Glossar
Rebase Token
Aktualisiert 12. Juni 2026
Rebase Token ist eine Kryptowährung mit elastischer Umlaufmenge, deren Protokoll die Gesamtversorgung periodisch algorithmisch anpasst – ohne dabei klassische Transfers, Minting- oder Burning-Vorgänge auszulösen. Stattdessen skaliert der Smart Contract die Guthaben aller Halter gleichzeitig und proportional: Steigt die Menge um zehn Prozent, wächst jedes Wallet-Guthaben um denselben Faktor.
Funktionsweise: Positive und negative Rebases
Das Protokoll vergleicht den aktuellen Marktpreis mit einem definierten Zielpreis. Liegt der Kurs darüber, löst es einen positiven Rebase aus – die Gesamtmenge steigt, jeder Halter hält mehr Token. Liegt der Kurs darunter, folgt ein negativer Rebase: Die Menge schrumpft, Wallet-Guthaben sinken. Dieser Mechanismus wiederholt sich typischerweise täglich. Das bekannteste Beispiel ist Ampleforth (AMPL): Das Protokoll strebt einen inflationsbereinigten Zielpreis von 1 USD an und justiert die Umlaufmenge jeden Tag entsprechend der Preisabweichung.
Wichtig: Ein Rebase verändert zwar die Anzahl der gehaltenen Token, nicht aber den prozentualen Anteil am Gesamtangebot. Wer vor dem Rebase ein Prozent aller AMPL hielt, hält danach weiterhin ein Prozent – lediglich die absolute Stückzahl und, durch den Marktdruck, potenziell der Preis verschieben sich.
Abgrenzung zu Stablecoins und Zins-Token
Rebase Token teilen mit Stablecoins das Merkmal eines Preisziels, unterscheiden sich aber grundlegend: Stablecoins halten ihren Kurs über Sicherheiten oder Fiat-Deckung stabil, während bei Rebase Token der Preis selbst weiterhin schwanken kann. Die Mengenskalierung ist ein indirektes Steuerungsinstrument, kein Stabilitätsgarant.
Eine zweite, funktional verwandte Verwendung findet sich in DeFi-Protokollen: Sogenannte aToken / cToken (Zins-Token) wie die aTokens von Aave nutzen denselben Rebase-Mechanismus, um aufgelaufene Zinsen direkt als wachsende Wallet-Balance darzustellen – der Inhaber sieht mehr Token statt eines höheren Einzelpreises.
Steuerliche und buchhalterische Besonderheiten
Jeder Rebase-Event kann steuerrechtlich als separates Ereignis gewertet werden, da sich die Anzahl der gehaltenen Token verändert. Das erschwert die lückenlose Buchführung erheblich: Bei täglichen Rebases summieren sich allein in einem Jahr bis zu 365 potenziell relevante Ereignisse pro gehaltener Position. Wer Rebase Token im Portfolio führt, sollte die steuerliche Behandlung frühzeitig mit einer fachkundigen Stelle klären.