Glossar
Gleitender Durchschnitt (MA)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Gleitender Durchschnitt (MA) ist ein Indikator der technischen Analyse, der aus einer festgelegten Anzahl aufeinanderfolgender Schlusskurse einen Durchschnittswert berechnet und diesen mit jeder neuen Periode fortschreibt – das Berechnungsfenster „gleitet" also kontinuierlich durch die Kursdaten.
Funktionsweise
Das Grundprinzip ist arithmetisch einfach: Die Schlusskurse der gewählten Perioden werden addiert und durch deren Anzahl geteilt. Ein 10-Perioden-MA über Schlusskurse von 100, 102, 98, 105, 103, 99, 101, 104, 106 und 100 ergibt (1018 ÷ 10) = 101,8. Rückt eine neue Kerze hinzu, fällt der älteste Wert aus dem Fenster heraus, und ein neuer Durchschnitt wird berechnet. Das Ergebnis ist eine geglättete Linie im Chart, die kurzfristige Preisschwankungen dämpft und den übergeordneten Kursverlauf sichtbarer macht.
Je nach Gewichtung der einzelnen Perioden existieren verschiedene Varianten:
- SMA (Simple Moving Average): Alle Perioden fließen gleichgewichtig ein – ältere Kurse haben denselben Einfluss wie aktuelle.
- EMA (Exponential Moving Average): Jüngere Kurse werden stärker gewichtet, sodass der EMA schneller auf neue Preisbewegungen reagiert als der SMA.
- WMA (Weighted Moving Average): Die Gewichtung steigt linear mit der Aktualität der Periode, liegt also zwischen SMA und EMA.
Einordnung und Grenzen
In der Chartanalyse dient der MA vor allem dazu, Trendrichtungen abzulesen und Kursdaten strukturiert darzustellen. Viele Analysten beobachten etwa das Verhältnis des aktuellen Kurses zur MA-Linie oder das Zusammentreffen zweier MAs unterschiedlicher Periodenlänge (z. B. 50 und 200 Perioden). Häufig genannte Konstellationen wie „Golden Cross" oder „Death Cross" beschreiben solche Schnittmomente.
Wichtiger Hinweis: Ein MA ist ein nachlaufender Indikator – er basiert ausschließlich auf vergangenen Kursen und bildet diese zeitverzögert ab. Er liefert keine Handelssignale und keine Aussage über künftige Kursentwicklungen. Wie alle technischen Indikatoren kann er in bestimmten Marktphasen – insbesondere in trendlosen Seitwärtsmärkten – zu Fehlinterpretationen führen oder gänzlich versagen. Technische Muster sind keine zuverlässigen Prognosemodelle.
Für eine fundierte Markteinschätzung wird der MA daher üblicherweise im Zusammenhang mit weiteren Analysemethoden betrachtet, nicht isoliert.