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Glossar

IEO

Aktualisiert 12. Juni 2026

IEO (Initial Exchange Offering) ist ein Fundraising-Verfahren, bei dem ein Blockchain-Projekt neue Token nicht direkt an Investoren verkauft, sondern den Verkaufsprozess vollständig über eine etablierte Kryptobörse abwickelt, die dabei als geprüfter Intermediär auftritt.

Funktionsweise und Abgrenzung zum ICO

Der strukturelle Unterschied zum ICO liegt in der Rolle der Börse: Beim klassischen Initial Coin Offering tritt das Projekt selbst als Verkäufer auf, Investoren kaufen Token direkt über die Projektwebsite – ohne unabhängige Prüfinstanz. Beim IEO schließt das Projekt einen Vertrag mit einer Börse, die den Token-Sale auf ihrer Plattform durchführt. Die Börse übernimmt dabei drei Kernaufgaben: Sie prüft das Projekt im Vorfeld (Due Diligence), wickelt den Verkauf technisch ab und listet den Token unmittelbar nach Abschluss des Sales – sodass Käufer sofort handeln können. Für diesen Service erhält die Börse eine Gebühr vom Token-Emittenten.

IEOs entstanden um 2019 als direkte Reaktion auf den ICO-Boom der Jahre 2017/2018, der von zahlreichen Betrugsfällen und gescheiterten Projekten geprägt war. Binance Launchpad gilt als einer der frühen Vorreiter des Formats und machte das Modell branchenweit bekannt. Die Einbindung einer bereits etablierten Plattform sollte Vertrauen schaffen: Investoren mussten dem Projekt nicht mehr blind vertrauen, sondern konnten sich zumindest teilweise auf die Vorprüfung der Börse verlassen.

Risiken und regulatorische Einordnung

Die Einschaltung einer Börse reduziert Risiken – eliminiert sie aber nicht. Die US-Behörde Investor.gov warnt ausdrücklich davor, dass IEOs ähnliche Betrugsrisiken wie ICOs tragen: Projekte können trotz Prüfung scheitern oder betrügerisch sein, und in den meisten Jurisdiktionen gelten die ausgegebenen Token nicht als regulierte Wertpapiere. Das bedeutet konkret: Käufer genießen im Schadensfall oft keinen vergleichbaren Rechtsschutz wie bei börsennotierten Aktien.

Hinzu kommt ein strukturelles Interessenkonflikt-Risiko: Die Börse verdient an jedem IEO, was den Anreiz für besonders strenge Prüfungen begrenzen kann. Investoren sollten daher das Whitepaper, das Entwicklerteam und die Token-Ökonomie eines Projekts unabhängig analysieren – unabhängig davon, welche Plattform den Sale durchführt.

Für das Verständnis des breiteren Kontexts ist relevant, dass IEOs konzeptionell zwischen einem vollständig unregulierten ICO und einem regulierten Börsengang (IPO) angesiedelt sind: mehr Struktur als ersteres, deutlich weniger Schutz als letzteres.

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