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Coin Center fordert Steuerreformen für digitale Assets vor US-Repräsentantenhaus-Ausschuss

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 17. Juni 2026

Coin Center fordert Steuerreformen für digitale Assets vor US-Repräsentantenhaus-Ausschuss

Am 9. Juni 2026 hat Jason Somensatto, Director of Policy beim gemeinnützigen Lobbying-Institut Coin Center, vor dem House Ways & Means Committee — dem zuständigen Steuerausschuss des US-Repräsentantenhauses — ausgesagt und dabei konkrete Reformen der amerikanischen Krypto-Besteuerung gefordert. Auf dem Tisch lagen unter anderem eine Ausnahmeregelung für Kleinsttransaktionen im Alltag sowie die Frage, wie Erträge aus dem Betrieb von Blockchains steuerlich einzustufen sind. Für deutsche Anleger und Nutzer digitaler Assets lohnt ein Blick: Was in Washington diskutiert wird, prägt häufig die internationale Regulierungsdebatte.

Drei konkrete Forderungen: Was Coin Center dem Steuerausschuss vorgelegt hat

In seiner schriftlichen Stellungnahme (Coin Center) konzentrierte sich Somensatto auf drei Kernpunkte.

Erstens die De-minimis-Ausnahme: Wer heute mit Bitcoin oder einer anderen Kryptowährung einen Kaffee bezahlt, löst damit in den USA streng genommen einen steuerpflichtigen Vorgang aus — jeder noch so kleine Gewinn muss gemeldet werden. Coin Center fordert eine Bagatellgrenze, unterhalb derer solche Alltagszahlungen steuerfrei bleiben.

Zweitens die Behandlung von Block Rewards: Wer eine Blockchain betreibt und dafür neue Coins erhält — sei es durch Mining oder Staking —, soll diese laut Coin Center erst dann versteuern, wenn er sie tatsächlich verkauft. Derzeit droht eine Einstufung als sofort steuerpflichtiges Einkommen. Coin Center plädiert stattdessen für die Einordnung als neu entstandenes Eigentum.

Drittens die Wash-Sale-Problematik: Die sogenannte Wash-Sale-Regel — eine US-Steuervorschrift, die Verluste aus dem schnellen Rückkauf einer Anlage nicht anerkennt — passt nach Ansicht von Coin Center strukturell nicht auf Kryptowährungen und führt in der Praxis zu nicht handhabbaren Situationen.

Warum eine US-Steuerreform auch deutsche Krypto-Nutzer indirekt betrifft

Die Anhörung vor dem House Ways & Means Committee ist zunächst ein rein amerikanischer Vorgang — aber wer Krypto versteht, weiß: Die USA setzen globale Maßstäbe. Wenn Washington die steuerliche Behandlung digitaler Assets grundlegend neu ordnet, beeinflusst das Regulierungsdebatten in der EU, in Deutschland und bei der OECD, die ohnehin an internationalen Krypto-Steuer-Standards arbeitet.

Wichtig ist dabei, was die Aussage von Coin Center nicht ist: kein geltendes Recht, kein beschlossenes Gesetz. Es handelt sich um die Position einer Lobbyorganisation, die gezielt für branchenfreundliche Regeln eintritt. Der Ausschuss hört solche Stimmen an, ist aber an keine Empfehlung gebunden. Zwischen einer Anhörung und einem verabschiedeten Steuergesetz liegen in Washington oft Jahre.

Für den deutschen Kontext ist besonders das Konzept der De-minimis-Ausnahme interessant — also einer Bagatellgrenze, unterhalb derer Kleinsttransaktionen steuerfrei bleiben. Deutschland kennt ein ähnliches Prinzip mit der Freigrenze im Krypto-Steuerrecht, wenngleich sie anders ausgestaltet ist. Eine vergleichbare US-Regelung würde zeigen, dass selbst das steuerlich konservative Amerika praktische Grenzen der Administrierbarkeit anerkennt — ein Argument, das auch in der europäischen Debatte Gewicht hätte.

Die Frage, ob Block Rewards als Einkommen oder als neu entstandenes Eigentum gelten, ist dagegen international noch weitgehend ungeklärt. Auch in Deutschland gibt es keine abschließende gesetzliche Regelung — die Diskussion in Washington könnte hiesige Finanzbehörden mittelfristig unter Begründungsdruck setzen.

Drei Steuerfragen, die Krypto-Nutzer täglich berühren

Zum Verständnis der Anhörung helfen drei Hintergründe.

In den USA muss jede Krypto-Zahlung — selbst ein Kaffee mit Bitcoin — steuerlich erfasst werden, weil jede Transaktion einen potenziell steuerpflichtigen Vorgang auslöst. Eine De-minimis-Ausnahme würde Kleinsttransaktionen bis zu einem bestimmten Betrag davon befreien, ähnlich wie eine Freigrenze im deutschen Steuerrecht.

Block Rewards — neue Coins, die Miner oder Staker für das Betreiben einer Blockchain erhalten — werden in den USA bislang uneinheitlich behandelt. Ob sie im Moment des Erhalts als Einkommen gelten oder erst beim späteren Verkauf als Wertzuwachs, macht steuerlich einen erheblichen Unterschied.

Die sogenannte Wash-Sale-Regel — ein US-Steuergesetz, das den schnellen Rückkauf von mit Verlust verkauften Positionen einschränkt — gilt bislang nicht für Krypto. Coin Center sieht eine Ausdehnung dieser Regel auf digitale Assets als grundsätzlich nicht praxistauglich an.

Häufige Fragen

Was ist Coin Center, und warum hat die Organisation das Wort vor dem Ausschuss?

Coin Center ist ein gemeinnütziges, in Washington ansässiges Institut, das sich auf Krypto-Regulierungsfragen spezialisiert hat. Es forscht, berät Gesetzgeber und vertritt eine position pro offene Blockchain-Infrastruktur. Ausschüsse laden solche Organisationen ein, um fachkundige Perspektiven aus der Praxis zu hören — die Aussage ist eine Meinungsäußerung, kein Gesetzentwurf.

Was bedeutet "De-minimis-Ausnahme" bei Kryptotransaktionen?

Eine De-minimis-Ausnahme legt eine Untergrenze fest, unterhalb derer Transaktionen steuerlich nicht erfasst werden müssen. Bei Krypto würde das bedeuten: Wer zum Beispiel mit Bitcoin einen Kaffee bezahlt, müsste diesen Vorgang nicht als steuerpflichtiges Ereignis melden. Coin Center fordert genau das — derzeit gilt in den USA keine solche Ausnahme für alltägliche Krypto-Zahlungen.

Ist die Behandlung von Block Rewards als "Property" bereits geltendes Recht?

Nein. Dass Block Rewards — also Coins, die Miner oder Staker für ihre Arbeit erhalten — als neues Eigentum statt als Einkommen gelten sollen, ist die Position von Coin Center, kein beschlossenes Gesetz.

Quellen