Glossar
EIP (Ethereum Improvement Proposal)
Aktualisiert 12. Juni 2026
EIP (Ethereum Improvement Proposal) ist ein formales Designdokument, über das Änderungen am Ethereum-Protokoll, an Netzwerkstandards oder an Prozessen vorgeschlagen und diskutiert werden. Das Verfahren wurde im Oktober 2015 von frühen Ethereum-Mitgliedern – darunter Vitalik Buterin, Martin Becze und Gavin Wood – eingeführt und orientiert sich am Bitcoin Improvement Proposal (BIP)-Modell. Jedes EIP trägt eine fortlaufende Nummer; EIP-1 selbst ist das lebende Grundlagendokument, das das gesamte Verfahren standardisiert.
Aufbau und Kategorien
Jedes EIP folgt einer verbindlichen Struktur: Abstract (kurze Zusammenfassung), Motivation (warum die Änderung nötig ist), technische Spezifikation, Rationale (Begründung der gewählten Lösung) sowie Sicherheitsüberlegungen. Diese einheitliche Form erleichtert der Community die sachliche Prüfung.
Inhaltlich werden drei Hauptkategorien unterschieden:
- Standards Track EIPs – die umfangreichste Gruppe; sie gliedert sich in Core (Konsensprotokoll), Networking (Peer-to-Peer-Schicht), Interface (APIs und Anwendungsschnittstellen) sowie ERCs (Ethereum Request for Comments, z. B. Token-Standards wie ERC-20 oder ERC-721).
- Meta / Process EIPs – betreffen Governance-Prozesse und Arbeitsabläufe rund um Ethereum, nicht das Protokoll selbst.
- Informational EIPs – liefern Richtlinien oder allgemeine Informationen, ohne verbindliche Änderungen vorzuschlagen.
Vom Entwurf zur Implementierung
Jeder kann ein EIP einreichen. Der Weg zur Umsetzung verläuft über klar definierte Zustände: Draft → Review → Last Call → Final. Dieser mehrstufige Prozess soll sicherstellen, dass technische Schwachstellen identifiziert und breiter Community-Konsens hergestellt werden, bevor eine Änderung in einen Netzwerk-Upgrade einfließt.
Zwei besonders folgenreiche Beispiele verdeutlichen die Tragweite: EIP-1559 reformierte das Gebührenmodell von Ethereum, indem es eine algorithmisch berechnete Base Fee einführte, die automatisch verbrannt wird – ein Mechanismus, der die Ethereum Virtual Machine indirekt beeinflusst und mit dem Konzept des Token-Burning verknüpft ist. EIP-3675 formalisierte den Übergang von Proof of Work zu Proof of Stake (der sogenannte „Merge").
EIPs sind damit kein rein technisches Hilfsmittel, sondern das zentrale Instrument offener Protokoll-Governance: Sie machen nachvollziehbar, wer welche Änderung aus welchem Grund vorschlägt – und schaffen so Transparenz in einem dezentralen Entwicklungsprozess ohne zentrale Entscheidungsinstanz.