Glossar
EIP-1559
Aktualisiert 12. Juni 2026
EIP-1559 (Ethereum Improvement Proposal 1559) ist ein Protokollupdate für das Ethereum-Netzwerk, das am 5. August 2021 mit dem London Hard Fork aktiviert wurde und das bis dahin gültige First-Price-Auction-Modell für Transaktionsgebühren grundlegend ersetzte.
Das Problem: blindes Bieten im Auktionsverfahren
Vor EIP-1559 legten Nutzer einen Gaspreis fest, ohne zu wissen, was andere gleichzeitig boten. Das Ergebnis: Bei hoher Netzauslastung überboten sich Sender gegenseitig, Gebühren schnellten unvorhersehbar nach oben, und selbst erfahrene Nutzer zahlten häufig deutlich mehr als nötig. Wallets und Anwendungen konnten keine verlässlichen Kostenschätzungen liefern.
Die Lösung: dynamische Base Fee mit Burn-Mechanismus
EIP-1559 führt eine protokollseitig berechnete Base Fee ein. Das Netzwerk passt diesen Wert automatisch an: Liegt die Blockauslastung über dem Zielwert, steigt die Base Fee um maximal 12,5 % pro Block; liegt sie darunter, sinkt sie entsprechend. Damit reagiert der Gebührenmechanismus direkt auf die tatsächliche Nachfrage – ohne manuelles Raten.
Nutzer definieren lediglich eine Max Fee als persönliche Obergrenze. Liegt die aktuelle Base Fee darunter, wird die Differenz automatisch zurückerstattet. Zusätzlich kann ein optionales Tip (Prioritätsgebühr) an Validatoren gezahlt werden, um eine bevorzugte Aufnahme in den nächsten Block zu erreichen.
Der entscheidende strukturelle Einschnitt: Die Base Fee wird vollständig verbrannt und fließt nicht an Miner oder Validatoren. Validatoren erhalten ausschließlich den optionalen Tip. Dieser Burn-Mechanismus entzieht dem Umlauf fortlaufend ETH und wirkt der kontinuierlichen Neuausgabe durch Block-Rewards entgegen – in Phasen hoher Netzaktivität übersteigt die verbrannte Menge die Neuemission.
Dynamische Blockgröße als Ergänzung
Parallel wurde die Blockgröße flexibilisiert: Zielgröße sind 15 Millionen Gas pro Block, die maximale Kapazität liegt bei 30 Millionen Gas. Kurzfristige Nachfragespitzen können so abgefangen werden, ohne dass die Gebühren sofort explodieren – der Puffer verhindert abrupte Engpässe, während die Base Fee die mittelfristige Anpassung übernimmt.
Praktisches Beispiel: Sendet ein Nutzer eine einfache ETH-Überweisung (21.000 Gas) bei einer Base Fee von 10 Gwei und setzt seine Max Fee auf 15 Gwei, zahlt er genau 10 Gwei pro Gas. Die 5 Gwei Differenz werden zurückgebucht. Der Validator erhält nur ein separat gesetztes Tip – oder keines.
EIP-1559 verbessert die Gebührentransparenz strukturell, beseitigt aber keine Lastprobleme auf Protokollebene; für Skalierbarkeit sind Layer-2-Lösungen zuständig.