Glossar
Zentralisierte Boerse (CEX)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Eine Zentralisierte Börse (CEX) ist eine von einem Unternehmen betriebene Handelsplattform, auf der Kryptowährungen über ein zentrales Orderbuch gehandelt werden und der Betreiber die Verwahrung der Nutzerfonds übernimmt.
Funktionsweise: Orderbuch und Custody
Das Herzstück einer CEX ist das zentrale Orderbuch: Kauf- und Verkaufsaufträge werden auf den Servern des Betreibers gesammelt, gegeneinander abgeglichen (Matching) und ausgeführt. Der eigentliche Vermögenstransfer findet dabei zunächst nur in der internen Datenbank der Börse statt – erst bei einer Auszahlung werden Coins auf die Blockchain bewegt. Nutzer, die ihre Mittel auf einer CEX belassen, halten keine eigenen privaten Schlüssel. Sie besitzen stattdessen eine Forderung gegenüber dem Betreiber. Das bringt den viel zitierten Grundsatz auf den Punkt: „Not your keys, not your coins."
Da CEXes KYC- (Know Your Customer) und AML-Prozesse (Anti-Money Laundering) implementieren, erfüllen sie regulatorische Anforderungen, die den Zugang zu Fiat-Währungen ermöglichen. Nutzer können Euro, Dollar oder andere gesetzliche Zahlungsmittel direkt einzahlen oder auszahlen – ein klarer praktischer Vorteil gegenüber rein on-chain operierenden Alternativen.
Marktstellung und Risiken
CEXes verarbeiten nach gängigen Schätzungen über 70 % des globalen Krypto-Handelsvolumens und sind damit die dominante Infrastruktur im Krypto-Ökosystem. Die hohe Liquidität, schnelle Ausführungsgeschwindigkeit und vergleichsweise einfache Bedienung machen sie besonders für Einsteiger attraktiv.
Die Zentralisierung birgt jedoch strukturelle Risiken. Der FTX-Kollaps im Jahr 2022 illustriert das Gegenparteirisiko in seiner extremsten Form: Nutzergelder wurden als Sicherheiten für eigene Investitionen des Betreibers verwendet – als das Vertrauen schwand, war ein Großteil der Mittel nicht mehr vorhanden. Darüber hinaus sind CEXes attraktive Angriffsziele für Hacker und können durch regulatorische Einschränkungen bestimmte Nutzergruppen oder Produktangebote kurzfristig aussperren.
Abgrenzung zur DEX
Im Gegensatz zur Dezentralen Börse (DEX) benötigt eine CEX keine Smart Contracts für die Handelsabwicklung und keinen Automated Market Maker (AMM). Während eine DEX Transaktionen direkt auf der Blockchain ausführt und Nutzer ihre Wallets selbst kontrollieren, delegiert eine CEX-Nutzerin Kontrolle und Verwahrung vollständig an den Betreiber. Wer Wert auf Selbstverwahrung legt, sollte Guthaben nach dem Handel in eine Non-Custodial Wallet oder Hardware Wallet transferieren – die CEX eignet sich dann als Handelsinfrastruktur, nicht als dauerhafter Verwahrungsort.