KryptoRatgeber

Glossar

Wertreferenzierter Token (ART)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Wertreferenzierter Token (ART) ist ein Kryptowert im Sinne der EU-Verordnung MiCA (EU) 2023/1114, der Wertstabilität anstrebt, indem er sich auf mehrere Vermögenswerte, Währungen, Rohstoffe oder Kryptowerte – oder eine Kombination daraus – bezieht, ohne dabei ausschließlich an eine einzige offizielle Fiatwährung gekoppelt zu sein.

Rechtliche Einordnung nach MiCA

Die maßgebliche Definition findet sich in Artikel 3 Absatz 1 der MiCA-Verordnung. Danach ist ein ART ausdrücklich kein E-Geld-Token (EMT): Während ein E-Geld-Token (EMT) stets nur eine einzelne Fiatwährung als Referenzgröße nutzt, kann ein ART einen Korb aus mehreren Währungen, Waren wie Gold oder Rohöl, anderen Kryptowerten oder beliebigen Kombinationen als Bezugsbasis verwenden. Ein denkbares Beispiel wäre ein Token, dessen Wert zu je einem Drittel an Euro, US-Dollar und Gold angelehnt ist – dieses Konstrukt fällt unter die ART-Definition, weil mehrere Referenzwerte zum Einsatz kommen.

Entscheidend für die Einordnung als ART ist laut MiCA nicht die technische Ausgestaltung, sondern das erklärte Ziel der Wertstabilisierung durch Referenzierung. Theoretisch können auch tokenisierte Realweltvermögenswerte – etwa Immobilien- oder Rohstoff-Token – als ART qualifizieren, sofern dieses Stabilitätsziel erkennbar ist.

Zulassung und Aufsicht

Emittenten von ARTs unterliegen einem behördlichen Zulassungsregime. In der EU müssen sie vor der Ausgabe eine Genehmigung bei der zuständigen nationalen Aufsichtsbehörde einholen – in Luxemburg etwa bei der CSSF. Die Zulassung setzt umfangreiche Transparenz-, Prudential- und organisatorische Anforderungen voraus, darunter ein detailliertes Whitepaper sowie Vorgaben zur Eigenkapitalausstattung und Reservehaltung.

Überschreitet ein ART definierte Schwellenwerte – unter anderem zehn Millionen Inhaber oder eine als signifikant eingestufte Marktkapitalisierung –, wird er als „bedeutender ART" eingestuft. In diesem Fall greift eine direkte Aufsicht durch die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), und die Anforderungen an den Emittenten verschärfen sich erheblich. Dieser gestufte Aufsichtsansatz soll systemischen Risiken vorbeugen, die entstehen können, wenn ein weitverbreiteter ART als informelles Zahlungsmittel genutzt wird.

Praktische Relevanz

Für Nutzer und Marktteilnehmer ist die ART-Kategorie relevant, weil sie zeigt, wie die EU komplexe Stablecoin-Konstrukte regulatorisch erfasst. Wer einen ART ausgibt oder in einem Geschäftsmodell einsetzt, bewegt sich in einem klar geregelten Rahmen mit erheblichen Compliance-Pflichten – vergleichbar mit dem Bankensektor.

Verwandte Begriffe