Glossar
Order Book (Auftragsbuch)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Order Book (Auftragsbuch) ist eine strukturierte, in Echtzeit aktualisierte Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsaufträge für ein Handelspaar an einer Börse, geordnet nach Preis und Zeitstempel.
Aufbau und Funktionsweise
Das Order Book gliedert sich in zwei Seiten: die Bid-Seite (Kaufgebote) und die Ask-Seite (Verkaufsangebote). Auf der Bid-Seite stehen Händler, die bereit sind, einen bestimmten Preis zu zahlen; auf der Ask-Seite stehen Verkäufer mit ihren Mindestpreisen. Die Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot heißt Bid-Ask-Spread – ein direktes Maß für die Transaktionskosten und die Liquidität des Marktes.
Ein automatisches Matching-System führt Orders zusammen, sobald Preis und Zeitstempel beidseitig übereinstimmen. Neu eintreffende Market Orders werden sofort gegen die besten verfügbaren Gegenaufträge ausgeführt; Limit Orders verbleiben im Buch, bis ein passender Gegenpart erscheint oder der Auftrag manuell storniert wird.
Ein konkretes Beispiel: Steht das beste Kaufgebot bei 29.990 USD und das günstigste Verkaufsangebot bei 30.010 USD, beträgt der Spread 20 USD. Platziert ein Käufer eine Market Order, wird sie zum nächsten verfügbaren Ask-Preis (30.010 USD) ausgeführt – nicht zwingend zum zuletzt angezeigten Preis.
Markttiefe und Grenzen der Analyse
Die Markttiefe (Market Depth) zeigt, wie viel Volumen zu den einzelnen Preisstufen bereitsteht. Ein tiefes Orderbuch mit vielen Orders über mehrere Preisebenen deutet auf hohe Liquidität hin; ein flaches Buch signalisiert, dass bereits mittelgroße Orders den Kurs spürbar bewegen können. Scalper und Intraday-Trader nutzen diese Information, um potenzielle Unterstützungs- und Widerstandszonen zu identifizieren.
Wichtig: Das Order Book zeigt ausschließlich den aktuellen Zustand offener Aufträge – es ist eine Momentaufnahme, keine Prognose. Orders können innerhalb von Millisekunden platziert, verändert oder storniert werden. Sogenannte „Spoofing"-Praktiken, bei denen große Scheinorders kurzzeitig eingestellt und wieder zurückgezogen werden, verzerren das Bild bewusst. Das Order Book ist kein Handelssignal; Muster und scheinbare Liquiditätszonen können scheitern oder manipuliert sein.
Order Book im DeFi-Kontext
Zentralisierte Börsen (CEX) betreiben Order Books auf eigenen Servern – effizient, aber intransparent gegenüber der Blockchain. Im dezentralen Finanzwesen (DeFi) konkurriert das Order-Book-Modell mit dem AMM-Modell (Automated Market Maker). On-Chain Order Books sind technisch anspruchsvoller: Jede Auftragsänderung erfordert eine Transaktion, was Blockzeiten und Gaskosten direkt in die Handelskosten einpreist.