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Compound V3: Gauntlet empfiehlt Null-Supply-Caps für sieben LST/LRT-Sicherheiten
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 25. August 2026

Das Risikoverwaltungs-Unternehmen Gauntlet hat am 21. August 2026 im Compound-Governance-Forum empfohlen, die Einzahlungsobergrenzen für sieben schwach genutzte Sicherheiten-Positionen in Compound V3 auf null zu setzen. Betroffen sind vier ETH-basierte Staking-Assets — ezETH, pufETH, rETH und tETH — verteilt über die Netzwerke Ethereum, Base, Arbitrum und Optimism. Für Nutzer, die dort bereits Kapital hinterlegt haben, ändert sich nichts: Bestehende Positionen bleiben unangetastet, nur neue Einzahlungen wären künftig gesperrt.
Wenig Kapital, viel Verwaltungsaufwand: Die Zahlen hinter dem Vorschlag
Insgesamt stecken in den sieben betroffenen Listings gerade einmal 1.592.357 USD an Sicherheiten — bei einer kombinierten Einzahlungsobergrenze von 4.832.946 USD. Das entspricht weniger als 1,5 Prozent der gesamten 109 Millionen USD, die in den ETH-denominierten Compound-V3-Märkten als Sicherheit hinterlegt sind, wie aus dem Proposal von Gauntlet (Compound Governance) hervorgeht.
Dass pufETH seine Obergrenze zu 98,2 Prozent und rETH zu 71,3 Prozent ausschöpft, klingt zunächst nach starker Nachfrage — ist es laut Gauntlet aber nicht. Die absoluten Caps sind so niedrig angesetzt, dass die hohe Auslastung schlicht bedeutet: Es ist kaum Platz, also ist kaum Kapital drin.
Besonders augenfällig ist ezETH: Das Asset ist in vier verschiedenen Comets gelistet und hält zusammen rund 1.054.134 USD Sicherheiten — dafür unterhält Compound vier separate Preisfeed-Konfigurationen, sogenannte Oracle-Konfigurationen, die laufend gewartet werden müssen. Gauntlet sieht darin ein Missverhältnis zwischen Risiko und Nutzen: LRT-Preisfeeds hängen von sogenannten Withdrawal Queues ab — Wartelisten für die Rückgabe von Staking-Positionen — und gelten daher als strukturell fehleranfälliger als einfache Token-Kurse.
Wenn Aufräumen klüger ist als Wachsen lassen
Dieser Vorgang ist ein Lehrstück darüber, wie Risikomanagement in dezentralen Protokollen funktioniert — und was es eben nicht bedeutet.
Der entscheidende Punkt: Ein Supply Cap von null ist kein Alarm und kein Verlustrisiko für bestehende Nutzer. Er ist eher eine geschlossene Schranke an einer Einfahrt, die ohnehin kaum jemand benutzt. Die gesamten sieben Listings machen weniger als 1,5 Prozent der Sicherheiten in den ETH-Märkten von Compound V3 aus — eine Randnotiz in der Bilanz, die aber überproportional viel Aufmerksamkeit kostet.
Genau das ist Gauntlets eigentliches Argument: Oracle-Anbindungen — also externe Preisfeeds, auf die das Protokoll angewiesen ist, um Sicherheiten korrekt zu bewerten — müssen gepflegt, geprüft und aktuell gehalten werden. Für rund eine Million Dollar hinterlegtes Kapital wie bei ezETH vier solcher Systeme gleichzeitig zu betreiben, ist ein schlechtes Verhältnis von Aufwand zu Nutzen. Fällt ein Preisfeed aus oder zeigt falsche Werte, kann das Protokoll Sicherheiten falsch einschätzen — mit Folgen für alle Nutzer, nicht nur die Betroffenen.
Für deutsche DeFi-Interessierte ist das eine wichtige Beobachtung: Dezentrale Protokolle räumen nicht über Nacht auf, weil jemand Verlust macht, sondern weil Wartungsaufwand und Restrisiken in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen. Das ist kein Krisenzeichen — sondern gewöhnliche Protokollpflege.
Wenn Staking-Token als Sicherheit hinterlegt werden
Compound V3 ist eine dezentrale Kreditplattform — Nutzer hinterlegen dort Kryptowerte als Collateral (Sicherheit), also als Pfand, um im Gegenzug andere Assets zu leihen. Die Qualität dieses Pfands entscheidet über das Risiko des gesamten Protokolls.
Besonders komplex werden diese Abwägungen bei sogenannten Liquid-Staking-Token (LST) — das sind Token, die man erhält, wenn man Ether im Ethereum-Netzwerk einsetzt ("stakt"), um Netzwerksicherheit zu gewährleisten. Sie repräsentieren gestaktes ETH, sind aber handelbar und können wiederum als Sicherheit dienen. Eine Schicht komplizierter wird es bei Liquid-Restaking-Token (LRT): Hier wird das bereits gestakte ETH ein zweites Mal eingesetzt, um zusätzliche Protokolle abzusichern — mit entsprechend mehr Risikostufen.
Für Risikoverwaltungsunternehmen wie Gauntlet stellen sich bei diesen Assets besondere Fragen: Wie zuverlässig ist der Preis-Datenfeed? Und lassen sich große Mengen schnell genug verkaufen, wenn es darauf ankommt?
Häufige Fragen
Was bedeutet ein Supply Cap von null konkret für mein hinterlegtes Kapital?
Ein Supply Cap — also eine Einzahlungsobergrenze — von null stoppt ausschließlich neue Einzahlungen. Wer bereits eines der betroffenen Assets als Collateral (Sicherheit) in einem ETH Comet hinterlegt hat, kann seine Position weiterhin verwalten: Rückzahlungen, Auszahlungen und Anpassungen bleiben möglich. Zwangsliquidierungen werden durch diese Maßnahme ausdrücklich nicht ausgelöst.
Warum gilt eine hohe Auslastung der Obergrenzen hier nicht als gutes Zeichen?
Normalerweise deutet eine hohe Auslastung auf starke Nachfrage hin. Hier liegt der Fall jedoch anders: Laut Gauntlet sind die absoluten Obergrenzen für die betroffenen Assets von vornherein sehr niedrig angesetzt — ein hoher Auslastungswert sagt daher nichts darüber aus, wie viel Kapital tatsächlich im Protokoll steckt. Bei immaterialen Gesamtbeträgen im sechs- bis siebenstelligen Dollar-Bereich bleibt die prozentuale Auslastung letztlich eine wenig aussagekräftige Kennzahl.