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Glossar

Value at Risk (VaR)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Value at Risk (VaR) ist ein statistisches Risikomaß, das den maximalen Verlust eines Portfolios oder einer Position quantifiziert, der innerhalb eines definierten Zeithorizonts mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.

Funktionsweise und Berechnung

VaR wird stets durch zwei Parameter beschrieben: ein Konfidenzniveau (typischerweise 95 % oder 99 %) und einen Zeithorizont (häufig 1 Tag oder 10 Tage). Ein konkretes Beispiel: Ein 1-Tages-VaR von 50.000 USD bei einem Konfidenzniveau von 99 % besagt, dass das Portfolio an einem beliebigen Tag mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht mehr als 50.000 USD verliert. Umgekehrt formuliert: In rund einem von hundert Fällen kann dieser Schwellenwert überschritten werden.

Für die Berechnung existieren drei etablierte Methoden:

  • Historische Simulation: Vergangene Renditen werden direkt auf das aktuelle Portfolio angewendet. Keine Verteilungsannahme nötig, dafür abhängig von der Güte der historischen Daten.
  • Varianz-Kovarianz-Methode (parametrisch): Setzt eine Normalverteilung der Renditen voraus. Rechnerisch effizient, aber anfällig für Fehleinschätzungen bei asymmetrischen Renditeverteilungen.
  • Monte-Carlo-Simulation: Erzeugt tausende synthetische Szenarien auf Basis statistischer Annahmen. Flexibel und präzise, jedoch rechenintensiv.

VaR im Krypto-Kontext

Für Krypto-Portfolios gewinnt VaR als Risikokennzahl zunehmend an Bedeutung – insbesondere bei institutionellen Marktteilnehmern und professionellen Fondsmanagern. Allerdings stößt das Maß hier an besondere Grenzen: Kryptomärkte weisen ausgeprägte Fat-Tail-Verteilungen auf, also eine überdurchschnittlich hohe Häufigkeit extremer Kursbewegungen. Die parametrische Methode, die auf einer Normalverteilung basiert, unterschätzt in solchen Märkten das tatsächliche Verlustpotenzial erheblich.

Hinzu kommt der strukturelle Blindspot des VaR: Er sagt nichts darüber aus, wie hoch der Verlust jenseits des Konfidenzniveaus ausfällt. Dieses sogenannte Tail Risk wird durch ergänzende Kennzahlen wie den Expected Shortfall (auch Conditional VaR genannt) adressiert. Im regulatorischen Rahmen – insbesondere unter Basel II und Basel III – ist VaR ein verbindliches Instrument zur Eigenkapitalunterlegung von Marktrisiken bei Banken.

Hinweis: VaR ist ein Risikomaß zur Portfolioanalyse, kein Handelssignal. Er liefert keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Wie alle statistischen Modelle kann VaR in realen Marktphasen – besonders bei extremen Ereignissen – erheblich von der tatsächlichen Entwicklung abweichen.

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