Glossar
Royalties (Tantiemen)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Royalties (Tantiemen) sind im Krypto-Kontext automatische Zahlungen, die ein Urheber – etwa ein Künstler oder Spieleentwickler – bei jedem Weiterverkauf eines NFT auf dem Sekundärmarkt erhält, ohne dass ein Intermediär eingeschaltet werden muss.
Funktionsweise on-chain
Der Mechanismus ist direkt im Smart Contract verankert: Wird ein NFT weiterveräußert, leitet der Vertrag automatisch einen festgelegten Prozentsatz des Verkaufspreises an die hinterlegte Wallet-Adresse des Urhebers weiter. Typische Sätze liegen zwischen 2,5 % und 10 % des Sekundärmarktpreises. Der Ethereum-Standard EIP-2981 definiert eine einheitliche Schnittstelle, über die NFT-Verträge diese Royalty-Information strukturiert bereitstellen – eine technische Grundlage, die Marktplätze abfragen und auswerten können.
Ein konkretes Beispiel: Ein Illustrator prägt eine digitale Bilderserie als NFT-Kollektion und kodiert 5 % Royalty im Vertrag. Wechselt ein einzelnes Werk später mehrfach den Besitzer, erhält der Illustrator bei jedem dieser Verkäufe automatisch 5 % des jeweiligen Erlöses – unabhängig davon, ob er an der Transaktion aktiv beteiligt ist.
Abgrenzung zum traditionellen Tantiemenmodell
Im klassischen Urheberrecht werden Tantiemen über Verwertungsgesellschaften wie die GEMA gesammelt, verwaltet und ausgeschüttet – ein zentralisierter Prozess, der Zeit, Bürokratie und Verwaltungsgebühren erfordert. On-chain-Royalties funktionieren dagegen trustless: Kein Dritter muss Zahlungen bestätigen oder weiterleiten; der Smart Contract führt die Ausschüttung selbständig aus, sobald eine Transaktion abgeschlossen ist.
Diese Eigenschaft klingt robust, hat in der Praxis jedoch eine Schwachstelle offenbart: Marktplätze sind technisch nicht zwingend verpflichtet, EIP-2981-Daten auszulesen und die Royalty tatsächlich einzubehalten. Einige Handelsplattformen haben die Durchsetzung von Creator-Royalties zeitweise auf freiwilliger Basis gestellt, was die Debatte auslöste, wie verbindlich ein on-chain kodierter Anspruch gegenüber off-chain-Infrastruktur tatsächlich ist. Die technische Möglichkeit zur Umgehung bleibt ein strukturelles Spannungsfeld zwischen Urheberinteressen und Marktplatz-Wettbewerb.
Bedeutung für Urheber und Ökosystem
Das Royalty-Modell soll die Einnahmesituation von Kreativen grundlegend verändern: Statt eines einmaligen Verkaufserlöses partizipieren Urheber dauerhaft an der Wertsteigerung ihrer Werke – über beliebig viele Weiterverkäufe hinweg. Für In-Game-Token-Ökosysteme und Governance Token-Projekte ist das Modell ebenso relevant, wenn digitale Assets innerhalb eines Protokolls gehandelt werden und ein Teil der Erlöse an Entwickler oder eine DAO zurückfließen soll.