Glossar
Relative Strength Index (RSI)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Relative Strength Index (RSI) ist ein Momentum-Oszillator aus der technischen Analyse, der die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Kursbewegungen auf einer normierten Skala von 0 bis 100 misst. Entwickelt wurde er 1978 vom Technischen Analysten J. Welles Wilder; die Standardeinstellung basiert auf den letzten 14 Perioden (Kerzen).
Berechnung und Skalenwerte
Die Berechnungsgrundlage ist das Verhältnis der durchschnittlichen Kursgewinne zu den durchschnittlichen Kursverlusten im gewählten Zeitraum:
RS = Avg Gain / Avg Loss → RSI = 100 – 100 / (1 + RS)
Steigt ein Asset über viele Perioden hinweg stärker als es fällt, nähert sich der RSI der 100; überwiegen Verluste, fällt er gegen 0. Traditionell gilt ein Wert über 70 als Hinweis auf einen möglicherweise überkauften Markt, ein Wert unter 30 als Hinweis auf einen möglicherweise überverkauften Markt. Diese Schwellen sind jedoch keine festen Grenzen: Bei anhaltend trendstarken Märkten kann der RSI wochenlang im Bereich über 70 verbleiben, ohne dass eine Umkehr eintritt. Für volatile Kryptomärkte werden die Schwellen daher gelegentlich auf 80/20 angepasst, um Fehlsignale zu reduzieren.
Divergenzen als zusätzliches Analyseelement
Neben den Overbought-/Oversold-Zonen wird der RSI häufig zur Erkennung von Divergenzen eingesetzt. Eine bullische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein neues Tief markiert, der RSI aber ein höheres Tief ausbildet. Eine bärische Divergenz zeigt das Spiegelbild: neues Kurshoch bei fallendem RSI. Solche Abweichungen zwischen Preis und Indikator können auf nachlassenden Trend-Schwung hindeuten.
Wichtiger Hinweis: Divergenzen und Overbought-/Oversold-Signale sind analytische Beobachtungen, keine Handelssignale. Wie alle technischen Indikatoren kann der RSI Fehlsignale erzeugen, insbesondere in trendstarken oder illiquiden Märkten. Der RSI ersetzt keine eigenständige Risikoabwägung und stellt keine Anlage- oder Handelsempfehlung dar.
Einordnung im Analyse-Kontext
Der RSI ist ein reaktiver Indikator – er bewertet vergangene Kursdaten, trifft aber keine Aussagen über zukünftige Kursentwicklungen. Sinnvoll ist sein Einsatz in Kombination mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse, etwa dem Average Directional Index (ADX), der die Trendstärke misst, oder dem Commodity Channel Index (CCI). Der Fear and Greed Index liefert ergänzend eine stimmungsbasierte Marktperspektive.