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Bid – einfach erklärt

Aktualisiert 12. Juni 2026

Bid ist der höchste Kaufpreis, den ein Marktteilnehmer im aktuellen Moment für ein Handelsinstrument zu zahlen bereit ist. Im deutschen Sprachraum wird er auch als Geldkurs bezeichnet. Er steht immer neben dem Ask (Briefkurs) – dem niedrigsten Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist zu verkaufen. Die Differenz zwischen beiden Werten heißt Bid-Ask-Spread. Wer sofort verkauft, erhält den Bid. Wer sofort kauft, zahlt den Ask.


Was ist der Bid (Geldkurs)?

Der Bid repräsentiert die Kaufseite des Marktes: Er zeigt, wie viel der kaufwilligste Marktteilnehmer im Moment für einen Vermögenswert zu zahlen bereit ist. Dieser Preis ergibt sich nicht aus einer zentralen Festsetzung, sondern aus dem Zusammenspiel aller offenen Kauf-Limit-Orders im Orderbuch.

Bid, Ask und Last Price – drei verschiedene Größen

Diese drei Begriffe werden häufig vermischt, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge:

BegriffBedeutung
BidHöchster aktuell verfügbarer Kaufpreis im Orderbuch
AskNiedrigster aktuell verfügbarer Verkaufspreis im Orderbuch
Last PricePreis des zuletzt tatsächlich ausgeführten Trades

Der Last Price ist ein historischer Wert – er zeigt, zu welchem Preis der jüngste abgeschlossene Handel stattfand. Dieser Preis kann vom aktuellen Bid abweichen, weil sich das Orderbuch seit diesem Moment verändert haben kann. Der Bid hingegen ist ein Gegenwartswert: Er beschreibt die aktuelle Kaufbereitschaft, nicht einen vergangenen Abschluss.

Der sogenannte Marktpreis, den viele Plattformen anzeigen, liegt konzeptionell zwischen Bid und Ask – er ist kein eindeutiger Transaktionspreis, sondern eine Orientierungsgröße. Wer zu Marktkonditionen sofort verkauft, erhält den Bid; wer sofort kauft, zahlt den Ask.


Bid und Ask im Orderbuch: Wie Preise entstehen

Visuell zeigen, wie Bid- und Ask-Seite im Orderbuch aufgebaut sind und wo der Spread liegt.
Visuell zeigen, wie Bid- und Ask-Seite im Orderbuch aufgebaut sind und wo der Spread liegt.

Das Orderbuch als Preisfindungsmechanismus

Ein zentrales Orderbuch führt alle offenen Kauf- und Verkaufsaufträge eines Handelspaares. Kauforders werden nach Preis absteigend sortiert – der oberste Eintrag auf der Kaufseite ist der Bid. Verkaufsorders werden aufsteigend sortiert – der unterste Eintrag auf der Verkaufsseite ist der Ask.

Solange Bid und Ask auseinanderfallen, findet kein automatischer Handel statt. Ein Trade kommt zustande, sobald eine Seite den Preis der anderen akzeptiert: Ein Käufer ist bereit, zum Ask zu kaufen – oder ein Verkäufer ist bereit, zum Bid zu verkaufen.

Rolle von Market Makern und Market Takern

Market Maker stellen gleichzeitig Bid- und Ask-Preise ins Orderbuch. Sie profitieren vom Spread: Sie kaufen zum Bid und verkaufen zum Ask, der Unterschied zwischen beiden ist ihre Marge für die bereitgestellte Liquidität. Market Maker sind nicht die einzigen, die einen Bid setzen können – jeder Trader kann mit einer Kauf-Limit-Order einen eigenen Bid-Preis ins Orderbuch stellen und auf Ausführung warten.

Market Taker hingegen akzeptieren vorhandene Preise. Wer eine Market Order aufgibt, kauft sofort zum besten verfügbaren Ask oder verkauft sofort zum besten verfügbaren Bid.

Limit-Order vs. Market-Order im Zusammenhang mit Bid

Eine Limit Order ermöglicht es, selbst einen Bid-Preis zu definieren, der unterhalb des aktuellen Asks liegt. Der Vorteil: Man kauft nicht zum Ask, sondern zu einem selbst festgelegten Preis und spart damit den Spread. Der Nachteil: Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Marktpreis dieses Niveau erreicht. Steigt der Kurs, bleibt die Order möglicherweise unausgeführt.

Eine Market Order kauft sofort zum Ask – ohne Wartezeit, aber mit den impliziten Kosten des Spreads.


Der Bid-Ask-Spread: implizite Transaktionskosten

Definition und Berechnung

Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Kaufpreis (Bid) und dem niedrigsten Verkaufspreis (Ask). Er lässt sich absolut und relativ berechnen:

  • Absoluter Spread: Ask − Bid
  • Relativer Spread: (Ask − Bid) / Ask × 100 %

Beispiel: Bid 29.900, Ask 30.000 → absoluter Spread = 100, relativer Spread ≈ 0,33 %.

Wer zum Ask kauft und sofort wieder zum Bid verkauft, realisiert diesen Spread als Verlust – ohne dass sich der Kurs bewegt hat. Der Spread ist damit eine implizite Transaktionsgebühr, die zusätzlich zu expliziten Handelsgebühren anfällt.

Einflussfaktoren

FaktorWirkung auf den Spread
Hohe LiquiditätEnger Spread
Niedrige LiquiditätWeiter Spread
Hohe VolatilitätTendenz zu weiterem Spread (Market Maker erhöhen Risikoprämie)
Geringe Handelsaktivität (z. B. nachts)Spread kann sich ausweiten
Viele MarktteilnehmerWettbewerb unter Market Makern → engerer Spread

Krypto-Besonderheiten bei illiquiden Paaren

Bei etablierten Paaren wie BTC/USDT oder ETH/USDT auf großen Börsen ist der Spread häufig sehr eng. Bei kleinvolumigen Altcoin-Paaren kann der relative Spread mehrere Prozent betragen. Das bedeutet: Allein durch das einmalige Kaufen und Verkaufen eines solchen Paares entsteht ein erheblicher Kostennachteil, noch bevor irgendeine Kursbewegung eingerechnet wird.

Wer häufig in illiquiden Märkten handelt, sollte den Spread als direkten Kostenfaktor in jede Überlegung einbeziehen – er ist keine Nebengröße.


Bid im Krypto-Kontext

Unterschiede zu traditionellen Märkten

An traditionellen Börsen (Aktien, Devisen) werden Handelszeiten, Market-Maker-Verpflichtungen und Mindestliquiditätsstandards regulatorisch geregelt. Kryptomärkte sind rund um die Uhr geöffnet, weniger reguliert und fragmentierter: Derselbe Vermögenswert wird gleichzeitig auf dutzenden zentralen und dezentralen Börsen gehandelt, mit unterschiedlichen Bid-Preisen je Plattform.

Diese Fragmentierung führt dazu, dass der Bid für dasselbe Kryptopaar auf verschiedenen Börsen leicht abweichen kann. Arbitrageure gleichen diese Differenzen häufig aus, aber gerade bei wenig gehandelten Paaren können die Abweichungen messbar sein.

Spread-Varianz zwischen BTC/ETH und Altcoins

Die Tiefe des Orderbuches – also wie viele Orders zu ähnlichen Preisen vorliegen – ist bei Bitcoin und Ethereum deutlich größer als bei den meisten Altcoins. Ein breites, gut befülltes Orderbuch hält den Spread eng. Ein dünnes Orderbuch, wie es bei Altcoins mit geringem Handelsvolumen typisch ist, führt zu einem weiten Spread und damit zu höheren impliziten Kosten.

Mehr zur Tiefe von Orderbüchern erklärt der Artikel zur Liquiditätstiefe (Market Depth).

CEX vs. DEX: klassischer Bid existiert nur an zentralen Börsen

An zentralisierten Börsen (CEX) funktioniert der Bid-Ask-Mechanismus wie oben beschrieben: Ein Orderbuch führt Kauf- und Verkaufsorders, der Bid ist der höchste offene Kaufpreis.

An dezentralisierten Börsen (DEX), die auf dem AMM (Automated Market Maker)-Prinzip basieren, existiert kein klassisches Orderbuch. Statt Bid und Ask gibt es einen algorithmisch bestimmten Preis, der sich aus dem Verhältnis der Token in einem Liquiditätspool ergibt. Das Konzept "Bid" im engeren Sinne ist hier nicht anwendbar. Dennoch entstehen auch bei AMMs implizite Transaktionskosten – vor allem durch Slippage, also die Preisverschiebung, die größere Orders im Pool auslösen.

Praktische Relevanz für Ein- und Ausstieg

Wer auf einer CEX einen Vermögenswert sofort kaufen möchte, zahlt den Ask. Wer sofort verkaufen möchte, erhält den Bid. Der Spread zwischen beiden ist der Mindestbetrag, um den der Kurs nach dem Kauf steigen müsste, damit der Einstieg breakeven erreicht – allein durch die Spread-Kosten, ohne Berücksichtigung von Handelsgebühren.

Dieser Zusammenhang ist besonders bei häufigen, kleineren Transaktionen oder bei illiquiden Paaren relevant. Bei einem engen Spread auf einem liquiden Paar fällt er kaum ins Gewicht; bei einem weiten Spread auf einem illiquiden Altcoin kann er die Gesamtkosten einer Position erheblich beeinflussen.


Grenzen & häufige Missverständnisse

Bid ist kein Handelssignal

Ein steigender Bid zeigt, dass Marktteilnehmer höhere Kaufpreise ins Orderbuch stellen. Das ist eine Beobachtung zur aktuellen Kaufbereitschaft – keine Aussage über zukünftige Preisentwicklungen. Daraus ein Kauf- oder Verkaufssignal abzuleiten ist nicht belastbar. Orderbücher ändern sich in Sekundenbruchteilen; was heute als "starker Bid" erscheint, kann Sekunden später verschwunden sein.

Hinweis: Alle Betrachtungen von Bid-Niveaus, Orderbuchstrukturen oder Spread-Bewegungen sind keine Handelssignale. Sie beschreiben einen Zustand des Marktes zu einem bestimmten Zeitpunkt. Muster im Orderbuch scheitern häufig und sind ausschließlich im Gesamtkontext und mit konsequentem Risikomanagement zu betrachten.

Bid ist nicht der Marktpreis

Ein verbreitetes Missverständnis: Der Bid wird mit dem aktuellen Marktpreis gleichgesetzt. Der Marktpreis liegt aber zwischen Bid und Ask. Wer zum "Marktpreis" verkaufen möchte, erhält tatsächlich den Bid – nicht den angezeigten Mittelwert.

Ausführungsrisiko bei Limit-Orders

Wer eine Kauf-Limit-Order zum Bid oder unterhalb des Asks setzt, muss damit rechnen, dass die Order nicht ausgeführt wird, wenn der Preis das gewählte Niveau nicht erreicht oder überschreitet. Das Einsparen des Spreads durch eine Limit-Order geht mit dem Risiko der Nicht-Ausführung einher.

Bid-Manipulation durch Spoofing

Orderbücher können kurzfristig manipuliert werden. Beim sogenannten Spoofing werden große Kauf- oder Verkaufsorders ins Orderbuch gestellt, um Kaufdruck oder Verkaufsdruck zu signalisieren – und kurz vor Ausführung wieder zurückgezogen. Ein großer sichtbarer Bid im Orderbuch bedeutet daher nicht zwingend, dass hinter ihm echte Kaufabsicht steht. Besonders in wenig regulierten Kryptomärkten ist dieses Phänomen bekannt.


Häufige Fragen zu Bid

Was ist der Unterschied zwischen Bid und Ask?

Der Bid ist der höchste Preis, den ein Käufer aktuell zu zahlen bereit ist. Der Ask ist der niedrigste Preis, den ein Verkäufer akzeptiert. Wer sofort verkauft, erhält den Bid; wer sofort kauft, zahlt den Ask. Die Differenz zwischen beiden ist der Bid-Ask-Spread.

Ist der Bid dasselbe wie der Last Price?

Nein. Der Last Price ist der Preis des zuletzt abgeschlossenen Trades – ein historischer Wert. Der Bid ist der aktuell höchste Kaufpreis im Orderbuch. Beide Werte können übereinstimmen, müssen es aber nicht: Das Orderbuch verändert sich kontinuierlich, auch ohne dass Trades stattfinden.

Kann jeder einen Bid setzen?

Ja. Jeder Marktteilnehmer kann über eine Kauf-Limit-Order einen eigenen Bid-Preis ins Orderbuch stellen. Market Maker tun dies systematisch, aber auch gewöhnliche Trader platzieren damit de facto einen Bid, sobald sie eine Limit-Kauforder aufgeben.

Warum variiert der Bid-Ask-Spread bei Kryptowährungen so stark?

Der Spread hängt direkt von der Liquidität des Handelspaares ab. Bei liquiden Paaren wie BTC/USDT auf großen Börsen ist das Orderbuch tief, viele Marktteilnehmer konkurrieren um die besten Preise – der Spread bleibt eng. Bei Altcoins mit geringem Handelsvolumen ist das Orderbuch dünn, die Preisspanne zwischen Kaufbereitschaft und Verkaufsbereitschaft entsprechend größer. Auch hohe Marktvolatilität kann den Spread vorübergehend ausweiten, weil Market Maker ihr Risiko einpreisen.

Hat ein DEX einen Bid?

Nein, nicht im klassischen Sinne. Dezentrale Börsen, die auf dem AMM (Automated Market Maker)-Modell basieren, verwenden kein Orderbuch. Der Preis ergibt sich algorithmisch aus dem Verhältnis der Token im Liquiditätspool. Statt Spread durch Bid und Ask entstehen implizite Kosten vor allem durch Slippage bei größeren Orders.

Ist ein hoher Bid ein Kaufsignal?

Nein. Ein hoher oder steigender Bid zeigt lediglich, dass Marktteilnehmer aktuell höhere Kaufpreise anbieten. Das ist eine Momentaufnahme der Kaufbereitschaft, keine Prognose über die weitere Kursentwicklung. Orderbuchdaten verändern sich sekündlich und können durch Spoofing verfälscht sein. Kein einzelner Indikator – auch kein Bid-Niveau – ersetzt eine vollständige Marktanalyse oder ein durchdachtes Risikomanagement.

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