Glossar
Impermanent Loss
Aktualisiert 12. Juni 2026
Impermanent Loss ist der rechnerische Wertverlust, den ein Liquiditätsanbieter (Liquidity Provider, LP) erleidet, weil sich der relative Preis der beiden in einem AMM-Liquiditätspool hinterlegten Token nach der Einzahlung verändert hat – gemessen an dem Wert, den dieselben Assets beim bloßen Halten im eigenen Wallet erzielt hätten.
Wie der Verlust entsteht
Automatisierte Market Maker (AMM) wie etwa Uniswap halten das Wertverhältnis zweier Pool-Token durch kontinuierliches Rebalancing konstant. Steigt Token A gegenüber Token B im Wert, kaufen Arbitrageure Token A aus dem Pool heraus, bis der interne Kurs dem Markt entspricht. Der LP hält danach mehr vom günstigeren Token B und weniger vom gestiegenen Token A – eine Verschiebung, die er beim Einzahlen nicht steuern konnte. Zieht er seine Liquidität ab, realisiert er diesen Unterschied als tatsächlichen Verlust gegenüber der reinen Halte-Strategie.
Das Wort „impermanent" ist dabei programmatisch: Kehren beide Token exakt zum ursprünglichen Preisverhältnis zurück, löst sich der Verlust vollständig auf. Erst die Auszahlung bei abweichendem Verhältnis macht ihn dauerhaft – manche Fachleute bevorzugen deshalb den Begriff „divergence loss", der die Ursache präziser beschreibt.
Größenordnung und Einordnung
Die Relation zwischen Preisabweichung und IL folgt einer festen Formel. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Dimension: Verdoppelt sich einer der beiden Token im Wert, während der andere stabil bleibt, beläuft sich der IL auf rechnerisch rund 5,7 % gegenüber dem reinen Halten. Bei einer Verzehnfachung steigt er auf etwa 42 %. Stark korrelierte Paare – etwa zwei Stablecoins oder WBTC und ETH – weisen typischerweise geringere IL auf, weil die Preisschwankung zwischen ihnen kleiner ausfällt.
Ob LP-Positionen unter dem Strich profitabel sind, hängt vom Verhältnis zwischen IL und den erzielten Erträgen ab. Trading-Gebühren, die bei jeder Transaktion durch den Pool anfallen, sowie eventuelle Liquidity-Mining-Rewards fließen dem LP zu und können den IL ganz oder teilweise ausgleichen. In Pools mit geringem Handelsvolumen und hoher Preisvolatilität der enthaltenen Assets ist das Risiko besonders ausgeprägt.
Impermanent Loss ist kein Bug, sondern eine strukturelle Konsequenz des AMM-Mechanismus. Wer Liquidität bereitstellt, übernimmt damit bewusst eine marktmachende Funktion und trägt das damit verbundene Preisrisiko – eine Abwägung, die ein grundlegendes Verständnis der zugrunde liegenden Mathematik voraussetzt.