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Franklin Templeton bringt tokenisierte Geldmarktfonds als Handels-Sicherheit auf Bybit

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 28. September 2026

Franklin Templeton bringt tokenisierte Geldmarktfonds als Handels-Sicherheit auf Bybit

Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph hat der US-amerikanische Vermögensverwalter Franklin Templeton am 28. September 2026 eine Partnerschaft mit der Kryptobörse Bybit bekanntgegeben: Institutionelle Nutzer können ab sofort Anteile an tokenisierten Geldmarktfonds — also digitale Abbilder klassischer Fonds auf einer Blockchain — als Sicherheit für den Kryptohandel hinterlegen. Für deutsche Anleger ist das ein konkretes Beispiel dafür, wie etablierte Finanzriesen und Kryptobörsen zusammenwachsen — und welche neuen Chancen, aber auch Risiken dabei entstehen.

Fonds bleiben in Verwahrung, Kreditlinie kommt in Stablecoins — so funktioniert das Modell

Im Mittelpunkt steht Franklin Templetons Plattform Benji, über die die Fondsanteile als digitale Token ausgegeben werden. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk repräsentieren diese Token derzeit rund 686 Millionen US-Dollar an Nettovermögen und werfen eine annualisierte Rendite von 3,7 Prozent ab — berechnet auf Basis des Sieben-Tage-Satzes.

Der entscheidende Mechanismus: Berechtigte institutionelle Nutzer hinterlegen ihre Benji-Anteile als Sicherheit bei Bybit, erhalten dafür eine Kreditlinie in den Stablecoins USDT oder USDC — und können diese Mittel dann für den Handel einsetzen. Die Fondsanteile selbst werden dabei nicht an die Börse übertragen, sondern verbleiben in ByCustody, Bybits eigener Verwahrlösung für institutionelle Kunden. Die Vermögenswerte wechseln also den Verwahrer, nicht den Eigentümer.

Laut CoinDesk ist Bybit nicht Franklins erster Partner in diesem Modell: Der Vermögensverwalter bietet denselben Service bereits Kunden von Binance und OKX an. Cointelegraph berichtet zudem, dass beide Unternehmen ein weiteres tokenisiertes Anlageprodukt für das Mantle-Netzwerk planen — Details dazu stehen noch aus.

Wenn der Fonds zur Handels-Sicherheit wird — was das Modell taugt und wo es hakt

Das Bemerkenswerte an dieser Konstruktion ist nicht die Partnerschaft an sich, sondern die Architektur dahinter. Franklin Templeton überträgt die Fondsanteile nicht auf die Börse — sie verbleiben in der getrennten Verwahrlösung ByCustody. Bybit spiegelt diesen Wert lediglich als Kreditlinie wider. Für institutionelle Nutzer bedeutet das: Sie behalten Zugriff auf Kapital, das andernfalls ungenutzt in einem Fonds gebunden wäre.

Das klingt elegant — bringt aber mehrere Risikodimensionen, die man nicht übersehen sollte. Erstens das Gegenparteirisiko: Stellt die Verwahrstelle oder Bybit den Betrieb ein, ist der Zugriff auf die hinterlegten Anteile nicht automatisch gesichert. Zweitens droht bei den ausgezahlten Stablecoins USDT oder USDC ein sogenannter Depeg — also der Verlust der Dollarbindung —, was den tatsächlichen Wert der Kreditlinie schlagartig verringern kann. Drittens ist das gesamte Setup regulatorisch noch wenig erprobt: Wie Tokenisierung und Collateral-Verwaltung steuerrechtlich zu behandeln sind, ist in Deutschland und der EU noch nicht abschließend geklärt.

Wichtig ist auch, was dieses Angebot ausdrücklich nicht ist: ein Produkt für Privatanleger. Die Partnerschaft richtet sich an institutionelle Nutzer — also Fonds, Family Offices oder professionelle Handelshäuser, nicht an den normalen Bybit-Kunden.

Franklin Templeton ist mit Binance und OKX bereits auf diesem Weg; Bybit ist eine Erweiterung eines bestehenden Musters. Das zeigt, wie systematisch etablierte Vermögensverwalter Krypto-Infrastruktur als Absatzkanal erschließen — mit allem, was an Sorgfaltspflicht dazugehört.

Wenn klassische Fonds auf die Blockchain treffen: Zwei Konzepte, die man kennen sollte

Hinter der Partnerschaft stecken zwei Bausteine, die im Krypto-Finanzbereich gerade an Bedeutung gewinnen.

Der erste ist die Tokenisierung realer Vermögenswerte: Dabei wird ein klassisches Finanzprodukt — hier ein Geldmarktfonds, der in sichere kurzlaufende Anleihen investiert — in digitale Token auf einer Blockchain umgewandelt. Diese Token repräsentieren einen Anteil am Fondsvermögen und lassen sich programmatisch verwenden, etwa als Sicherheit für einen Kredit.

Der zweite Baustein ist Collateral — auf Deutsch: Sicherheit oder Pfand. Im Kryptohandel hinterlegen Nutzer Vermögenswerte als Absicherung, damit die Börse ihnen eine Kreditlinie einräumt. Bisher bestanden diese Sicherheiten meist aus Kryptowährungen. Tokenisierte Fondsanteile sollen nun eine stabilere Alternative bieten — zumindest in der Theorie, denn ob ein digitaler Fondsanteil im Stressfall genauso funktioniert wie erhofft, hängt von Verwahrung, Technik und Regulierung ab.

Häufige Fragen

Müssen Nutzer ihre Fondsanteile verkaufen, um als Sicherheit zu hinterlegen?

Nein. Das ist gerade der Kern des Modells: Die tokenisierten Fondsanteile verbleiben in einer sogenannten Off-Exchange-Verwahrlösung — also einem Verwahrbereich außerhalb der Börse — namens ByCustody. Sie werden dort als Sicherheit „gespiegelt", ohne jemals auf Bybit übertragen zu werden. Der Nutzer erhält stattdessen eine Kreditlinie in einem Stablecoin und bleibt gleichzeitig wirtschaftlich an seinen Fondsanteilen beteiligt.

An wen richtet sich dieses Angebot?

Das Programm richtet sich laut übereinstimmenden Medienberichten primär an institutionelle Nutzer — also Unternehmen, Fonds und professionelle Marktteilnehmer, nicht automatisch an Privatanleger. Wer als „institutioneller Nutzer" gilt, hängt von den Zulassungsbedingungen der Plattform ab.

Ist Bybit der erste Börsenpartner von Franklin Templeton für dieses Modell?

Nein. Franklin Templeton bietet sein tokenisiertes Collateral-Programm bereits Nutzern von Binance und OKX an. Bybit ist eine Erweiterung des bestehenden Programms, kein Pilotprojekt.

Quellen