Glossar
Average Directional Index (ADX)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Average Directional Index (ADX) ist ein technischer Indikator, der die Stärke eines Trends auf einer Skala von 0 bis 100 misst – unabhängig davon, ob der Kurs steigt oder fällt. Entwickelt wurde er 1978 von J. Welles Wilder und erstmals in seinem Werk New Concepts in Technical Trading Systems veröffentlicht.
Aufbau und Berechnung
Der ADX ist kein Einzelindikator, sondern Teil eines dreiteiligen Systems. Ergänzt wird er durch zwei Richtungslinien: +DI (positiver Directional Indicator, misst aufwärts gerichteten Kursdruck) und −DI (negativer Directional Indicator, misst abwärts gerichteten Kursdruck). Der ADX selbst ergibt sich als geglätteter Durchschnitt des Directional Index (DX) über standardmäßig 14 Perioden. Die Formel für den DX lautet:
DX = (|+DI − −DI| / |+DI + −DI|) × 100
Für jeden Folgewert gilt: ADX = (Vorheriger ADX × 13 + Aktueller DX) / 14. Die Berechnung übernimmt in der Praxis jede Chartsoftware automatisch.
Interpretation der Werte
Die gängigen Richtwerte zur Einordnung:
- Unter 20: schwacher oder kein Trend, Markt bewegt sich eher seitwärts
- 20–40: Trend baut sich auf oder ist moderat ausgeprägt
- Über 40: starker Trend
- Über 50: sehr starker Trend
Wichtig: Ein hoher ADX-Wert sagt nichts darüber aus, ob der Kurs steigt oder fällt. Erst das Verhältnis von +DI zu −DI zeigt die Richtung an – überwiegt +DI, liegt bullischer Druck vor; überwiegt −DI, dominiert bärischer Druck. Kreuzungen der beiden DI-Linien werden von manchen Analysten als Teil eines vollständigen Handelssystems interpretiert.
Grenzen des Indikators
Der ADX ist ein Lagging Indicator: Er reagiert erst, nachdem ein Trend bereits begonnen hat. In seitwärts laufenden oder besonders volatilen Märkten neigt er zu Fehlsignalen, weil kurzfristige Kursschwankungen als Trendstärke fehlgedeutet werden können. Wie alle Instrumente der technischen Analyse ersetzt der ADX keine eigenständige Risikoabwägung und ist kein Handelssignal. Chartmuster und Indikatoren – einschließlich des ADX – können scheitern und liefern keine verlässlichen Prognosen über künftige Kursentwicklungen.
Sinnvoll ist der ADX meist in Kombination mit anderen Indikatoren, etwa dem Average True Range (ATR) zur Volatilitätsmessung oder dem Commodity Channel Index (CCI) zur Trendbestätigung.