Glossar
Volatilitätsindex (VIX)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Volatilitätsindex (VIX) ist ein Echtzeit-Marktindex der Chicago Board Options Exchange (CBOE), der die vom Markt erwartete Schwankungsintensität des S&P 500 für die kommenden 30 Tage misst – ausgedrückt in Prozentpunkten und abgeleitet aus den Optionspreisen auf diesen Leitindex.
Funktionsweise: Implizite Volatilität als Messgröße
Der VIX berechnet sich nicht aus historischen Kursbewegungen, sondern aus der impliziten Volatilität von S&P-500-Optionen. Steigen Händler massiv in Absicherungsoptionen ein – weil sie größere Kursbewegungen erwarten –, klettern die Optionsprämien, und der VIX steigt entsprechend. Der Index spiegelt damit die kollektive Risikoerwartung der Marktteilnehmer wider, nicht eine bereits eingetretene Bewegung.
Seit seiner Einführung 1993 hat sich der VIX als Referenzpunkt für Marktstimmung etabliert: Werte unter 20 gelten als Zeichen relativer Ruhe, Werte über 30 deuten auf erhöhte Nervosität oder akute Marktturbulenzen hin. Weil steigende Unsicherheit häufig mit fallenden Aktienkursen zusammenfällt, bewegt sich der VIX typischerweise invers zum S&P 500 – daher der geläufige Beiname „Angstbarometer".
Abgrenzung: Richtung versus Intensität
Eine zentrale Einschränkung verdient besondere Beachtung: Der VIX sagt nichts darüber aus, in welche Richtung sich der Markt bewegen wird. Ein hoher VIX bedeutet lediglich, dass große Ausschläge erwartet werden – ob nach oben oder unten, bleibt offen. Wer den VIX als Handelssignal verwendet, interpretiert ihn über seine eigentliche Funktion hinaus. Muster und Indikatoren können scheitern; der VIX ist kein verlässlicher Auslöser für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen.
Ergänzend existiert der VVIX, der die Volatilität des VIX selbst misst. Steigt der VVIX, während der VIX stabil bleibt, deutet das auf wachsende Unsicherheit über die zukünftige Volatilitätsentwicklung hin – ein Zusammenhang, den professionelle Marktteilnehmer als zusätzliche Orientierungsgröße heranziehen.
Relevanz für Krypto-Märkte
Kryptowährungen besitzen keinen eigenen VIX. Dennoch zieht ein stark steigender VIX an den Aktienmärkten bisweilen Risikoaversion nach sich, die auch digitale Assets erfasst – ein indirekter Zusammenhang, der jedoch nicht mechanisch funktioniert und keine verlässliche Grundlage für Handelsentscheidungen bildet. Wer Volatilitätsmessung für Kryptowährungen sucht, stößt stattdessen auf kryptospezifische Konstrukte wie den Crypto Fear & Greed Index oder das Konzept der impliziten Volatilität aus Krypto-Optionsmärkten.