Glossar
Time and Sales (Tape)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Time and Sales (Tape) ist ein Echtzeit-Datenstrom, der jeden ausgeführten Trade eines Wertpapiers oder Krypto-Assets chronologisch aufzeichnet – inklusive Zeitstempel, Ausführungspreis, Handelsgröße und, je nach Plattform, der ausführenden Börse oder des Handelsplatzes.
Aufbau und Farbkodierung
Jede Zeile im Tape entspricht einem einzelnen Print – also einem abgeschlossenen Kauf- oder Verkaufsvorgang. Die Farbkodierung zeigt dabei die sogenannte Aggressor-Richtung: Grün markiert einen Trade zum Ask-Preis, bei dem der Käufer aktiv in das Angebot hineingehandelt hat. Rot kennzeichnet einen Trade zum Bid-Preis, bei dem der Verkäufer aktiv angeboten hat. Weiß oder Grau steht für einen Midpoint-Fill, also eine Ausführung zwischen Geld- und Briefkurs. Diese Einfärbung gibt Aufschluss darüber, welche Marktseite den Trade initiiert hat – nicht jedoch darüber, was als Nächstes passiert.
Bei liquiden Large-Cap-Werten können an einem einzigen Handelstag mehr als 200.000 solcher Prints entstehen. Zeilenweises Lesen ist daher weder praktikabel noch zielführend. Die eigentliche Kompetenz beim Tape Reading besteht in der Mustererkennung: Häufen sich große Prints am Ask bei steigendem Preis? Dominieren kleine, zersplitterte Verkaufsorders den Bid-Bereich? Solche Beobachtungen liefern Kontext – keine Gewissheit.
Einordnung und Grenzen
Time and Sales wird traditionell von institutionellen Marktteilnehmern wie Investmentbanken und Hedge Fonds eingesetzt und funktioniert bei Aktien, Anleihen, Devisen, Rohstoffen und digitalen Assets. In der Praxis kombinieren Händler das Tape mit Level-2-Daten, dem Orderbuch und dem Handelsvolumen, um Zonen erhöhten Kauf- oder Verkaufsdrucks zu identifizieren. Ergänzend bietet das Handelsvolumen-Profil eine übergeordnete Perspektive darauf, bei welchen Preisniveaus historisch besonders viel Umsatz stattgefunden hat.
Wichtiger Hinweis: Time and Sales ist ein deskriptives Werkzeug. Es zeigt, was bereits geschehen ist – nicht, was geschehen wird. Muster im Tape können scheitern, falsch interpretiert werden oder durch algorithmischen Handel bewusst irreführend gestaltet sein (sogenanntes Spoofing oder Layering). Das Tape liefert kein Handelssignal und ersetzt keine eigenständige Risikoanalyse.
Für Einsteiger empfiehlt sich zunächst das Verständnis der Grundbegriffe Handelsvolumen und Just-in-Time-Liquidität, bevor das Tape als zusätzliche Informationsquelle hinzugezogen wird.