Glossar
Einjahresfrist
Aktualisiert 12. Juni 2026
Einjahresfrist ist die steuerliche Haltefrist im deutschen Einkommensteuerrecht, nach deren Ablauf Gewinne aus der Veräußerung von Kryptowährungen für Privatpersonen vollständig steuerfrei bleiben – unabhängig von der Gewinnhöhe.
Rechtliche Grundlage
Die Einjahresfrist ergibt sich aus § 23 EStG, der sogenannte private Veräußerungsgeschäfte regelt. Kryptowährungen fallen unter die Kategorie „andere Wirtschaftsgüter" – eine Einordnung, die der Bundesfinanzhof mit seinem Urteil vom 14. Februar 2023 (IX R 3/22) höchstrichterlich bestätigt hat. Wer eine Kryptowährung also mindestens zwölf Monate in seiner Wallet hält, bevor er sie verkauft, tauscht oder anderweitig überträgt, erzielt keinen steuerpflichtigen Vorgang im Sinne des § 23 EStG. Wird die Frist hingegen unterschritten, wird der erzielte Gewinn mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.
Wichtig: Unterhalb der jährlichen Freigrenze von 1.000 Euro bleiben Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften ohnehin steuerfrei – die Einjahresfrist spielt in diesem Fall rechnerisch keine Rolle, ist aber für größere Positionen das zentrale Planungsinstrument.
Staking, Lending und die FIFO-Methode
Eine frühere Rechtsunsicherheit betraf die Frage, ob wirtschaftliche Zwischennutzung – etwa durch Staking oder Lending – die Haltefrist auf zehn Jahre verlängert, wie es für Immobilien gilt. Das BFH-Urteil von 2023 hat diese Diskussion beendet: Auch bei solchen Nutzungsformen verbleibt es bei der Einjahresfrist.
Komplexer wird die Berechnung, wenn dieselbe Kryptowährung zu verschiedenen Zeitpunkten und zu unterschiedlichen Preisen erworben wurde. In der Praxis wird hier häufig die First-in-first-out-Methode (FIFO) angewendet: Die zuerst erworbenen Einheiten gelten als zuerst veräußert. Das beeinflusst sowohl die steuerlich relevante Haltefrist als auch die Berechnung des Gewinns erheblich.
Beispiel: Wer im Januar 100 Einheiten einer Kryptowährung kauft und im März weitere 100 Einheiten, verkauft nach FIFO-Logik bei einer späteren Transaktion zunächst die Januar-Einheiten. Liegen zwischen dem Januar-Kauf und dem Verkauf mehr als zwölf Monate, sind die betreffenden Einheiten steuerfrei – die März-Einheiten hingegen noch nicht.
Die Einjahresfrist ist damit ein wesentlicher Parameter bei der steuerlichen Dokumentation von Krypto-Transaktionen. Eine sorgfältige Aufzeichnung aller Kaufzeitpunkte und Einstandspreise – idealerweise je Wallet – ist Voraussetzung dafür, die Frist korrekt anwenden zu können.