KryptoRatgeber

Glossar

Cliff (Vesting Cliff)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Cliff (Vesting Cliff) ist eine festgelegte Sperrfrist innerhalb eines Token-Vesting-Plans, während der keinerlei Token an Berechtigte ausgeschüttet werden – erst nach deren Ablauf wird ein definierter Anteil auf einmal freigegeben.

Funktionsweise im Detail

Ein Cliff unterbricht nicht den Lauf der Gesamtvesting-Periode, sondern bildet deren erste Phase. Typisch im Krypto-Bereich ist eine Cliff-Dauer von sechs bis zwölf Monaten. Wer beispielsweise Team-Token mit einem Zwölf-Monats-Cliff und anschließendem linearem Vesting über 36 Monate erhält, sieht in den ersten zwölf Monaten keinen einzigen Token auf seinem Wallet. Mit Ablauf des Cliffs wird ein Pauschalanteil – häufig 25 Prozent der Gesamtzuteilung – sofort freigeschaltet. Die verbleibenden 75 Prozent fließen dann in monatlichen Raten über die restliche Laufzeit. Cliff und lineares Vesting bilden zusammen den vollständigen Freigabeplan.

Neben zeitbasierten Cliffs existieren meilensteinbasierte Varianten: Hier löst kein Datum, sondern ein Projektereignis – etwa der Mainnet-Launch oder das Erreichen eines On-Chain-Governance-Quorums – die erste Freigabe aus. Beide Ansätze lassen sich kombinieren, sodass ein Token erst dann und frühestens nach einer definierten Zeit ausgeschüttet wird.

Warum Cliffs eingesetzt werden

Der zentrale Zweck eines Cliffs ist die Interessenangleichung. Gründer, frühe Investoren und Berater sollen einen Anreiz haben, dem Projekt über einen längeren Zeitraum verbunden zu bleiben, bevor sie über nennenswertes Token-Kapital verfügen. Ohne Cliff bestünde die Möglichkeit, unmittelbar nach dem Token Generation Event (TGE) große Mengen zu verkaufen – ein Szenario, das als Dump-Risiko oder, im Extremfall, als Rug Pull bezeichnet wird.

Die Durchsetzung erfolgt im Krypto-Bereich per Smart Contract: Der Code prüft automatisch, ob Cliff-Bedingungen erfüllt sind, und gibt Token trustless frei – ohne manuelle Prüfung durch eine zentrale Instanz. Das unterscheidet Krypto-Vesting grundlegend vom klassischen Aktien-Vesting, das rechtliche Vereinbarungen und administrativen Aufwand erfordert.

Wer Tokenomics eines Projekts bewertet, sollte den Vesting-Plan mit Cliff-Datum und anschließendem Freigabeplan genau lesen: Große Einmalfreigaben nach Ablauf eines Cliffs können das zirkulierende Angebot abrupt erhöhen und damit das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verschieben. Diese Information ist Teil einer sorgfältigen Projektanalyse – nicht Grundlage einer Anlageentscheidung.

Verwandte Begriffe