Glossar
Sharpe Ratio
Aktualisiert 12. Juni 2026
Sharpe Ratio ist eine Kennzahl aus der Portfoliotheorie, die die erzielte Rendite eines Investments ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko setzt – konkret: Sie misst, wie viel Überschussrendite ein Anleger je Einheit Volatilität erhält.
Herkunft und Formel
Entwickelt wurde die Kennzahl 1966 von William F. Sharpe, US-amerikanischer Ökonom und Träger des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften. Die Berechnung folgt einer einfachen Logik:
Sharpe Ratio = (Portfoliorendite − risikofreier Zinssatz) / Standardabweichung der Renditen
Als risikofreier Zinssatz gilt üblicherweise die Rendite kurzlaufender US-Staatsanleihen (3-Monats-T-Bills). Vom erzielten Portfolio-Ertrag wird dieser Mindestertrag abgezogen – der verbleibende Wert ist die sogenannte Überschussrendite. Dividiert man diese durch die Standardabweichung der Renditen, erhält man die risikobereinigte Kennzahl.
Beispiel: Ein Portfolio erzielt 15 % Jahresrendite, der risikofreie Zinssatz beträgt 4 %, die Standardabweichung liegt bei 20 %. Die Sharpe Ratio ergibt sich aus (15 − 4) / 20 = 0,55. Ein anderes Portfolio mit 12 % Rendite, aber nur 8 % Standardabweichung käme auf (12 − 4) / 8 = 1,0 – und wäre trotz geringerer Absolut-Rendite risikoadjustiert überlegen.
Einordnung und Grenzen
Als Richtwert gilt: Ein Wert über 1 ist akzeptabel, über 2 gilt als gut. Für den Vergleich von Strategien oder Portfolios ist die Kennzahl nützlich – sie verhindert, dass hohe Renditen, die allein durch exzessives Risiko erkauft wurden, unreflektiert als Erfolg gewertet werden.
Im Krypto-Kontext stößt die Sharpe Ratio allerdings an strukturelle Grenzen. Die Formel setzt normalverteilte Renditen voraus. Kryptowährungen weisen jedoch häufig asymmetrische Verteilungen auf – mit seltenen, aber extremen Ausschlägen in beide Richtungen. Zudem bestraft die Standardabweichung positive und negative Volatilität gleichermaßen: Ein Kurs, der stark nach oben läuft, verschlechtert die Sharpe Ratio genauso wie ein Einbruch. Alternativen wie die Sortino Ratio begegnen diesem Problem, indem sie ausschließlich die Abwärtsvolatilität berücksichtigen.
Trotz dieser Einschränkungen bleibt die Sharpe Ratio ein verbreitetes Standardwerkzeug zur Portfolioanalyse – nicht zuletzt, weil sie Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Assets und Strategien herstellt.
Hinweis: Die Sharpe Ratio ist ein Analysewerkzeug zur rückblickenden oder modellhaften Bewertung von Rendite-Risiko-Verhältnissen. Sie stellt kein Handelssignal dar und gibt keine Auskunft über künftige Wertentwicklungen. Kennzahlen und Modelle können in realen Märkten versagen.