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Bad Debt (uneinbringliche Schuld)

Aktualisiert 12. Juni 2026

Bad Debt (uneinbringliche Schuld) ist eine Forderung oder ein Kreditbetrag, bei dem objektiv feststeht, dass der Schuldner nicht mehr in der Lage ist, seine Verbindlichkeit zu begleichen – die ausstehende Summe gilt damit als dauerhaft verloren und wird buchhalterisch abgeschrieben (Write-Off).

Herkunft: Traditionelles Rechnungswesen

Im klassischen Kreditwesen entsteht Bad Debt, sobald ein Unternehmen oder ein Kreditinstitut erkennt, dass eine Forderung gegenüber einem zahlungsunfähigen Schuldner nicht mehr einbringlich ist. Die Forderung wird dann aus der Bilanz ausgebucht und als Aufwand verbucht. Gläubiger, die regelmäßig auf Kreditbasis arbeiten, bilden hierfür oft im Voraus Wertberichtigungen (Bad Debt Provisions), um das Ausfallrisiko kalkulierbar zu halten. Entscheidend ist dabei, dass die Uneinbringlichkeit nicht bloß vermutet, sondern durch konkrete Umstände – etwa eine Insolvenz des Schuldners – belegt ist.

Bad Debt in DeFi-Lending-Protokollen

Im Kontext dezentraler Kreditprotokolle wie Aave oder Compound bekommt der Begriff eine spezifischere Bedeutung. Dort leihen sich Nutzer Kapital gegen hinterlegte Sicherheiten (Collateral). Fällt der Marktwert dieser Sicherheiten unter den ausstehenden Kreditbetrag, wird die Position normalerweise durch Liquidatoren geschlossen: Sie übernehmen das Collateral und begleichen die Schuld.

Das Problem entsteht, wenn dieser Mechanismus versagt. Bei extremer Marktvolatilität oder illiquiden Sicherheiten können Liquidatoren die Position möglicherweise nicht mehr profitabel schließen – etwa weil der Marktimpakt des notwendigen Verkaufs die verbleibende Sicherheitenmarge aufzehrt. Genau dieser Fall trat Anfang 2022 im Zusammenhang mit Celsius auf: Liquidatoren, die Marktimpakt und Handelskosten nicht ausreichend berücksichtigten, gerieten selbst in Verlustbereiche.

Bleibt die Schuld ungedeckt, verteilt sich der Verlust auf den gesamten Liquiditätspool – faktisch tragen dann verbleibende Einleger (Liquidity Provider) den Ausfall. Das bedroht die Solvenz des Protokolls.

Gegenmaßnahmen in DeFi-Protokollen

Protokolle begegnen diesem Risiko auf mehreren Ebenen: konservative Loan-to-Value-Ratios (LTV) begrenzen die maximale Beleihung; automatische Liquidationsschwellen greifen frühzeitig; dedizierte Sicherheitsfonds (Safety Module) puffern Verluste ab; und eine sorgfältige Auswahl der akzeptierten Sicherheiten reduziert das Risiko illiquider Assets. Keiner dieser Mechanismen eliminiert Bad Debt vollständig – er verschiebt lediglich den Punkt, ab dem Verluste schlagend werden.

Bad Debt markiert damit die Grenze, an der Kreditrisiko in Protokollrisiko umschlägt – ein Zusammenhang, der für jede ernsthafte Auseinandersetzung mit DeFi-Lending grundlegend ist.

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