Glossar
TerraUSD (UST)
Aktualisiert 12. Juni 2026
TerraUSD (UST) ist ein algorithmischer Stablecoin, der von Terraform Labs auf der Terra-Blockchain entwickelt wurde und dessen Dollarbindung nicht durch echte Währungsreserven, sondern ausschließlich durch einen marktbasierten Arbitragemechanismus aufrechterhalten werden sollte.
Funktionsweise: Burn & Mint statt Reserven
Das Kernprinzip von UST basierte auf einem sogenannten Dual-Token-Modell: UST und der native Token LUNA bildeten ein wechselseitiges Gleichgewichtssystem. Konkret konnte jeder Inhaber 1 UST jederzeit gegen LUNA im rechnerischen Gegenwert von 1 USD eintauschen – und umgekehrt. Fiel der UST-Kurs unter einen Dollar, sollten Arbitrageure günstig UST kaufen, gegen LUNA tauschen und dabei einen risikofreien Gewinn einstreichen. Dieser Kaufdruck sollte den Kurs automatisch zurück auf die Parität treiben. Stieg UST über einen Dollar, funktionierte der Mechanismus spiegelbildlich: LUNA wurde gebrannt, neues UST in Umlauf gebracht. Das Modell kam ohne Sicherheiten in Form von Dollar, Staatsanleihen oder anderen stabilen Vermögenswerten aus – ein fundamentaler Unterschied zu besicherten Stablecoins wie USDC oder USDT sowie zu ART (Asset-Referenced Token) nach europäischer MiCA-Definition.
Der Kollaps im Mai 2022
Ab dem 9. Mai 2022 verlor UST seinen Dollar-Peg unter dem Druck koordinierter Abverkäufe und nachlassenden Marktvertrauens. Was folgte, war eine klassische Death Spiral: Sinkende UST-Kurse lösten massives Burning von UST und gleichzeitiges Minting von LUNA aus. Die steigende LUNA-Umlaufmenge drückte dessen Kurs – was wiederum das Vertrauen in UST weiter erodierte und neue Verkäufe erzwang. LUNA hatte zuvor ein Allzeithoch von rund 120 USD erreicht und wurde innerhalb weniger Tage nahezu wertlos. Der Versuch der Luna Foundation Guard, mit einem Bitcoin-Einsatz von 750 Millionen USD den Peg zu stabilisieren, scheiterte. UST fiel von 1,00 USD auf unter 0,10 USD und erholte sich nicht. Terraform Labs meldete in der Folge Insolvenz an.
Regulatorische Bedeutung
Der UST-Kollaps gilt als Paradebeispiel für das systemische Risiko algorithmischer Stablecoins und hat weltweit regulatorische Debatten beschleunigt. In der EU schreibt die MiCA-Verordnung seitdem strenge Eigenkapital- und Reservepflichten für Stablecoin-Emittenten vor – ein direktes Echo auf Schwächen des Terra-Modells. Der Fall verdeutlicht, dass ein Preismechanismus, der ausschließlich auf Marktanreizen und Vertrauen beruht, unter Stressbedingungen keine stabile Bindung garantieren kann.