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Ethereum Foundation veröffentlicht EIP-Tier-List für Hegotá-Fork: 62 Vorschläge bewertet

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 07. September 2026

Ethereum Foundation veröffentlicht EIP-Tier-List für Hegotá-Fork: 62 Vorschläge bewertet

Die Ethereum Foundation hat am 7. September 2026 erstmals eine einheitliche Bewertungsliste für das geplante Hegotá-Netzwerk-Upgrade veröffentlicht: 62 Verbesserungsvorschläge — sogenannte EIPs — wurden von 16 Beitragenden aus neun Teams bewertet und in Prioritätsstufen eingeteilt. Für Nutzer in Deutschland ist das Dokument ein seltener Einblick in die Werkstatt von Ethereum — es zeigt, welche technischen Weichen die Entwickler als nächstes stellen wollen und welche Ideen vorerst auf Eis liegen.

62 Vorschläge, sechs Stufen — so funktioniert die Bewertungsskala

Die Tier-List verwendet sechs Kategorien: S (muss ins Upgrade), A (hohe Priorität), B (auf der Kippe), C (unterhalb der Aufnahmeschwelle), DFI (abgelehnt) und TBD (noch unbewertet). Insgesamt flossen 397 einzelne Tier-Noten in das Dokument ein, wie die Ethereum Foundation in ihrem Hegotá EIP Opinion Post and Tier List (Ethereum Foundation) erläutert.

Zwei Vorschläge stechen als S-Tier heraus. Auf der Konsensschicht — also dem Teil des Netzwerks, der Einigkeit über den Zustand der Blockchain herstellt — wurde EIP-7805 (FOCIL) priorisiert. FOCIL erlaubt es Nutzern, Transaktionen direkt einzureichen, ohne auf zentralisierte Vermittler angewiesen zu sein. Auf der Ausführungsschicht — dort, wo Transaktionen tatsächlich verarbeitet werden — führt EIP-8141 (Frame Transactions) die S-Liste an. Es bringt natives Account Abstraction (die Möglichkeit, Wallets mit flexibleren Regeln auszustatten) und unterstützt dabei erstmals quantenresistente Signaturverfahren.

Mehrere Vorschläge wurden einstimmig als DFI abgelehnt, darunter EIP-8142, EIP-7645 und EIP-7807. Zwei weitere Einträge (EIP-8368 und EIP-8372) erhielten vorerst ein TBD — sie warten auf Messdaten aus dem Mainnet nach dem vorangegangenen Glamsterdam-Upgrade.

Was die Prioritätenliste verspricht – und was sie noch nicht ist

Die Tier-List ist kein Fahrplan mit Garantie, sondern eine Momentaufnahme: Sie zeigt, worüber die Entwickler intern einig sind – aber noch nicht, was am Ende tatsächlich ins Netzwerk kommt. Client-Teams wie Geth, die ihrerseits eigene Ranglisten einreichen, können abweichende Einschätzungen haben. Ein EIP braucht letztlich Konsens über mehrere unabhängige Teams hinweg – Einstufung als S-Tier allein reicht nicht.

Dennoch lohnt es sich, die zwei Schwergewichte im Blick zu behalten. FOCIL zielt auf ein strukturelles Problem: Heute können sogenannte Block-Builder – wenige spezialisierte Akteure – beeinflussen, welche Transaktionen überhaupt in einen Block aufgenommen werden. FOCIL würde es Nutzern erlauben, Transaktionen direkt einzureichen und so diese Abhängigkeit zu verringern. Frame Transactions wiederum macht Ethereum-Konten deutlich flexibler: Statt starrer Regeln könnten Nutzer künftig eigene Logik definieren – und dabei sogar Signaturen nutzen, die gegen Quantencomputer-Angriffe gewappnet sind.

Letzteres ist für deutsche Nutzer langfristig relevant: Behörden wie das BSI warnen seit Jahren vor dem Potenzial künftiger Quantencomputer, klassische Verschlüsselung zu brechen. Ethereum reagiert mit ersten, vorsichtigen Schritten – EIP-8365 für die Umstellung von Staking-Zugangsdaten gilt laut der Veröffentlichung als einziges Post-Quanten-Element, das konkret für Hegotá vorgesehen ist.

Einen wichtigen Vorbehalt verdient die Ablehnung von EIP-8363 zur Ausgabepolitik: Die Ethereum Foundation schreibt ausdrücklich, das sei keine inhaltliche Ablehnung des Vorschlags, sondern ein Signal, dass solche Grundsatzentscheidungen eine breitere Debatte im Ökosystem erfordern. Wer daraus schließt, das Thema sei erledigt, liest die Liste falsch.

Wie Ethereum sich selbst weiterentwickelt — und wer dabei mitredet

Ethereum verändert sich nicht durch zentrale Entscheidungen eines einzelnen Unternehmens, sondern durch einen offenen Vorschlagsprozess: Entwicklerinnen und Entwickler aus aller Welt reichen sogenannte EIPs (Ethereum Improvement Proposals) ein — standardisierte Dokumente, die eine konkrete technische Änderung am Protokoll beschreiben und begründen. Ob ein EIP tatsächlich ins Netzwerk eingebaut wird, entscheidet sich im Laufe eines längeren Abstimmungs- und Diskussionsprozesses zwischen Forschungsteams, Client-Entwicklern und der Ethereum Foundation.

Das Hegotá-Upgrade ist das nächste geplante größere Netzwerk-Update nach dem bereits aktivierten Glamsterdam. Die jetzt veröffentlichte Tier-List ist kein finaler Beschluss, sondern die gebündelte Meinungsäußerung der sogenannten Protocol Cluster — einer Koordinationsgruppe innerhalb der Ethereum Foundation, die Forschung und Entwicklung zusammenführt. Ihre Einschätzung trägt erhebliches Gewicht im Prozess, ist aber nicht bindend für alle beteiligten Client-Teams.

Häufige Fragen

Was bedeutet "S-Tier" in der Bewertungsliste — und muss ein S-Tier-EIP wirklich ins Upgrade?

Die Tier-Skala der Ethereum Foundation reicht von S ("must ship") über A und B bis C sowie DFI (abgelehnt). Ein S-Tier-EIP gilt intern als unverzichtbar für das Hegotá-Upgrade — aber es handelt sich um eine Meinungsäußerung der Protocol Cluster, keinen verbindlichen Beschluss. Client-Teams können eigene Bewertungen einreichen, und der finale Umfang eines Upgrades wird stets im Konsens aller Beteiligten festgelegt.

Warum wurden manche EIPs abgelehnt, obwohl ihre Ideen sinnvoll klingen?

Eine DFI-Einstufung bedeutet nicht zwingend, dass ein Vorschlag technisch wertlos ist. Das Beispiel EIP-8363 zeigt das deutlich: Die Ethereum Foundation stufte ihn als DFI ein — nicht wegen mangelnder Qualität, sondern weil Fragen zur Ausgabepolitik von Ethereum einen breiteren Abstimmungsprozess im gesamten Ökosystem erfordern, der den Rahmen eines einzelnen Upgrades übersteigt.

Quellen