Glossar
Linear Vesting
Aktualisiert 12. Juni 2026
Linear Vesting ist ein Mechanismus in der Krypto-Tokenomics, bei dem eine vorab festgelegte Token-Menge gleichmäßig und kontinuierlich über einen definierten Zeitraum an Berechtigte freigegeben wird – proportional zur verstrichenen Zeit, ohne Sprünge oder Gewichtungen.
Funktionsweise
Die Logik ist arithmetisch einfach: Erhält ein Teammitglied 1.200 Token mit einer linearen Laufzeit von zwei Jahren, werden monatlich exakt 50 Token freigegeben – unabhängig davon, ob der Kurs des Tokens steigt oder fällt, ob das Projekt wächst oder stagniert. Die Freigabe kann täglich, monatlich oder quartalsweise getaktet sein; zunehmend übernehmen Smart Contracts die automatisierte Abwicklung und machen manuelle Eingriffe überflüssig.
Häufig wird Linear Vesting mit einer Cliff (Vesting Cliff)-Periode kombiniert. Der Cliff definiert eine Sperrfrist, während der keinerlei Token fließen. Erst nach deren Ablauf beginnt die gleichmäßige Freigabe für den verbleibenden Zeitraum. Ein typisches Muster in der Branche: zwölf Monate Cliff, anschließend 36 Monate lineare Freigabe – insgesamt also vier Jahre Bindungsdauer.
Zweck und Einordnung
Der Mechanismus verfolgt ein klares Ziel: Er soll Gründer, Kernteam und Frühinvestoren langfristig an das Projekt binden und verhindern, dass große Token-Mengen unmittelbar nach einer Projektveröffentlichung auf den Markt gelangen. Ein plötzlicher Massenverkauf durch Insider – in der Szene als Token Dump bezeichnet – kann die Circulating Supply abrupt ausweiten und das Vertrauen in die Tokenomics beschädigen.
Gegenüber anderen Vesting-Varianten – etwa dem Graded Vesting mit ansteigenden Freigabemengen oder dem Milestone-basierten Vesting, das an Projekterfolge geknüpft ist – gilt Linear Vesting als die einfachste und am weitesten verbreitete Methode. Für alle Beteiligten ist jederzeit nachvollziehbar, wie viele Token zu welchem Zeitpunkt freigegeben werden. Das erleichtert sowohl die interne Planung als auch die externe Kommunikation gegenüber der Community.
Ein weiterer Vorteil: Da die Freigabe nicht an Kursentwicklungen oder subjektive Meilensteine gebunden ist, entstehen weniger Interpretationsspielräume und damit weniger Konfliktpotenzial zwischen Projekt und Token-Empfängern. Die Kehrseite ist die fehlende Flexibilität – unabhängig von der tatsächlichen Leistung eines Teammitglieds läuft der Zeitplan mechanisch weiter.