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Kraken Prime: Komplette Überarbeitung zur vollständigen institutionellen Handelsplattform

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 27. August 2026

Kraken Prime: Komplette Überarbeitung zur vollständigen institutionellen Handelsplattform

Kraken hat am 27. August 2026 laut eigenem Blogeintrag seine institutionelle Handelsplattform Kraken Prime grundlegend umgebaut: Was bislang vor allem eine technische Schnittstelle für Entwickler war, soll nun auch ohne Programmierkenntnisse vollständig nutzbar sein. Für Unternehmen und Finanzinstitute, die professionell mit Kryptowährungen handeln wollen, könnte das den Einstieg in institutionellen Krypto-Handel spürbar erleichtern — sofern sie Krakens Angebot grundsätzlich in Betracht ziehen.

Von der Entwickler-Schnittstelle zum vollständigen Handelscockpit

Konkret bedeutet der Umbau: Das Interface von Kraken Prime unterstützt nun alle gängigen Ordertypen — Limit Orders (Kauf oder Verkauf zu einem festgelegten Preis), Market Orders (sofortige Ausführung zum aktuellen Marktpreis), Spot RFQs (individuelle Preisanfragen für größere Einzelgeschäfte) sowie TWAP (eine Methode, bei der ein großer Auftrag automatisch in kleine Teilkäufe über einen Zeitraum gestückelt wird, um den Marktpreis nicht zu bewegen). Bisher war im Interface laut Introducing the new Kraken Prime (Kraken) ausschließlich OTC RFQ verfügbar.

Neu ist außerdem, dass institutionelle Kunden das Post-Trade-Nettosettlement — also die abschließende Verrechnung aller Handelspositionen nach Abschluss der Geschäfte — nun eigenständig über das Interface verwalten können, ohne bei jedem Schritt den Kraken-Desk einschalten zu müssen. Eine vollständige Automatisierung dieses Prozesses ist laut Kraken noch in Vorbereitung.

Für Teams relevant: Zugriffsrechte lassen sich pro Teammitglied granular vergeben — von vollen Handelsrechten bis zu reinen Leserechten. API-Schlüssel können konfiguriert und Zugangsdaten bei Bedarf sofort entzogen werden. Alle Orders und Transaktionen — egal ob über die Oberfläche, die Programmierschnittstelle (API) oder den Kraken-Desk ausgelöst — erscheinen in einer einheitlichen Echtzeit-Übersicht.

Weniger Technik, mehr Compliance — was der Umbau wirklich bedeutet

Die eigentliche Botschaft hinter diesem Update ist keine technische, sondern eine strategische: Kraken signalisiert, dass institutioneller Krypto-Handel künftig kein IT-Projekt mehr sein muss. Bislang setzten Plattformen wie Kraken Prime voraus, dass ein Unternehmen eigene Entwickler beschäftigt, die API-Schnittstellen einrichten und warten. Wer das nicht leisten konnte oder wollte, blieb draußen. Ein zugängliches Interface senkt diese Hürde — zumindest auf der Bedienebene.

Für deutsche Unternehmen und Finanzinstitute, die Krypto-Handel erwägen, ist allerdings Vorsicht geboten: Ein übersichtliches Dashboard löst keine regulatorischen Fragen. Wer in Deutschland als Unternehmen professionell Kryptowährungen handelt, muss je nach Struktur Anforderungen aus der MiCA-Verordnung — der EU-weiten Regulierung für Kryptomärkte — sowie möglicherweise der BaFin-Aufsicht beachten. Das Interface erleichtert die Bedienung, nicht die Compliance.

Bemerkenswert ist auch, was Kraken hier nicht verspricht: Die vollständige Automatisierung der Abrechnungsprozesse — des sogenannten Settlements, also der endgültigen Übertragung von Vermögenswerten nach einem Handel — ist laut eigenem Blogeintrag noch in Entwicklung. Wer heute einsteigt, verwaltet Settlement-Schritte also noch teilweise manuell.

Und schließlich: Die OTC-Dienste — also der außerbörsliche Direkthandel größerer Summen — werden nicht von Kraken als Gesamtunternehmen erbracht, sondern von Payward Oceanic Ltd. als eigenständiger Einheit der Kraken-Gruppe. Für die vertragliche und rechtliche Einordnung ist das ein Detail, das institutionelle Kunden nicht übersehen sollten.

Wenn Banken Krypto handeln: Was institutionelle Plattformen von normalen Börsen unterscheidet

Wer privat Kryptowährungen kauft, nutzt in der Regel eine zentralisierte Börse (CEX) — eine Plattform, auf der Käufer und Verkäufer direkt zusammenkommen. Institutionelle Akteure wie Vermögensverwalter oder Hedgefonds haben jedoch andere Anforderungen: Sie handeln in deutlich größeren Volumina, brauchen präzise Kontrolle darüber, wer im Unternehmen welche Aktionen ausführen darf, und müssen jeden Schritt sauber dokumentieren — etwa für Compliance-Prüfungen.

Ein zentrales Konzept dabei ist das Settlement — die finale Abwicklung eines Handels, also die tatsächliche Übertragung von Geld und Vermögenswerten nach einem Kauf oder Verkauf. Bei Institutionen läuft das oft als sogenanntes Netto-Settlement: Statt jeden Einzelhandel sofort abzurechnen, werden viele Transaktionen gesammelt und am Ende verrechnet, was Kosten und Aufwand reduziert.

Ebenso relevant: OTC-Handel — Geschäfte, die nicht über ein öffentliches Orderbuch laufen, sondern direkt zwischen zwei Parteien ausgehandelt werden. Das war bisher der Kern von Kraken Prime.

Häufige Fragen

Was bedeutet "Post-Trade-Settlement" — und warum war es bisher umständlich?

Settlement bezeichnet den Abschluss eines Handelsgeschäfts: Wertpapiere oder Token wechseln den Besitzer, Zahlungen werden verrechnet. Bei Kraken Prime musste dieser Schritt bislang mit Beteiligung eines Händler-Teams (sogenannter Desk) abgewickelt werden. Laut Kraken können institutionelle Kunden das Settlement nun selbstständig über das Interface verwalten — automatisch generierte Abrechnungs-Zusammenfassungen per E-Mail und Batch-Planung sind dabei bereits live; die vollständige Settlement-Automatisierung ist noch in Vorbereitung.

Wer steht hinter dem Angebot — ist es "Kraken" direkt?

Nicht ganz. Die OTC-Dienste — also Spot-Trading, Derivate und Krypto-Lending — werden laut Blogeintrag von Payward Oceanic Ltd. angeboten, einem Unternehmen innerhalb der Kraken-Gruppe. Nutzer sollten daher genau prüfen, mit welcher rechtlichen Einheit sie konkret einen Vertrag eingehen, und die jeweils geltenden Nutzungsbedingungen sowie regulatorischen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Quellen