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Illinois führt 0,2-%-Steuer auf Krypto-Transaktionen und -Verwahrung ein
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 18. Juni 2026

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat Illinois-Gouverneur JB Pritzker am 16. Juni 2026 ein Haushaltsgesetz unterzeichnet, das erstmals in den USA eine Steuer von 0,2 Prozent auf Krypto-Transaktionen und die Verwahrung digitaler Vermögenswerte einführt — und zwar unabhängig davon, ob dabei ein Gewinn erzielt wird. Das Gesetz trifft Unternehmen, die in Illinois tätig sind oder Kunden im Bundesstaat bedienen, und soll ab Januar 2027 gelten. Für deutsche Beobachter ist das relevant: Besteuert ein US-Bundesstaat Krypto-Geschäftstätigkeit als solche, könnte das Schule machen — auch diesseits des Atlantiks.
0,2 Prozent auf jede Transaktion — wie die Steuer im Detail funktioniert
Die Regelung steckt in Artikel 3 des Senate Bill 3019, das Teil eines Haushaltspakets über rund 55,9 Milliarden US-Dollar ist. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph greift die Steuer bei jeder einzelnen Transaktion, die das Tauschen, Übertragen oder Verwahren digitaler Assets im Rahmen einer Geschäftstätigkeit umfasst — der Begriff dafür lautet im Gesetz digital asset business activity.
Steuerpflichtig sind Unternehmen mit Sitz in Illinois sowie solche, die Dienstleistungen an Einwohner des Bundesstaates erbringen, sobald ihre Bruttoeinnahmen mindestens 100.000 US-Dollar erreichen. Wichtig: Auch Firmen außerhalb von Illinois können betroffen sein, wenn sie Illinois-Kunden bedienen.
Der Ertrag für den Staat wird laut CoinDesk auf rund 60 Millionen US-Dollar jährlich geschätzt — ein kleiner Teil des Gesamtpakets, das laut Cointelegraph über 800 Millionen US-Dollar an neuen Steuereinnahmen einbringen soll. Die Regelung wurde kurzfristig in das Haushaltsgesetz eingebracht; das Parlament tagt für den Rest des Jahres nicht mehr in ordentlicher Sitzung.
Ein Präzedenzfall, der über Illinois hinausweist
Was Illinois hier einführt, ist strukturell neu: keine Gewinnsteuer, keine Einkommensteuer auf Krypto — sondern eine Transaktionssteuer, die schlicht dafür anfällt, dass etwas bewegt oder verwahrt wird. Das ist dasselbe Prinzip wie eine Börsenumsatzsteuer auf Aktien — ein Konzept, das in Europa immer wieder diskutiert, bislang aber nie flächendeckend umgesetzt wurde. Miles Jennings von a16z Crypto hat genau darauf hingewiesen: In den USA gibt es keine vergleichbare staatliche Steuer auf Aktien, Anleihen oder Derivate. Krypto wird hier also nicht gleichgestellt, sondern schlechtergestellt.
Für Unternehmen, die viele kleine Transaktionen abwickeln — etwa Kryptobörsen oder Verwahrdienstleister — summiert sich 0,2 Prozent pro Vorgang schnell zu einer erheblichen Belastung, selbst wenn am Ende kein Gewinn steht. Das schafft einen wirtschaftlichen Anreiz, den Sitz oder die Kundenbasis aus Illinois heraus zu verlagern.
Ob das Gesetz in dieser Form bleibt, ist offen. Das Parlament tagt bis Jahresende nicht mehr in ordentlicher Sitzung, und mehrere Unternehmen prüfen rechtliche Schritte — fest angekündigt ist bislang nichts. Eine Veto-Sondersession im Herbst wäre die realistischste politische Korrekturmöglichkeit.
Für deutsche Nutzer und Unternehmen gilt: Illinois zeigt, dass Krypto-Regulierung nicht mehr nur Verbote oder Lizenzen meint — sie kann auch still und leise über die Steuerpolitik kommen, eingebettet in einen 56-Milliarden-Haushalt.
Warum diese Steuer eine andere Kategorie ist
Wer Kryptowährungen kauft und wieder verkauft, kennt das Prinzip: Besteuert wird in der Regel der Gewinn — also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Illinois geht einen anderen Weg. Dort soll künftig schon die bloße Geschäftstätigkeit mit digitalen Vermögenswerten besteuert werden — jede Transaktion, jede Übertragung, jede Krypto-Verwahrung (das treuhänderische Halten fremder Coins, etwa durch eine Börse) zählt, egal ob am Ende ein Gewinn steht oder nicht.
Das trifft vor allem Unternehmen, die im Krypto-Bereich als Dienstleister auftreten: Kryptobörsen, Verwahrstellen und Zahlungsdienstleister, die im Auftrag von Kunden handeln. Für jeden abgewickelten Vorgang fällt die Abgabe an — kumuliert über Tausende täglicher Transaktionen kann das erhebliche Summen ergeben. Das ist das Modell einer klassischen Finanztransaktionssteuer, bislang unbekannt in dieser Form auf Krypto-Ebene in den USA.
Häufige Fragen
Betrifft die Steuer auch private Nutzer, die selbst Krypto halten?
Nein — die Regelung zielt auf Unternehmen, nicht auf Privatpersonen. Steuerpflichtig sind laut den Berichten von CoinDesk und Cointelegraph Firmen, die im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit digitale Vermögenswerte tauschen, übertragen oder verwahren — also etwa Kryptobörsen oder Verwahrdienstleister. Voraussetzung ist außerdem, dass das Unternehmen mindestens 100.000 US-Dollar Bruttoeinnahmen erzielt.
Warum fällt die Steuer auf jede Transaktion an — auch ohne Gewinn?
Die Steuer knüpft nicht an einen erzielten Gewinn oder ein Einkommen an, sondern schlicht an die Geschäftstätigkeit selbst. Jede einzelne Transaktion — egal ob profitabel oder nicht — löst die Steuerpflicht aus. Das unterscheidet sie grundlegend von einer klassischen Kapitalertragsteuer und macht sie laut Kritikern strukturell besonders belastend für Unternehmen mit vielen, kleinen Transaktionen.
Kann das Gesetz noch gestoppt werden?
Eine kurzfristige Änderung durch das Parlament ist nicht mehr möglich, da das Illinois-Parlament für den Rest des Jahres 2026 nicht in ordentlicher Sitzung ist. Denkbar wäre eine Veto-Sondersession im Herbst oder eine Klage — mehrere Unternehmen prüfen letzteres laut CoinDesk bereits.