Glossar
Fully Diluted Valuation (FDV)
Aktualisiert 12. Juni 2026
Fully Diluted Valuation (FDV) ist die hypothetische Gesamtbewertung eines Kryptoprojekts, berechnet als aktueller Tokenpreis multipliziert mit dem maximalen Gesamtangebot – einschließlich aller Token, die noch gesperrt, unvested oder schlicht noch nicht ausgegeben sind.
Formel und Abgrenzung zur Market Cap
Die Berechnung ist denkbar einfach:
FDV = aktueller Tokenpreis × maximales Gesamtangebot (Max Supply)
Der entscheidende Unterschied zur Market Cap liegt im Nenner: Die Market Cap berücksichtigt ausschließlich das Circulating Supply – also jene Token, die bereits im Umlauf sind. Die FDV hingegen zieht das vollständige, theoretisch je existierende Angebot heran. Bei Projekten mit einem geringen Anteil im Umlauf kann die FDV ein Vielfaches der Market Cap betragen.
Ein konkretes Beispiel: Ein Token kostet 2 €, sein Circulating Supply beträgt 50 Millionen Token, der Max Supply liegt bei 1 Milliarde Token. Die Market Cap ergibt 100 Millionen €, die FDV dagegen 2 Milliarden € – ein Faktor von 20. Dieses Verhältnis lässt sich auch direkt als FDV/Market-Cap-Ratio ausdrücken.
Aussagekraft und bekannte Schwächen
Ein hohes FDV-zu-Market-Cap-Verhältnis signalisiert, dass in Zukunft noch erhebliche Tokenmengen freigeschaltet werden – etwa über Mining-Rewards, Staking-Ausschüttungen oder ablaufende Vesting-Schedules von Team und Investoren. Diese künftige Emission Rate kann durch Angebotsdruck den Preis belasten, sofern die Nachfrage nicht im gleichen Maß steigt.
Die FDV hat jedoch eine strukturelle Schwäche: Sie ist eine Momentaufnahme und unterstellt, dass der Preis konstant bleibt, während das Angebot auf den maximalen Wert anwächst. In der Praxis drückt ein wachsendes Angebot den Preis – eine Dynamik, die die Kennzahl schlicht ignoriert. Wer die FDV als verlässliche Zukunftsbewertung missversteht, überschätzt sie systematisch.
Dennoch hat die FDV ihren Platz in der Projektanalyse: Sie macht unterschiedliche Kryptoprojekte vergleichbar, unabhängig davon, wie groß der bereits zirkulierende Anteil ist, und schärft den Blick für Risiken durch zukünftige Token-Emissionen. Sinnvoll eingesetzt ist sie ein Werkzeug zur Einordnung – kein Kursziel und kein Bewertungsurteil.