Glossar
Geld-Brief-Spanne
Aktualisiert 12. Juni 2026
Geld-Brief-Spanne ist die Differenz zwischen dem Geldkurs (Bid) – dem höchsten Preis, den ein Käufer zu zahlen bereit ist – und dem Briefkurs (Ask) – dem niedrigsten Preis, zu dem ein Verkäufer abgeben möchte. Im englischen Sprachgebrauch ist der Begriff Bid-Ask-Spread geläufig, häufig verkürzt zu Spread.
Funktionsweise und implizite Kosten
Käufer handeln stets zum Briefkurs, Verkäufer zum Geldkurs. Da der Briefkurs definitionsgemäß über dem Geldkurs liegt, entsteht unmittelbar nach einem Kauf ein rechnerischer Verlust in Höhe der Spanne – noch bevor sich der Kurs des Assets überhaupt bewegt hat. Die Geld-Brief-Spanne ist damit eine Form impliziter Transaktionskosten, die im Gegensatz zu expliziten Gebühren nicht gesondert ausgewiesen wird, aber ebenso reale Wirkung entfaltet.
Beispiel zur Veranschaulichung: Notiert ein Asset mit einem Geldkurs von 99,80 € und einem Briefkurs von 100,20 €, beträgt die absolute Spanne 0,40 € oder prozentual rund 0,40 % des Kurswerts. Wer zum Briefkurs kauft und sofort wieder zum Geldkurs verkauft, realisiert diesen Verlust unabhängig von jeder Kursbewegung.
Die Angabe erfolgt entweder als absolute Zahl oder als prozentualer Anteil am Kurswert. Letzteres ermöglicht einen direkten Vergleich zwischen Assets unterschiedlicher Preisklassen.
Einflussfaktoren und Relevanz
Die Höhe der Spanne ist kein fixer Wert, sondern schwankt mit den Marktbedingungen. Zwei Faktoren dominieren:
- Liquidität: Je mehr Marktteilnehmer aktiv handeln und je größer das verfügbare Handelsvolumen, desto enger fällt der Spread aus. Wenig liquide Assets weisen typischerweise deutlich weitere Spannen auf.
- Volatilität: In unruhigen Marktphasen weiten Market Maker und andere Liquiditätsgeber die Spanne aus, um ihr Kursrisiko zu kompensieren.
Market Maker und Kreditinstitute verdienen an der Geld-Brief-Spanne, indem sie systematisch zum Briefkurs verkaufen und zum Geldkurs kaufen – die Spanne stellt ihre Bruttomarge dar, aus der operative Risiken und Kosten gedeckt werden.
Für kurzfristige Handelsansätze wie Scalping ist die Spanne besonders relevant, da sie die erzielbare Gewinnmarge direkt mindert. Langfristig orientierte Positionen werden durch einen einmaligen, engen Spread weniger stark belastet. Hinweis: Die Geld-Brief-Spanne ist ein Maß für Marktstruktur und Transaktionskosten – sie ist kein Handelssignal und erlaubt keine Prognose über künftige Kursbewegungen. Wie alle Marktindikatoren kann sie in ihrer Aussagekraft versagen.