KryptoRatgeber

Glossar

Durchschnittsmethode

Aktualisiert 12. Juni 2026

Durchschnittsmethode ist ein steuerliches Bewertungsverfahren, bei dem aus dem Anfangsbestand und sämtlichen Zugängen einer Kryptowährung ein gewichteter Durchschnittspreis errechnet wird, der anschließend einheitlich für alle Verkäufe (Abgänge) und den verbleibenden Schlussbestand gilt.


Funktionsweise

Grundlage ist die gewogene Durchschnittsmethode: Für jede einzelne Kryptowährung werden Menge und Anschaffungskosten aller Käufe einer Periode addiert und durch die Gesamtmenge dividiert. Das Ergebnis ist ein einziger Durchschnittskostenwert je Einheit, der unabhängig davon gilt, welche konkrete Charge beim Verkauf „entnommen" wird.

Vereinfachtes Beispiel: Wer in drei Tranchen je 1 BTC zu 20.000 €, 30.000 € und 40.000 € erwirbt, hält insgesamt 3 BTC mit Gesamtkosten von 90.000 €. Der Durchschnittspreis beträgt 30.000 € je BTC. Wird anschließend 1 BTC verkauft, werden steuerlich 30.000 € als Anschaffungskosten angesetzt – unabhängig davon, welcher Kauf tatsächlich zuerst oder zuletzt getätigt wurde.


Steuerliche Einordnung in Deutschland

Im deutschen Steuerrecht konkurriert die Durchschnittsmethode mit zwei weiteren Verbrauchsfolgefiktionen: FiFo (First-in-First-out, älteste Einheiten gelten als zuerst verkauft) und LiFo (Last-in-First-out, neueste Einheiten zuerst). Welche Methode im Einzelfall zu einer höheren oder niedrigeren Steuerlast führt, hängt von der individuellen Kaufhistorie und der Kursentwicklung ab – pauschale Aussagen sind nicht möglich.

Die Wahl der Methode kann erhebliche Auswirkungen auf die Höhe steuerpflichtiger Gewinne haben. Das Finanzgericht Nürnberg hat im Januar 2025 die Frage der Verbrauchsreihenfolge bei Kryptowährungen erneut aufgegriffen und damit gezeigt, dass dieser Bereich noch nicht abschließend durch höchstrichterliche Rechtsprechung geklärt ist. Anleger sind deshalb gut beraten, ihre gewählte Methode konsistent anzuwenden und vollständig zu dokumentieren.

Ein praktischer Nachteil der Durchschnittsmethode: Sie erfordert eine lückenlose Kaufhistorie über alle Bestände einer Kryptowährungssorte hinweg. Gehen Transaktionsdaten verloren – etwa durch Wechsel der Börse oder fehlende Exportfunktionen –, lässt sich der korrekte Durchschnittswert nicht mehr rekonstruieren. Hier kommt der sorgfältigen Verwahrung und regelmäßigen Sicherung von Transaktionshistorien besondere Bedeutung zu.

Gegenüber FiFo glättet die Durchschnittsmethode kurzfristige Preisausschläge, weil günstige und teure Käufe rechnerisch vermischt werden. Dies kann die Buchführung vereinfachen, verteilt aber gleichzeitig Kursgewinne und -verluste gleichmäßiger über alle Verkäufe – was nicht in jeder Situation steuerlich vorteilhaft ist.


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