Glossar
Wholesale-CBDC
Aktualisiert 12. Juni 2026
Wholesale-CBDC (wCBDC) ist eine digitale Form von Zentralbankgeld, die ausschließlich zugelassenen Finanzinstituten – typischerweise Geschäftsbanken und anderen Großmarktteilnehmern – zugänglich ist und primär zur Abwicklung von Interbanktransaktionen sowie zum Clearing und Settlement im Großbetrag dient.
Abgrenzung zur Retail-CBDC
Der entscheidende Unterschied liegt im Adressatenkreis: Während eine Retail-CBDC der breiten Öffentlichkeit als digitales Bargeldäquivalent zugänglich wäre, bleibt wCBDC auf einen eng definierten Kreis institutioneller Teilnehmer beschränkt. Die Reserve Bank of Australia (RBA) und die US-Federal Reserve definieren diesen Kreis explizit als Einlageninstitute und vergleichbare Großmarktteilnehmer. Eine Privatperson kann wCBDC weder halten noch direkt nutzen – das Modell entspricht strukturell dem heutigen Reservensystem, in dem Geschäftsbanken Guthaben bei der Zentralbank halten.
Kein Novum – aber neue Technik
Die EZB weist ausdrücklich darauf hin, dass Wholesale-CBDC in ihrer wirtschaftlichen Grundlogik bereits existiert: Zentralbankreserven in RTGS-Systemen (Real-Time Gross Settlement) sind faktisch digitales Zentralbankgeld für Institutionen. Die eigentliche Innovation aktueller wCBDC-Projekte liegt daher nicht im Prinzip, sondern in der technischen Infrastruktur. Neue Modelle setzen auf tokenisierte Distributed-Ledger-Plattformen, die Smart-Contract-basierte Abwicklung ermöglichen – etwa die atomare Lieferung-gegen-Zahlung (Delivery versus Payment, DvP) ohne zentrale Gegenpartei.
Das konkrete Ablaufmodell: Eine Zentralbank gibt wCBDC an Geschäftsbanken aus, die dafür bestehende Reserven im RTGS-System hinterlegen. Die tokenisierte Form kann anschließend auf einer gemeinsamen Plattform für Wertpapiergeschäfte oder grenzüberschreitende Zahlungen eingesetzt werden. Auf der Verteilungsebene darunter reichen Geschäftsbanken ihrerseits Retail-CBDC oder Buchgeld an ihre Kunden weiter – dieser zweite Schritt gehört begrifflich nicht mehr zur wCBDC.
Terminologische Vorsicht
Das BIS-CPMI-Papier von 2024 vermeidet den Begriff „wholesale CBDC" bewusst und spricht stattdessen von „wholesale central bank money in the context of technological innovation". Hintergrund: Der Begriff erzeugt jurisdiktionsübergreifend Mehrdeutigkeiten, da nicht in allen Rechtssystemen dieselben Akteure als „wholesale" gelten. Für das Verständnis aktueller Pilotprojekte – etwa im Rahmen der BIS Innovation Hub-Programme oder nationaler Experimente – bleibt wCBDC als Kurzform jedoch gebräuchlich.
Die zentrale Motivation hinter wCBDC-Initiativen ist weniger monetärpolitischer als infrastruktureller Natur: Effizienzgewinne beim Settlement, Reduzierung von Gegenparteirisiken und die Integration in tokenisierte Finanzmärkte stehen im Vordergrund – nicht die Ausweitung des Zugangs zu Zentralbankgeld.