Glossar
Pool-Ratio (Pool-Verhältnis)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Pool-Ratio (Pool-Verhältnis) ist das mengenmäßige Verhältnis zweier Token innerhalb eines Liquidity Pools, das den aktuellen Tauschpreis des Paares automatisch bestimmt – ohne Orderbuch, ohne Gegenpartei.
Wie das Verhältnis den Preis steuert
Die mathematische Grundlage der meisten Liquidity Pools ist die Constant-Product-Formel x · y = k: Die Menge von Token A multipliziert mit der Menge von Token B ergibt stets denselben konstanten Wert k. Kauft ein Trader Token A aus dem Pool, sinkt dessen Bestand – der Pool muss folglich den Preis von A automatisch anheben, damit k erhalten bleibt. Token B wird gleichzeitig günstiger, da sein Bestand gestiegen ist. Das Pool-Ratio verschiebt sich mit jedem Trade.
Ein konkretes Beispiel: Ein Pool enthält 100 ETH und 200.000 USDC, k = 20.000.000. Wird ETH nachgefragt, sinkt der ETH-Bestand auf z. B. 95 ETH – der USDC-Bestand muss auf rund 210.526 USDC steigen, damit k konstant bleibt. Das neue Ratio zeigt einen höheren ETH-Preis in USDC.
Gewichtung, Arbitrage und Impermanent Loss
Standard-Pools starten mit einem 50/50-Wertverhältnis: Beide Seiten repräsentieren beim Einzahlen denselben Dollarwert. Protokolle mit anpassbaren Gewichtungen erlauben abweichende Strukturen wie 80/20, was das Preisverhalten und das Verlustrisiko für Liquiditätsgeber spürbar verändert.
Verändert sich das Pool-Ratio stark – weil sich der externe Marktpreis eines Token verschoben hat –, entsteht für Liquidity Provider Impermanent Loss: Ihr Anteil am Pool ist beim Abzug weniger wert als das bloße Halten der Token außerhalb des Pools. Je stärker das Ratio vom ursprünglichen Einzahlungsverhältnis abweicht, desto größer fällt dieser Buchverlust aus.
Arbitrageure spielen dabei eine regulierende Rolle: Weicht das Pool-Ratio vom Preis an anderen Börsen ab, kaufen sie den günstigeren Token im Pool und verkaufen ihn teurer andernorts – so lange, bis beide Preise wieder übereinstimmen. Dieses Mechanismus hält das Pool-Ratio dauerhaft nah am Marktpreis, erzeugt aber zugleich die Trades, die Impermanent Loss verursachen.
Das Pool-Ratio ist damit kein rein technischer Kennwert, sondern das zentrale Preisfindungsinstrument dezentraler Börsen – und gleichzeitig der direkte Treiber eines der wesentlichen Risiken für Liquiditätsgeber.