News
Stellar kündigt Quantum Preparedness Plan an: Netzwerk soll bis 2027 quantensicher werden
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 16. Juni 2026

Die Stellar Development Foundation hat einen Drei-Stufen-Plan vorgestellt, mit dem das Stellar (XLM)-Netzwerk schrittweise auf quantensichere Kryptografie umgestellt werden soll. Laut dem Quantum Preparedness Plan der Foundation sollen bis Ende 2027 alle Kontoinhaber freiwillig einen quantensicheren Signaturschlüssel zu ihrem bestehenden Konto hinzufügen können — ohne Adresse oder Kontohistorie zu verlieren. Für deutsche Nutzer ist das relevant, weil Quantencomputer die gängigen Verschlüsselungsverfahren hinter heutigen Blockchain-Wallets mittelfristig gefährden könnten.
Drei Stufen, zwei Bedrohungen, ein klarer Zeitplan
Der Plan adressiert laut Introducing the Quantum Preparedness Plan (Stellar Development Foundation) zwei strukturell verschiedene Risiken: Zum einen könnten Angreifer mit ausreichend leistungsstarken Quantencomputern Validator-Signaturen fälschen und damit den Konsens des Netzwerks manipulieren. Zum anderen ermöglicht Shors Algorithmus — ein mathematisches Verfahren, das auf Quantenhardware läuft — theoretisch, aus einem öffentlichen Schlüssel den zugehörigen privaten Schlüssel zu rekonstruieren. Bei Stellar ist das besonders heikel: Stellar-Adressen kodieren den öffentlichen Schlüssel direkt, während Bitcoin und Ethereum nur einen Hash davon als Adresse verwenden — ein sicherheitsrelevanter Unterschied.
Die Migration ist dreistufig geplant. Stage 1 (2026) führt quantensichere Signaturalgorithmen als native Funktionen in Soroban-Smart-Contracts ein — zunächst für Enterprise-Wallets. Stage 2 (2027) öffnet diese Möglichkeit für alle Konten per freiwilligem Opt-in, ohne Adressänderung. Stage 3 — die schrittweise Abkehr vom bisherigen Signaturverfahren Ed25519 — hat kein festes Datum; sie hängt vom Fortschritt der Quantenhardware und der Bereitschaft des Ökosystems ab.
Als Signaturstandard setzt die Foundation auf ML-DSA, einen der ersten Post-Quantum-Standards, den das US-amerikanische Normierungsinstitut NIST 2024 verabschiedet hat.
Warum Stellars Adressformat die Bedrohung verschärft — und was der Plan noch nicht löst
Die Quantum Preparedness Plan-Ankündigung ist kein Alarmsignal, sondern das Gegenteil: Sie zeigt, dass das Zeitfenster für eine geordnete Migration noch offen ist. Dennoch lohnt ein nüchterner Blick auf das, was den Plan antreibt — und wo er Grenzen hat.
Der entscheidende strukturelle Unterschied steckt in Stellars Adressformat. Wer eine Stellar-Adresse kennt, kennt automatisch den zugrundeliegenden Public Key — den öffentlichen Teil eines Schlüsselpaars, das Transaktionen absichert. Bei Bitcoin und Ethereum ist das anders: Dort sind Adressen mathematische Fingerabdrücke (Hashes) dieser Schlüssel, was eine zusätzliche Schutzschicht darstellt. Stellar-Nutzer, die ihren Public Key je öffentlich verwendet haben, sind einem leistungsstarken Quantencomputer damit direkter ausgesetzt.
Gleichzeitig gilt: Wer sich jetzt Sorgen macht, liegt zeitlich verfrüht. Die aktualisierte NIST-Risikoeinschätzung nennt 2029+ als früheste Gefahrenzone — und selbst das setzt voraus, dass Quantencomputer einen technologischen Sprung vollziehen, der noch nicht stattgefunden hat.
Was der Plan ausdrücklich offenlässt: Zero-Knowledge-Protokolle — kryptografische Beweise, die Transaktionen bestätigen, ohne Details preiszugeben — bleiben vorerst ungelöst. Laut Stellar Development Foundation gibt es für die verwendeten SNARKs noch keinen quantensicheren Ersatz mit vergleichbarer Leistung. Das ist keine Schwäche des Plans, aber eine ehrliche Lücke, die man kennen sollte.
Für deutsche Nutzer gilt: Der QPP ist ein Vorsorgeplan, keine Umschaltpflicht. Eigene Wallets müssen erst bei Stage 2 (2027) aktiv werden — bis dahin ändert sich im Alltag nichts.
Warum Blockchain-Wallets und Quantencomputer ein strukturelles Problem haben
Wer eine Wallet für Kryptowährungen besitzt, schützt seine Coins mit einem Public Key — einem öffentlich sichtbaren Schlüssel — und einem geheimen privaten Schlüssel. Beide sind mathematisch verknüpft: Was mit dem einen verschlüsselt oder signiert wird, kann nur der andere bestätigen. Dieses Prinzip der asymmetrischen Verschlüsselung gilt heute als sicher, weil selbst die schnellsten klassischen Computer Jahrtausende bräuchten, um aus dem öffentlichen den privaten Schlüssel zu errechnen.
Quantencomputer könnten das ändern. Der sogenannte Shor-Algorithmus — ein mathematisches Verfahren, das auf Quantenhardware läuft — ist theoretisch in der Lage, diese Verknüpfung in vertretbarer Zeit aufzudröseln.
Besonders heikel ist das bei Stellar: Anders als bei Bitcoin oder Ethereum, wo Wallet-Adressen nur einen Hash — eine Art Fingerabdruck — des Public Keys darstellen, ist die Stellar-Adresse der Public Key selbst. Ein Angreifer mit einem leistungsstarken Quantencomputer hätte damit sofort alle Informationen, die er zum Angriff braucht. </s>
Häufige Fragen
Muss ich als Stellar-Nutzer jetzt sofort handeln?
Nein. Der Plan ist als schrittweise, freiwillige Migration angelegt. Wer ein Stellar-Konto besitzt, kann seinen bestehenden Signaturschlüssel zunächst behalten. Erst in einer späteren Phase — deren Zeitpunkt noch nicht feststeht — soll das ältere Verfahren abgelöst werden. Wann genau das geschieht, hängt laut Stellar Development Foundation vom Fortschritt der Quantencomputer-Entwicklung und der Bereitschaft des gesamten Ökosystems ab.
Warum sind Stellar-Konten anders gefährdet als Bitcoin- oder Ethereum-Adressen?
Bei Stellar ist die Kontoadresse direkt der öffentliche Kryptografieschlüssel — also der Schlüssel, den ein Quantencomputer angreifen könnte. Bei Bitcoin und Ethereum hingegen ist die Adresse ein mathematischer Fingerabdruck (Hash) dieses Schlüssels — eine Einwegfunktion, die selbst keinen direkten Rückschluss auf den Schlüssel erlaubt. Stellar-Nutzer sind deshalb strukturell früher betroffen, sobald leistungsfähige Quantencomputer verfügbar werden.