Glossar
Steuerstundung (Wash-Sale)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Steuerstundung (Wash-Sale) ist ein steuerrechtlicher Mechanismus, bei dem ein realisierter Verlust aus dem Verkauf eines Wertpapiers zunächst nicht steuerlich abgezogen werden darf, weil innerhalb eines 61-tägigen Fensters – 30 Tage vor oder nach dem Verkauf – dasselbe oder ein nahezu identisches Wertpapier zurückgekauft wird; der Verlust gilt als „disallowed" und verschiebt sich stattdessen in die Kostenbasis der neuen Position.
Funktionsweise: Stundung, keine endgültige Versagung
Der entscheidende Punkt ist die Wortgenaue Natur der Regelung: Der Verlust verfällt nicht, er wird lediglich aufgeschoben. Er erhöht die Kostenbasis der neu erworbenen Position. Daraus folgt: Wird diese Position später – außerhalb eines erneuten Wash-Sale-Fensters – verkauft, wird der gestundete Verlust dann wirksam. Ein einfaches Beispiel illustriert das: Ein Anleger kauft eine Aktie für 1.000 USD, verkauft sie für 700 USD (Verlust: 300 USD) und kauft dieselbe Aktie vier Tage später für 700 USD zurück. Der Verlust von 300 USD ist im laufenden Jahr nicht abziehbar – aber die neue Kostenbasis beträgt nun 1.000 USD (700 + 300). Steigt die Aktie wieder auf 1.000 USD und der Anleger verkauft außerhalb des Fensters, realisiert er keinen Gewinn. Die Steuerbelastung wurde nicht eliminiert, nur zeitlich verschoben.
Die Regel wurde vom IRS eingeführt, um missbräuchliches Tax-Loss-Harvesting zu unterbinden – also das rein steuerlich motivierte Realisieren von Papierverlusten ohne echte wirtschaftliche Veränderung der Position.
Kryptowährungen: Die aktuelle Lücke
In den USA gilt die Wash-Sale-Regel aktuell ausschließlich für Aktien und Wertpapiere. Kryptowährungen klassifiziert der IRS als „Property", nicht als Securities. Das bedeutet: Ein Anleger kann Bitcoin oder Ether mit Verlust verkaufen und die Position unmittelbar danach wieder eingehen – ohne dass die Wash-Sale-Regel greift. Tax-Loss-Harvesting mit Krypto ist damit deutlich aggressiver einsetzbar als mit Aktien.
Diese Lücke ist politisch bekannt. Mehrere Gesetzesvorhaben in den USA sehen vor, die Wash-Sale-Regel auf digitale Assets auszudehnen. Wann und ob eine entsprechende Gesetzesänderung in Kraft tritt, ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Eintrags offen. Anleger, die auf diese Lücke setzen, tragen das Risiko einer rückwirkenden oder kurzfristig wirksamen Rechtsänderung.
Wichtig: In Deutschland gelten für Kryptowährungen eigene steuerliche Regelungen (Spekulationsfrist, Freigrenze), die sich grundlegend von der US-amerikanischen Systematik unterscheiden. Der Wash-Sale-Begriff ist primär ein US-steuerrechtliches Konzept.