Glossar
Annual Percentage Yield
Aktualisiert 12. Juni 2026
Annual Percentage Yield (APY) ist die auf ein Jahr normierte Gesamtrendite einer Einlage oder Investition, die den Zinseszinseffekt (Compounding) einbezieht – im Unterschied zum einfachen Jahreszinssatz APR, der Compounding außer Acht lässt.
Berechnung und Funktionsweise
Die zugrundeliegende Formel lautet:
APY = (1 + r/n)^n – 1
Dabei steht r für den nominalen Jahreszinssatz und n für die Anzahl der Compounding-Perioden innerhalb eines Jahres. Je häufiger Zinsen gutgeschrieben und auf die wachsende Basis angewendet werden, desto stärker weicht der APY vom nominalen Zinssatz ab. Ein konkretes Beispiel: Ein nominaler Zinssatz von 12 % pro Jahr, der monatlich compoundiert wird (n = 12), ergibt einen APY von rund 12,68 % – nicht 12 %. Der Unterschied wirkt bei kurzen Zeiträumen gering, akkumuliert sich aber über längere Haltedauern spürbar.
In den USA ist der Begriff gesetzlich definiert: Der Truth in Savings Act beschreibt APY als den Gesamtzinsertrag auf eine Einlage von 100 USD über 365 Tage. Diese rechtliche Verankerung macht APY zu einem verlässlichen Vergleichsmaßstab im Sparkonten- und Einlagengeschäft.
APY im Kryptokontext
In der Kryptowelt begegnet APY vor allem bei Staking, DeFi-Protokollen und Krypto-Sparkonten. Plattformen nutzen ihn, um die annualisierte Rendite vergleichbar darzustellen – unabhängig davon, ob Belohnungen täglich, stündlich oder pro Block ausgeschüttet werden. Werden Staking-Erträge automatisch reinvestiert (Auto-Compounding), nähert sich der tatsächlich erzielte Ertrag dem beworbenen APY an; ohne Reinvestition entspricht der Ertrag eher dem schlichten Annual Percentage Rate (APR).
Ein wesentlicher Unterschied gegenüber klassischen Sparprodukten: Krypto-APY-Werte sind in der Regel variabel. Sie hängen von Netzwerkauslastung, Protokollparametern, Liquiditätsnachfrage und Marktbedingungen ab. Ein heute angezeigter APY ist daher keine Zusage für zukünftige Erträge, sondern ein Momentwert. Wer APY-Angaben verschiedener Protokolle vergleicht, sollte zudem auf die Compounding-Frequenz, etwaige Lock-up-Bedingungen und die Art der ausgeschütteten Token achten – all diese Faktoren beeinflussen den tatsächlich realisierten Ertrag.
APY ist damit ein nützliches Werkzeug zur Standardisierung, kein Versprechen. Die Kennzahl schafft Vergleichbarkeit, ersetzt aber keine Analyse der zugrundeliegenden Risiken.