Glossar
Liquidity Bootstrapping Pool (LBP)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Liquidity Bootstrapping Pool (LBP) ist ein spezialisierter DeFi-Liquiditätspool, der Projekten ermöglicht, einen neuen Token über einen definierten Zeitraum dezentral und mit kontrolliertem Preismechanismus zu verteilen – ohne klassisches Market-Making oder zentrale Orderbücher.
Aufbau und Funktionsweise
Ein LBP besteht immer aus genau zwei Token: dem zu lancierenden Projekttoken und einem Reservetoken – typischerweise ein Stablecoin oder WETH. Der entscheidende Mechanismus ist die lineare Gewichtsverschiebung: Zu Beginn erhält der Projekttoken ein sehr hohes Gewicht im Pool (zum Beispiel 96 %), während der Reservetoken entsprechend niedrig gewichtet ist (4 %). Über den definierten Verkaufszeitraum – festgelegt über startTime und endTime – sinkt das Gewicht des Projekttokens kontinuierlich, während das des Reservetokens steigt.
Diese Verschiebung lässt den Preis des Projekttokens ohne Käufe automatisch fallen. Bleibt die Nachfrage aus, sinkt der Preis, bis er auf Käufer trifft. Kauft jemand, steigt der Preis kurzzeitig, fällt aber durch die Gewichtsverschiebung wieder – ein sich selbst regulierender Auktionsmechanismus.
Konkretes Beispiel: Startet ein LBP mit 96 %/4 % (Projekttoken/USDC) und endet nach 72 Stunden bei 4 %/96 %, ergibt sich ein anfänglich hoher Startpreis, der graduell sinkt. Wer zu früh kauft, zahlt den Höchstpreis; wer wartet, profitiert vom fallenden Kurs – sofern nicht andere Käufer zuvorkommen.
Technische Einordnung und Schutzfunktionen
LBPs sind technisch als Smart Pools (auch: Configurable Rights Pools) konzipiert. Im Gegensatz zu unveränderlichen Shared Pools kann der Pool-Besitzer Parameter wie Gewichtungen anpassen – allerdings nur innerhalb vorher festgelegter Grenzen. Das macht LBPs weniger vertrauenslos als rein permissionslose Pools, aber kontrollierbarer als vollständig private Pools.
Über den optionalen Parameter blockProjectToken lässt sich verhindern, dass der Projekttoken zurück in den Pool verkauft wird. Das schützt vor gezielter Kursmanipulation durch Großinvestoren oder automatisierte Bots, die den frühen Hochpreisbereich ausnutzen würden. Genau darin liegt ein zentraler Vorteil gegenüber klassischen Token-Launches: Der fallende Preismechanismus macht Front-Running und Whale-Dominanz strukturell unattraktiv, was eine breitere Erstverteilung begünstigt.
LBPs ersetzen keine langfristige Liquiditätspool-Strategie; sie dienen ausschließlich der initialen Tokenverteilung. Nach Ablauf des LBP-Zeitraums sind Swaps gesperrt – das Projekt muss anschließend eigenständig Liquiditätsanbieter gewinnen oder eigene Liquidität bereitstellen.