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Visa verbindet VisaNet-Abrechnungsdaten mit Blockchain-Kreditvergabe für Stablecoin-Kartenprogramme

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 09. September 2026

Visa verbindet VisaNet-Abrechnungsdaten mit Blockchain-Kreditvergabe für Stablecoin-Kartenprogramme

Laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt hat Visa am 8. September 2026 angekündigt, Abrechnungsdaten aus seinem VisaNet-Netzwerk künftig mit Blockchain-basierter Kreditinfrastruktur zu verknüpfen — und damit Stablecoin-Kartenprogrammen sowie Fintechs leichteren Zugang zu Betriebskapital zu verschaffen. Die Initiative baut auf Visas bestehenden Blockchain-Aktivitäten auf und dürfte auch für europäische Nutzer relevant werden: Denn sie zeigt, wie ein globaler Zahlungsriese traditionelle Finanzinfrastruktur schrittweise mit dezentralen Kreditmodellen verzahnt.

Abrechnungsdaten als Kreditbasis: Wie das Modell konkret funktioniert

Der Kern der Initiative: Visa stellt Kreditgebern auf der Blockchain die Abrechnungsdaten aus seinem VisaNet-Netzwerk zur Verfügung — also Informationen darüber, welche Kartenprogramme wie viel Umsatz abwickeln. Auf dieser Grundlage können Protokolle automatisiert Betriebskapital verleihen, ohne dass ein klassischer Bankberater die Bonität prüfen muss. Als frühes Praxisbeispiel nennen sowohl Cointelegraph als auch Decrypt das Protokoll Credit Coop: Es hat seit 2023 kumulativ mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar Abrechnungsvolumen finanziert — mit über 3.000 Kreditvorgängen, 9.000 Rückzahlungen und bislang null Ausfällen in den beteiligten Fazilitäten.

Die Zahlen rund um Visas Stablecoin-Engagement sind beachtlich: Laut übereinstimmenden Berichten beider Medien wickeln heute mehr als 160 Stablecoin-verknüpfte Kartenprogramme über das Visa-Netzwerk ab. Das Zahlungsvolumen dieser Programme legte gegenüber dem Vorjahr um knapp 200 Prozent zu. Das Stablecoin-Abrechnungsvolumen erreicht inzwischen eine annualisierte Laufrate — also den hochgerechneten Jahreswert auf Basis aktueller Monatszahlen — von über 20 Milliarden US-Dollar, was mehr als dem 15-fachen des Vorjahresniveaus entspricht. Rubail Birwadker, Visas Global Head of Growth Products and Partnerships, formulierte laut Cointelegraph das übergeordnete Ziel: Stablecoins veränderten, wie Geld bewegt wird, und eröffneten die Chance, die finanzielle Infrastruktur hinter Zahlungen neu zu gestalten.

Wenn Visa die Kreditwürdigkeit mit Blockchain verknüpft: Chancen und blinde Flecken

Was Visa hier aufbaut, ist im Kern eine Datenstrategie. VisaNet kennt seit Jahrzehnten das Zahlungsverhalten von Millionen Händlern und Kartenanbietern — genau diese historische Abrechnungshistorie soll nun als Grundlage für Kreditentscheidungen auf der Blockchain dienen. Das ist keine Revolution, sondern eine clevere Erweiterung bestehender Stärken: Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert letztlich auch den Kreditzugang.

Das sollte man dabei im Kopf behalten: Die gemeldeten Zahlen — darunter die 694 Milliarden US-Dollar an verarbeiteten Stablecoin-Krediten seit 2020 — stammen aus Visas eigenem Analytics-Dashboard, nicht aus unabhängiger Prüfung. Und die viel zitierten null Ausfälle beziehen sich ausschließlich auf die Fazilitäten eines einzigen Protokolls, Credit Coop, in einem noch jungen Marktumfeld. Wie sich solche Modelle in einer breiteren Kreditkrise verhalten, ist schlicht unbekannt.

Für Nutzer in Deutschland und Europa ist ein strukturelles Detail besonders interessant: Dieses Modell macht Blockchain-basierte Kreditvergabe nicht dezentraler — es macht sie abhängiger von einem zentralen Datenprovisionier. Wer keinen Zugang zum Visa-Netzwerk hat, bleibt außen vor. Der vermeintliche DeFi-Gedanke — offener Zugang ohne Gatekeeper — wird hier faktisch umgekehrt: Visa wird zum Schlüssel, nicht zur offenen Tür.

Das macht die Initiative nicht wertlos, aber die Erzählung vom "Zusammenwachsen von TradFi und DeFi" verdient einen nüchternen Blick: Was zusammenwächst, sind hier vor allem die Datensilos eines globalen Konzerns mit neuer technischer Verpackung.

Wenn Kreditvergabe auf Knopfdruck möglich wird — die Technik dahinter

Um zu verstehen, was Visa hier eigentlich tut, helfen zwei Grundbegriffe: Stablecoins — das sind digitale Währungen, deren Wert an einen stabilen Referenzwert wie den US-Dollar gekoppelt ist — und Krypto-Kreditvergabe (Lending), also die Vergabe von Darlehen über Blockchain-Protokolle statt über klassische Banken.

Das Besondere an Blockchain-basierter Kreditvergabe: Kreditentscheidungen und Rückzahlungen können über sogenannte Smart Contracts automatisiert ablaufen — Programme, die selbstständig ausführen, was vorher festgelegt wurde, ohne dass eine Bank dazwischengeschaltet sein muss. Bisher fehlte solchen Systemen jedoch oft eine verlässliche Datengrundlage: Wie kreditwürdig ist ein Antragsteller tatsächlich?

Genau hier setzt Visa an. VisaNet liefert Abrechnungsdaten aus dem realen Zahlungsverkehr — also Informationen darüber, wie regelmäßig und in welchem Umfang ein Kartenprogramm Umsätze erzielt. Diese Daten sollen künftig als Basis für automatisierte Kreditentscheidungen auf der Blockchain dienen.

Häufige Fragen

Was bedeutet „annualisierte Run-Rate" bei Visas Abrechnungsvolumen?

Eine annualisierte Run-Rate ist kein tatsächlich erreichtes Jahresergebnis, sondern eine Hochrechnung: Man nimmt das aktuelle Tempo – etwa das der letzten Monate – und rechnet es auf zwölf Monate hoch. Visas Stablecoin-Abrechnungsvolumen hat demnach eine Run-Rate von über 20 Milliarden US-Dollar erreicht. Das ist ein Indikator für das aktuelle Wachstumstempo, sagt aber nichts darüber aus, ob dieses Tempo anhält.

Was ist Credit Coop, und warum wird es in diesem Zusammenhang erwähnt?

Credit Coop ist ein Blockchain-basiertes Kreditprotokoll – also ein automatisiertes System, das Kreditvergabe und Rückzahlung ohne klassische Bank abwickelt. Es wird als frühes Praxisbeispiel des neuen Visa-Modells genannt: Seit 2023 hat es laut übereinstimmenden Berichten von Cointelegraph und Decrypt mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar kumulatives Abrechnungsvolumen finanziert, mit über 3.000 Kreditvorgängen und bislang null Ausfällen in den teilnehmenden Fazilitäten.

Quellen