Glossar
Just-in-Time-Liquidität (JIT)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Just-in-Time-Liquidität (JIT) ist eine Strategie der Liquiditätsbereitstellung in dezentralen Börsen, bei der ein automatisierter Akteur exakt für einen einzigen bevorstehenden Swap Kapital einschießt und unmittelbar danach wieder abzieht – alles innerhalb desselben Blocks.
Wie JIT-Liquidität funktioniert
Das Phänomen ist ausschließlich durch das Concentrated-Liquidity-Modell von Uniswap v3 möglich. Dort können Liquiditätsanbieter (LPs) ihre Mittel auf beliebig enge Preisintervalle konzentrieren und jederzeit ein- sowie aussteigen. Ein JIT-Bot überwacht kontinuierlich den Ethereum-Mempool und sucht nach großen, noch unbestätigten Swap-Transaktionen. Erkennt er einen solchen Trade, sendet er in kürzester Zeit zwei weitere Transaktionen in denselben Block: zunächst ein Mint, das eine erhebliche Menge Liquidität im relevanten Preisbereich hinzufügt, dann nach dem Swap ein sofortiges Burn, das die Liquidität wieder entnimmt.
Konkretes Beispiel: Ein Nutzer tauscht einen siebenstelligen USDC-Betrag gegen ETH. Der JIT-Bot bemerkt den ausstehenden Swap im Mempool, stellt kurzzeitig tiefe Liquidität in einem engen Band rund um den aktuellen Kurs bereit, kassiert anteilig die Swap-Gebühr dieses einen Trades und zieht sein Kapital noch im gleichen Block zurück.
Wer profitiert – und wer nicht
Für den Trader ergibt sich ein unmittelbarer Vorteil: Die temporär erhöhte Poolliquidität verringert den Price Impact (Slippage), sodass große Orders zu einem günstigeren Ausführungskurs abgewickelt werden. Für den JIT-Anbieter selbst ist das Modell attraktiv, weil das Kapitalexposure auf Bruchteile einer Sekunde beschränkt bleibt – das Risiko von Impermanent Loss ist damit nahezu eliminiert.
Passive LPs hingegen stehen auf der Verliererseite: Ihr Gebührenanteil an genau diesem Trade wird durch den JIT-Anbieter verwässert, der ohne dauerhaftes Risiko partizipiert. Langfristig kann eine steigende JIT-Aktivität dazu führen, dass passive LPs Kapital aus dem Pool abziehen, was die durchschnittliche Poolliquidität in ruhigeren Marktphasen senkt – ein paradoxes Ergebnis, das die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen LP-Strategien verdeutlicht.
JIT-Liquidität ist kein Angriff im technischen Sinne, sondern eine rationale Reaktion auf die Designeigenschaften konzentrierter Liquiditätspools. Sie zeigt, wie Transparenz im Mempool und flexible Smart-Contract-Strukturen neue Akteurstypen hervorbringen, die klassische Gleichgewichtsannahmen in AMM-Modellen verschieben.