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Ethereum Foundation startet better.codes: Offene KI-Forschungsherausforderung für post-quantensichere SNARKs
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 20. August 2026

Am 20. August 2026 hat die Ethereum Foundation die Plattform better.codes gestartet — eine offene Forschungsherausforderung, bei der KI-Agenten ein zentrales kryptografisches Problem der Ethereum-Sicherheitsarchitektur lösen sollen. Im Kern geht es darum, die mathematischen Grundlagen jener Beweissysteme formal abzusichern, auf denen Ethereums post-quantensichere Infrastruktur aufbaut. Für deutsche Nutzer, die ZK-Rollups oder ähnliche Ethereum-Anwendungen nutzen, ist das relevant: Die Forschung bestimmt mit, wie verlässlich die Sicherheitsgarantien dieser Technologien langfristig sind.
KI-Agenten gegen ein Mathe-Problem: So funktioniert die Herausforderung
Im Mittelpunkt steht das Problem koalaIRS12 — ein sogenanntes Reed–Solomon-Proximity-Problem. Reed–Solomon-Codes sind mathematische Strukturen, die prüfen, ob Daten einem bestimmten Muster folgen; "Proximity" beschreibt dabei, wie nah eine Datenmenge diesem Muster kommt. Laut better.codes (Ethereum Foundation) bilden genau solche Proximity-Eigenschaften die kryptografische Grundlage nahezu aller produktiven hash-basierten SNARKs — darunter die Beweissysteme für zkRollups und zkVMs.
Die konkrete Aufgabe: Teilnehmer richten eigene KI-Agenten darauf aus, einen maschinengeprüften Beweis zu finden, dass koalaIRS12 eine Soundness-Untergrenze — also eine Mindestgarantie dafür, dass gefälschte Beweise erkannt werden — von 128 Bit erreicht. Das entspricht dem Sicherheitsniveau, das moderne produktive Systeme anstreben. Das Problem ist vollständig in ArkLib formalisiert, der Lean-4-Bibliothek für formal verifizierte Wissensargumente — einem Proof-Assistenten, der mathematische Beweise maschinell überprüfbar macht.
Entwickelt wurde die Plattform vom Ethereum Foundation Formal Verification Team gemeinsam mit Yukon und zkSecurity. Jede akzeptierte Einreichung wird öffentlich im Repository veröffentlicht und dem Solver sowie dem eingesetzten KI-Modell namentlich zugeschrieben — neue Beweistechniken stehen anschließend allen Teilnehmern offen.
Warum ein Mathe-Beweis mehr wert sein kann als ein Sicherheits-Audit
Formal verifizierte Beweise und klassische Sicherheitsaudits sind zwei verschiedene Dinge — und dieser Unterschied ist hier entscheidend. Ein Audit prüft, ob Code oder Protokoll offensichtliche Fehler enthält. Ein formaler Beweis in einem System wie Lean 4 zeigt maschinell geprüft, dass eine mathematische Eigenschaft unter allen denkbaren Umständen gilt. Gelingt der Nachweis der 128-Bit-Sicherheitsgrenze für koalaIRS12, wäre das kein „wir glauben, es ist sicher" — sondern ein überprüfbares mathematisches Zertifikat für die Grundlage hash-basierter Beweissysteme.
Gleichzeitig sollte man die Erwartungen einordnen: better.codes ist eine Forschungsplattform, kein Protokoll-Update. Ob und wann KI-Agenten das Problem lösen, ist offen. Selbst ein erfolgreicher Beweis betrifft zunächst die theoretischen Grundlagen — bis solche Ergebnisse in produktive Systeme einfließen, vergehen üblicherweise Jahre weiterer Entwicklung.
Bemerkenswert ist der methodische Ansatz: Laut Ethereum Foundation werden akzeptierte Einreichungen öffentlich dokumentiert, dem jeweiligen Solver und dem eingesetzten KI-Modell zugeschrieben, und die dabei entwickelten neuen Beweistechniken stehen allen Teilnehmern zur Verfügung. Das schafft einen offenen Wissenspool — ungewöhnlich für ein Feld, das traditionell in akademischen Silos arbeitet.
Für deutsche Nutzer bedeutet das: Ethereum ist heute nicht unsicher. Die Initiative zeigt aber, dass die Ethereum Foundation die post-quantensichere Absicherung als langfristige Grundlagenarbeit ernst nimmt — und dabei auf offene, nachprüfbare Forschung setzt, statt proprietäre Lösungen zu entwickeln.
Warum Quantencomputer Ethereums Beweissysteme unter Druck setzen
Hinter Ethereums Skalierungs- und Datenschutztechnologien stecken sogenannte ZK-SNARKs — kryptografische Beweisverfahren, die es erlauben, die korrekte Ausführung von Transaktionen zu bestätigen, ohne alle Rechenschritte offenzulegen. Sie sind das Herzstück von zkRollups und zkVMs — Systemen, die viele Transaktionen bündeln und günstig auf der Ethereum-Hauptkette abrechnen.
Das Problem: Klassische SNARKs basieren auf Mathematik, die leistungsstarke Quantencomputer eines Tages knacken könnten. Hash-basierte SNARKs gelten als eine der vielversprechendsten Antworten darauf — sie stützen sich auf Einwegfunktionen, die auch gegen Quantenangriffe als robust gelten. Ihr Sicherheitsversprechen hängt jedoch an einem mathematischen Fundament namens Reed–Solomon-Proximity-Gaps, dessen formaler Beweis bislang offen ist.
Die Ethereum Foundation hatte 2026 bereits die Proximity Prize Initiative gestartet, um genau diese Lücke zu schließen. better.codes ist der nächste Schritt: Statt auf einzelne Experten zu warten, werden jetzt KI-Agenten auf das Problem angesetzt.
Häufige Fragen
Was genau ist koalaIRS12 — und warum ist dieses Problem so wichtig?
koalaIRS12 ist ein mathematisches Problem aus dem Bereich der sogenannten Reed–Solomon-Proximity-Gaps — vereinfacht gesagt: Verfahren, die prüfen, ob Daten einer bestimmten Struktur nahegenug folgen. Dieses Prinzip steckt laut Ethereum Foundation in nahezu allen produktiven hash-basierten Beweissystemen, also auch in den Systemen, die zkRollups und zkVMs absichern. Wer koalaIRS12 formal löst, liefert damit einen maschinengeprüften Beweis für ein Fundament, auf dem ein großer Teil moderner Ethereum-Sicherheit steht.
Was passiert mit den eingereichten Lösungen?
Jede akzeptierte Einreichung wird laut Ethereum Foundation in einem öffentlichen Repository veröffentlicht und dem Lösenden sowie dem eingesetzten KI-Modell zugeschrieben. Neue Beweistechniken aus einer Einreichung werden für alle weiteren Teilnehmer zugänglich gemacht. Das Ergebnis ist ein wachsender, offener Wissenspool — kein geschlossenes Forschungsprojekt.