Glossar
Besicherungsgrad (Collateral Ratio)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Besicherungsgrad (Collateral Ratio) ist das Verhältnis des Marktwerts hinterlegter Sicherheiten zum ausstehenden Schuldbetrag, ausgedrückt als Prozentzahl – und gilt als zentrales Risikomaß im Krypto-Lending sowie in dezentralen Finanzprotokollen (DeFi).
Die Formel lautet:
Besicherungsgrad = (Gesamtwert der Sicherheiten / Gesamtbetrag der Schulden) × 100
Ein Wert über 100 % bedeutet Überbesicherung: Die hinterlegten Assets übersteigen die aufgenommene Verbindlichkeit. Ein Wert unter 100 % signalisiert, dass die Sicherheit die Schuld nicht mehr vollständig deckt – ein Zustand, den Protokolle durch automatische Mechanismen verhindern.
Warum DeFi höhere Schwellen fordert
Klassische Kreditgeber arbeiten oft mit Besicherungsgraden knapp über 100 %. DeFi-Protokolle wie MakerDAO verlangen für ihre CDP-Positionen typischerweise 150 % oder mehr. Der Grund: Kryptowährungen unterliegen starken Kursschwankungen. Der erhöhte Puffer gibt dem Protokoll Zeit, eine Position geordnet abzuwickeln, bevor die Sicherheit den Schuldbetrag unterschreitet.
Konkret: Wer Ether im Wert von 1.500 USD hinterlegt, um 1.000 USD in DAI zu leihen, startet mit einem Besicherungsgrad von 150 %. Fällt der Ether-Kurs, sinkt dieser Wert. Unterschreitet er die protokollseitig definierte Liquidation Ratio – einen fest codierten Mindestschwellenwert –, löst das Protokoll automatisch eine Liquidation aus: Die Sicherheit wird verkauft, um die Schuld zu tilgen und die Solvenz des Systems zu erhalten.
Collateral Value Ratio: Abschläge nach Liquidität
Manche Handelsplattformen wenden zusätzlich einen Collateral Value Ratio an. Dabei wird ein hinterlegtes Asset nicht zum vollen Marktwert angerechnet, sondern mit einem liquiditätsabhängigen Abschlag versehen. Ein illiquides Token kann so beispielsweise nur zu 70 % seines Marktwerts als Margin anerkannt werden. Das schützt die Plattform vor Slippage-Verlusten bei einer erzwungenen Liquidation.
Relevanz für Protokollsolvenz und Governance
Der Besicherungsgrad ist nicht nur eine individuelle Positionskennzahl – er spiegelt die aggregierte Gesundheit eines gesamten Lending-Protokolls wider. Sinken systemweit viele Positionen in die Nähe der Liquidationsschwelle, entsteht Kettenverkaufsdruck. Für Inhaber von Governance-Token ist der durchschnittliche Besicherungsgrad des Protokolls daher ein Indikator für das strukturelle Solvenzrisiko des Systems – kein Handelssignal und keine Renditegarantie. Wie alle Kennzahlen kann er in Extremmarktlagen trügerisch sein.