KryptoRatgeber
Alle News

News

US-Behörden beantragen Einziehung von über 25 Millionen Dollar Krypto aus Romance- und Investment-Betrug

Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 22. Juli 2026

US-Behörden beantragen Einziehung von über 25 Millionen Dollar Krypto aus Romance- und Investment-Betrug

Amerikanische Bundesstaatsanwälte haben zivilrechtliche Klagen eingereicht, um mehr als 25 Millionen Dollar in Kryptowährung einzuziehen — Geld, das mutmaßliche Betrüger durch gefälschte Liebesbeziehungen und fingierte Investment-Plattformen ergaunert haben sollen, wie CoinDesk und Cointelegraph übereinstimmend berichten. Insgesamt fünf separate Verfahren richten sich gegen Gelder, die über verschachtelte Krypto-Adressen verschleiert wurden und Hunderte Opfer in den USA und Kanada betrafen. Für Krypto-Interessierte in Deutschland ist der Fall ein deutliches Signal: Diese Betrugsmaschen sind kein amerikanisches Randphänomen, sondern ein weltweites Problem — und sie treffen auch Menschen, die sich eigentlich gut informiert glauben.

Fünf Klagen, fünf Betrugsnetze — so funktionierte das Schema

Die fünf Verfahren wurden beim US District Court for the District of Columbia eingereicht und gehen auf Ermittlungen des US Secret Service sowie dessen Cyber Fraud Task Force zurück, wie übereinstimmende Berichte von CoinDesk und Cointelegraph zeigen.

Die zwei größten Fälle dominieren die Gesamtsumme deutlich: Rund 12,1 Millionen Dollar stammen aus einem Romance-Betrug — also einer Masche, bei der Täter online romantische Beziehungen vortäuschen — mit mehr als 200 Opfern. Weitere 10,4 Millionen Dollar sind betrügerischen Investment-Plattformen zuzuordnen, auf denen über 270 verdächtige Opfer-Transaktionen identifiziert wurden. Drei kleinere Verfahren betreffen Beträge von rund 2,39 Millionen, 1,23 Millionen und 285.000 Dollar. Darunter befand sich auch ein sogenannter Recovery-Scam: Täter kontaktierten bereits Betrogene und versprachen, ihre verlorenen Gelder zurückzuholen — um sie so ein zweites Mal abzukassieren.

Die Gelder wurden laut Cointelegraph über zahlreiche Zwischenadressen bewegt und mit anderen Opfergeldern vermischt, um die Herkunft zu verschleiern. Die Geldwäscher waren demnach überwiegend in Südostasien tätig, mit IP-Adressen in China, Malaysia und Kambodscha. Ermittler identifizierten weltweit Tausende Betroffene.

Wenn Krypto-Transaktionen trotz Verschleierung rückverfolgbar werden — und was das für Betrugsopfer bedeutet

Dieser Fall verdeutlicht eine wichtige, oft unterschätzte Eigenschaft von Kryptowährungen: Transaktionen sind öffentlich nachvollziehbar. Wer Geld über Dutzende Zwischenadressen schleust und mit anderen Opfergeldern vermischt, hinterlässt trotzdem eine Spur — eine, die Ermittler mit genug Zeit und Werkzeugen entschlüsseln können. Das widerlegt das Klischee, Krypto sei der perfekte Deckmantel für Kriminelle.

Gleichzeitig zeigt der Fall seine eigenen Grenzen auf. Bei den eingereichten Klagen handelt es sich um zivilrechtliche Einziehungsverfahren — das heißt, der Staat versucht, das Geld zu konfiszieren. Strafrechtliche Anklagen gegen konkrete Personen sind darin nicht enthalten. Die Täter, überwiegend in Südostasien lokalisiert, sind damit nicht zwingend vor Gericht gestellt. Geld zurückzugewinnen und Täter zu verurteilen sind zwei sehr verschiedene Dinge.

Besonders bemerkenswert ist der sogenannte Recovery-Scam unter den fünf Fällen: Opfer, die bereits Geld durch Betrug verloren hatten, wurden erneut kontaktiert — diesmal mit dem Versprechen, ihnen bei der Rückholung ihrer Gelder zu helfen. Wer also einmal Opfer wurde, kann danach gezielt erneut ins Visier genommen werden.

Für deutsche Nutzer gilt: Angebote, bei denen eine unbekannte Person online eine romantische Verbindung aufbaut und dann Investitionsmöglichkeiten empfiehlt, sind ein klassisches Warnsignal — unabhängig davon, wie professionell die Plattform aussieht. Wer unsicher ist, ob eine Krypto-Plattform seriös ist, sollte im Zweifel keine Gelder überweisen.

Wenn Vertrauen zur Falle wird: So funktionieren Romance- und Investment-Scams

Hinter den nüchternen Millionenbeträgen stecken zwei besonders perfide Betrugsformen. Beim Romance-Scam bauen Täter über Wochen oder Monate eine vermeintlich echte Beziehung auf — per Dating-App, sozialem Netzwerk oder Messenger — bevor sie ihre Opfer um Geld bitten oder auf gefälschte Handelsplattformen locken. Beim Investment-Scam geben sich Betrüger als seriöse Finanzberater aus und versprechen sichere Gewinne auf selbst erstellten, professionell wirkenden Krypto-Plattformen — ein Muster, das Fachleute auch als Scam bezeichnen.

Besonders heimtückisch ist der sogenannte Recovery-Scam, der in einem der fünf Fälle eine Rolle spielt: Wer bereits Geld durch Betrug verloren hat, wird erneut kontaktiert — diesmal mit dem Versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen. Auch dafür wird natürlich eine Vorauszahlung fällig.

Kryptowährungen machen diese Maschen attraktiver für Täter, weil Überweisungen schnell und grenzüberschreitend möglich sind — doch wie dieser Fall zeigt, sind die Spuren auf der Blockchain trotzdem nicht unsichtbar.

Häufige Fragen

Was bedeutet "zivilrechtliche Einziehung" — werden die Täter damit bestraft?

Nein, nicht direkt. Eine zivilrechtliche Einziehungsklage richtet sich gegen das Geld selbst, nicht gegen eine Person. Der Staat argumentiert vor Gericht, dass die Gelder aus kriminellen Aktivitäten stammen, und beantragt deren Beschlagnahme — unabhängig davon, ob jemand strafrechtlich angeklagt wird. In diesen fünf Fällen gibt es laut den vorliegenden Berichten bislang keine genannten Strafanklagen gegen konkrete Einzelpersonen.

Können die Opfer ihr Geld zurückbekommen?

Das hängt vom weiteren Verfahren ab. Wenn das Gericht die Einziehung genehmigt, liegt es am Staat, wie die eingezogenen Mittel verwendet werden. Ob und wie viel an einzelne Opfer zurückfließt, ist rechtlich komplex und aus den vorliegenden Berichten nicht abschließend zu beantworten. Fest steht: Die Gelder wurden über viele Zwischenadressen verschleiert und mit anderen Opfergeldern vermischt — das erschwert eine direkte Rückerstattung erheblich.

Quellen