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Blockchain Association unterstützt Custodia Bank vor US-Supreme Court im Streit um Fed-Zugang
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 13. August 2026

Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt hat die Blockchain Association — ein US-Branchenverband der Kryptowirtschaft — am 13. August 2026 eine Amicus-Schrift beim US Supreme Court eingereicht, um Custodia Bank in ihrem Rechtsstreit mit der Federal Reserve zu unterstützen. Die Wyoming-lizenzierte Kryptowährungsbank kämpft seit Jahren darum, ein sogenanntes Fed-Master-Konto zu erhalten — also einen direkten Zugang zum Zahlungssystem der amerikanischen Zentralbank. Für europäische Beobachter wirft der Fall eine grundsätzliche Frage auf: Können Regulatoren Kryptounternehmen durch das Sperren solcher Infrastruktur faktisch aus dem Finanzsystem ausgrenzen?
Sechs Jahre, drei Instanzen – und jetzt der Supreme Court
Custodias Antrag auf ein Fed-Master-Konto — also einen direkten Anschluss ans Zentralbank-Zahlungsnetz, der es erlaubt, Transaktionen ohne zwischengeschaltete Geschäftsbank abzuwickeln — geht auf das Jahr 2020 zurück. Die Federal Reserve Bank of Kansas City lehnte ihn 2023 ab; sie sah sich nicht verpflichtet, einem staatlich lizenzierten Institut diesen Zugang zu gewähren. Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt bestätigte das zuständige Bundesberufungsgericht (Tenth Circuit Court of Appeals) diese Entscheidung: Die regionale Fed habe einen weiten Ermessensspielraum bei der Vergabe solcher Konten.
Im März 2026 lehnte dasselbe Gericht eine erneute Anhörung mit 7 zu 3 Stimmen ab — womit der Supreme Court als einzige verbleibende Instanz gilt. Die Blockchain Association argumentiert in ihrer Amicus-Schrift, das Urteil ermögliche dem Fed-System, staatlich lizenzierte Banken faktisch aus dem Finanzsystem zu drängen. Medienberichten zufolge verknüpft der Verband den Fall mit der sogenannten „Operation Choke Point 2.0" — einem koordinierten Druck auf Banken, Krypto-Kunden abzuweisen.
Bemerkenswert: Kraken Financial erhielt im März 2026 von derselben Federal Reserve Bank of Kansas City ein Master-Konto — als erstes kryptofokussiertes Institut überhaupt.
Infrastruktur als Machtmittel: Was der Fall Custodia über die Grenzen von Lizenzen sagt
Das Bemerkenswerte an diesem Fall ist nicht, dass ein Kryptounternehmen scheiterte — sondern wie es scheiterte. Custodia besitzt eine gültige Banklizenz, vergeben vom US-Bundesstaat Wyoming. Und dennoch kann die Bank kein vollwertiges Bankgeschäft betreiben, weil ihr der Zugang zu einer zentralen Infrastruktur verweigert wird: dem Fed-Master-Konto, das Zahlungen direkt über die Zentralbank ermöglicht.
Das zeigt eine strukturelle Schwachstelle, die weit über Amerika hinaus relevant ist: Eine Lizenz allein sagt noch nichts darüber aus, ob ein Unternehmen tatsächlich am Finanzsystem teilnehmen darf. Wer Infrastrukturzugänge kontrolliert, kontrolliert de facto auch die Marktteilnahme — unabhängig davon, was auf dem Lizenzpapier steht.
Genau hier liegt die politische Brisanz, die die Blockchain Association mit dem Begriff „Operation Choke Point 2.0" benennt: der Vorwurf, dass Kryptounternehmen nicht durch offene Verbote, sondern durch stilles Infrastruktur-Sperren aus dem Bankensystem gedrängt werden sollen.
Dass gleichzeitig Kraken Financial von derselben Federal Reserve Bank of Kansas City ein Master-Konto erhielt, macht die Sache noch komplizierter. Es zeigt: Es geht nicht um eine pauschale Ablehnung von Kryptofirmen — sondern um selektive Entscheidungen, deren Kriterien bisher kaum transparent sind. Genau das macht einen höchstrichterlichen Klärungsbedarf so nachvollziehbar.
Wer Zugang zur Zentralbank hat – und wer nicht
In den USA wickeln Banken Zahlungen nicht direkt untereinander ab, sondern über die Federal Reserve (Fed) — die amerikanische Zentralbank. Der Schlüssel dazu ist ein sogenanntes Master-Konto: Wer eines hat, kann Überweisungen sicher und kostengünstig über das staatliche System abwickeln. Wer keines hat, ist auf Partnerbanken angewiesen — teurer, langsamer, abhängiger.
Custodia Bank ist in Wyoming nach einem speziell für Kryptounternehmen geschaffenen Bankengesetz lizenziert. Solche staatlich lizenzierten Institute durften bislang davon ausgehen, zumindest einen Antrag auf Fed-Zugang stellen zu können. Ob die Fed diesen Antrag auch genehmigen muss — oder ihn nach eigenem Ermessen ablehnen darf — ist genau die Frage, die der Fall jetzt vor den Supreme Court trägt.
Eine Amicus-Schrift ist dabei kein Rechtsmittel einer Partei, sondern eine Art offizielle Stellungnahme eines Dritten: „Wir sind nicht direkt beteiligt, aber das Gericht sollte unsere Perspektive kennen."
Häufige Fragen
Was ist ein Fed-Master-Konto – und warum ist es so wichtig?
Ein Fed-Master-Konto ist ein direktes Konto bei der US-Zentralbank. Banken, die ein solches Konto besitzen, können Zahlungen ohne Umweg über eine zwischengeschaltete Geschäftsbank abwickeln – günstiger, schneller und mit direktem Zugang zur Zentralbank-Infrastruktur. Ohne dieses Konto ist eine Bank auf Dritte angewiesen, was Kosten treibt und die Abhängigkeit von Partnern erhöht, die den Krypto-Sektor möglicherweise meiden.
Was bedeutet eine Amicus-Schrift – hat sie rechtliche Wirkung?
Eine Amicus-Schrift (lateinisch: „Schreiben eines Freundes des Gerichts") ist eine freiwillige Stellungnahme einer außenstehenden Partei, die dem Gericht zusätzliche Perspektiven liefert. Sie ist kein Klagerecht und bindet das Gericht nicht. Beim US Supreme Court soll sie lediglich verdeutlichen, warum ein Fall grundsätzliche gesellschaftliche oder wirtschaftliche Bedeutung hat – in diesem Fall für den Bankenzugang der gesamten Kryptowirtschaft.
Hat der Supreme Court den Fall Custodia bereits angenommen?
Nein. Die Amicus-Schrift der Blockchain Association unterstützt Custodias Antrag, dass der Supreme Court den Fall überhaupt annimmt. Eine solche Annahme – in den USA „Certiorari" genannt – ist keineswegs garantiert. Das Gericht prüft zunächst, ob der Fall grundsätzliche Rechtsfragen aufwirft, die eine höchstrichterliche Klärung erfordern.