD von −40 % mit einer Erholungszeit von vier Jahren.

Psychologische Dimension

Drawdown-Phasen erzeugen erheblichen psychologischen Druck. Anhaltende Verlustphasen verleiten dazu, Positionen aufzugeben – häufig nahe dem Tiefpunkt. Die Verhaltensökonomie beschreibt dieses Muster als Verlustaversion: Verluste werden subjektiv stärker gewichtet als gleichwertige Gewinne. Wer den Drawdown eines Portfolios im Vorfeld kennt und bewertet hat, ist besser in der Lage, Verlustphasen rational zu begleiten – wenngleich emotionale Reaktionen dadurch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Bildung über Drawdown-Mechanismen ist deshalb auch ein Instrument zur Verbesserung der eigenen Entscheidungsqualität.


Grenzen und häufige Missverständnisse

MDD ist rückwärtsgewandt

Der Maximum Drawdown beschreibt ausschließlich vergangene Daten. Er gibt an, wie tief ein Portfolio in der Vergangenheit gefallen ist – nicht, wie tief es in Zukunft fallen könnte. Ein historisch niedriger MDD ist kein Schutzversprechen. Neue Marktbedingungen, veränderte Liquidität oder strukturelle Schocks können Drawdowns erzeugen, die den bisherigen MDD weit überschreiten.

Kein Prognoseinstrument, kein Handelssignal

Drawdown-Werte liefern keine Aussage darüber, wann ein Tiefpunkt erreicht ist oder wann eine Erholung einsetzt. Sie sind weder Kauf- noch Verkaufssignale. Handelsentscheidungen sollten niemals allein auf Basis des Drawdowns getroffen werden. Der Drawdown ist eine diagnostische Kennzahl – er beschreibt, was war, nicht, was kommt.

Abgrenzung zur Volatilität

Drawdown und Volatilität werden gelegentlich synonym verwendet – das ist sachlich falsch:

MerkmalDrawdownVolatilität
BezugsgrößeVerlust vom HöchststandSchwankungsbreite allgemein
RichtungFokus auf AbwärtsbewegungSymmetrisch (auf- und abwärts)
Zeitlicher BezugPeak-to-Trough-EpisodeStatistisches Streumaß

Volatilität misst, wie stark ein Wert schwankt – unabhängig von der Richtung. Drawdown fokussiert gezielt auf den Verlust vom Höchststand. Ein Asset kann hohe Volatilität mit moderatem Drawdown kombinieren, wenn Aufwärtsbewegungen die Abwärtsbewegungen dominieren.

Kontextabhängige Bewertung

Es gibt keinen universellen Schwellenwert, ab dem ein Drawdown „zu hoch" ist. Was für einen Anleger mit kurzem Anlagehorizont und hohem Liquiditätsbedarf inakzeptabel ist, kann für einen langfristig orientierten Anleger ohne unmittelbaren Kapitalbedarf tragbar sein. Risikotoleranz ist individuell und hängt von Haltedauer, Anlagestrategie, Liquiditätssituation und persönlichen Umständen ab.

Ebenso wenig rechtfertigt ein hoher historischer Drawdown allein den Ausschluss eines Assets. Viele hochvolatile Assets haben historisch hohe Drawdowns mit ebenso bemerkenswerten Erholungen und langfristigen Renditeprofilen verbunden. Die Einordnung erfordert immer den Gesamtkontext: Welche Rendite wurde erzielt? Über welchen Zeitraum? Mit welcher Erholungszeit?


Häufige Fragen zu Drawdown

Was ist der Unterschied zwischen Drawdown und Maximum Drawdown?

Drawdown bezeichnet den prozentualen Rückgang vom letzten Höchststand zum aktuellen oder einem nachfolgenden Tiefpunkt – er kann noch laufend sein. Der Maximum Drawdown ist der größte abgeschlossene Drawdown innerhalb eines definierten Zeitraums und beschreibt den historischen Worst Case. Ein laufender Drawdown kann den bisherigen Maximum Drawdown jederzeit übersteigen.

Kann ich aus dem Maximum Drawdown ableiten, wie tief ein Asset noch fallen wird?

Nein. Der MDD ist ein rückwärtsgewandter Indikator und beschreibt ausschließlich vergangene Wertrückgänge. Er enthält keine Prognosekraft für zukünftige Bewegungen. Künftige Drawdowns können geringer oder deutlich größer ausfallen als alle bisherigen historischen Werte.

Warum braucht man nach einem Verlust von 50 % einen Gewinn von 100 %?

Weil Verlust und Gewinn auf unterschiedlichen Basiswerten berechnet werden. Fällt ein Portfolio von 10.000 € auf 5.000 €, sind das −50 %. Um von 5.000 € zurück auf 10.000 € zu kommen, muss sich der verbleibende Wert verdoppeln – das entspricht +100 % auf die neue Basis. Diese Asymmetrie nimmt mit zunehmender Verlusttiefe überproportional zu und unterstreicht, warum die Begrenzung von Verlusten mathematisch wirkungsvoller ist als die nachträgliche Aufholung.

Wie unterscheidet sich Drawdown von Volatilität?

Volatilität misst die statistische Schwankungsbreite eines Werts in beide Richtungen und berücksichtigt damit auch positive Ausschläge. Drawdown fokussiert ausschließlich auf den Verlust vom Höchststand und hat damit eine eindeutige Richtungsorientierung. Beide Kennzahlen ergänzen sich, sind aber nicht austauschbar.

Ist ein Asset mit hohem Drawdown grundsätzlich schlechter als eines mit niedrigem?

Nicht zwingend. Ein hoher Maximum Drawdown kann mit einer hohen Gesamtrendite und kurzen Erholungszeiten einhergehen. Entscheidend ist das Verhältnis von Drawdown zu Rendite – etwa ausgedrückt durch die Calmar Ratio – sowie die individuelle Risikotoleranz und der Anlagehorizont. Ein niedriger MDD allein macht eine Strategie nicht automatisch besser.

Wie wird der Drawdown im Portfoliomanagement eingesetzt?

Im Portfoliomanagement dient der Drawdown als Instrument zur Risikobewertung und zum Strategievergleich. Er hilft dabei zu verstehen, welche Verlustphasen eine Strategie historisch durchlaufen hat und wie lange Erholungsphasen gedauert haben. In Kombination mit Rendite- und Volatilitätskennzahlen liefert er ein vollständigeres Bild des Risikoprofils – ersetzt jedoch keine umfassende Risikoanalyse und ist keine Grundlage für konkrete Handelsentscheidungen.

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