Glossar
Markttiefe
Aktualisiert 12. Juni 2026
Markttiefe ist ein Maß dafür, wie viele limitierte Kauf- und Verkaufsaufträge auf verschiedenen Preisniveaus nahe am aktuellen Marktpreis im Orderbuch vorliegen – und wie gut ein Markt größere Transaktionen aufnehmen kann, ohne dass der Kurs dabei stark ausschlägt.
Wie Markttiefe im Orderbuch sichtbar wird
Das Orderbuch einer Börse listet auf der einen Seite alle offenen Kauflimits (Bids), auf der anderen alle Verkaufslimits (Asks) – jeweils mit Preis und Volumen. Ein Markt gilt als tief, wenn auf beiden Seiten viele Orders dicht gestaffelt sind. Manche Handelsplätze zeigen dazu die zehn besten Bids und Asks in Echtzeit an, sodass Marktteilnehmer die Verteilung der Liquidität auf einen Blick erfassen können.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Effekt: Angenommen, auf der Ask-Seite liegen bei Preis 100 nur 300 Einheiten, bei 101 weitere 400 und bei 101,50 nochmals 500. Wer sofort 600 Einheiten kaufen will, „frisst" sich durch das erste und einen Teil des zweiten Preisniveaus – der tatsächlich gezahlte Durchschnittspreis liegt dann spürbar über dem ursprünglichen Best-Ask. Je dünner das Orderbuch, desto stärker dieser sogenannte Slippage-Effekt.
Liquidität, Volatilität und externe Schocks
Hohe Markttiefe und hohe Liquidität bedingen einander: Wo viele Orders gestaffelt sind, können auch großvolumige Transaktionen ohne starke Kurssprünge abgewickelt werden. Dünnt das Orderbuch aus – etwa nach überraschenden Nachrichten oder in illiquiden Handelsphasen –, genügen schon vergleichsweise kleine Orders, um den Preis deutlich zu bewegen. Gleichzeitig weiten sich die Spreads zwischen Bid und Ask aus, was die Transaktionskosten faktisch erhöht.
Im Kryptomarkt ist dieser Effekt besonders ausgeprägt: Kleine Altcoins weisen oft eine deutlich geringere Markttiefe auf als etablierte Vermögenswerte. Ein Orderbuch, das oberflächlich nach hohem Handelsvolumen aussieht, kann dennoch dünn sein, wenn das Volumen durch kurzfristige Market-Orders entsteht statt durch stabile Limit-Orders.
Hinweis: Markttiefe ist ein deskriptives Konzept zur Einschätzung von Liquiditätsverhältnissen – kein Handelssignal. Orderbücher können sich innerhalb von Sekunden verändern, und selbst ein scheinbar tiefes Buch bietet keine Garantie für stabile Ausführungspreise. Jede Handlungsentscheidung liegt beim Marktteilnehmer selbst.