Glossar
AML (Anti-Money-Laundering)
Aktualisiert 12. Juni 2026
AML (Anti-Money-Laundering) ist der rechtliche, regulatorische und operationelle Rahmen, der verhindern soll, dass illegal erworbene Gelder über Finanzdienstleister — einschließlich Krypto-Plattformen — in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden.
Warum Krypto als erhöhtes Geldwäscherisiko gilt
Krypto-Transaktionen sind pseudonym, grenzüberschreitend und laufen ohne zentralen Intermediär ab. Genau diese Eigenschaften, die den Nutzen für legitime Anwender ausmachen, erleichtern es potenziellen Geldwäschern, Mittelherkunft und -fluss zu verschleiern. Regulatoren stufen Virtual Asset Service Providers (VASPs) — also Börsen, Stablecoin-Emittenten und bestimmte DeFi-Protokolle — deshalb als risikoreiche Akteure ein, die besonderer Aufsicht bedürfen.
FATF, EU-Recht und die Travel Rule
Die international maßgebliche Instanz ist die Financial Action Task Force (FATF), eine zwischenstaatliche Einrichtung, die verbindliche Standards setzt. Ihr risikobasierter Ansatz schreibt VASPs vor, Kunden zu identifizieren, Transaktionen zu überwachen und auffällige Vorgänge zu melden. In der EU werden diese Vorgaben durch die Geldwäscherichtlinien (AMLD) in nationales Recht überführt.
Besonders praxisrelevant für Krypto-Dienstleister ist die Travel Rule: Sie verpflichtet VASPs, bei Transfers über bestimmten Schwellenwerten die vollständigen Identitätsdaten von Sender und Empfänger zu erheben, mitzuführen und zu archivieren. Ein konkretes Beispiel: Schickt ein Nutzer Bitcoin von einer regulierten Börse an eine externe Wallet-Adresse, muss die Börse prüfen, ob die Gegenseite ebenfalls ein beaufsichtigter VASP ist, und Daten entsprechend weitergeben oder sichern.
Verzahnung mit KYC
AML und Kryptowährung werden oft in einem Atemzug mit KYC (Know Your Customer) genannt. KYC ist dabei kein Synonym, sondern ein Instrument: Die Identitätsverifikation eines Nutzers — Name, Adresse, Ausweisdokument — ist der erste Baustein eines AML-Programms. Darauf aufbauend folgen laufende Transaktionsüberwachung, Risikoklassifizierung und Meldepflichten gegenüber Behörden. Wer eine Custodial Wallet bei einer regulierten Plattform nutzt, hat diesen Prozess in der Regel bereits durchlaufen. Bei Non-Custodial Wallets greifen AML-Pflichten hingegen nicht direkt — die Verantwortung liegt dann allein beim Nutzer.
Verstöße gegen AML-Pflichten können für VASPs empfindliche Bußgelder und den Entzug der Betriebslizenz nach sich ziehen. Für Nutzer bedeutet das: Regulierte Plattformen sind gesetzlich verpflichtet, Identitätsprüfungen durchzuführen — die Anforderung eines Ausweises ist demnach keine Ermessensentscheidung, sondern eine Compliance-Pflicht.