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US-Bitcoin-Reserve: Behördenstreit zwischen Treasury und Commerce bremst Trumps Plan
Von KryptoRatgeber · veröffentlicht 07. Juli 2026

Über 16 Monate nach Trumps Anweisung, eine strategische Bitcoin-Reserve aufzubauen, ist aus dem Plan noch immer keine Realität geworden – und der Grund dafür ist ein handfester Behördenstreit. Laut übereinstimmenden Berichten von CoinDesk und Cointelegraph streiten das US-Finanzministerium und das Handelsministerium darüber, wer künftig die Kontrolle über die milliardenschweren Bitcoin-Bestände der US-Regierung übernehmen soll. Für deutsche Beobachter zeigt der Fall eindrücklich, wie schwierig es selbst für die mächtigste Regierung der Welt ist, Kryptowährungen rechtssicher in staatliche Strukturen einzubinden.
Treasury gegen Commerce: Wer darf Amerikas Bitcoin hüten?
Im Kern des Streits steht eine simple, aber folgenreiche Frage: Welche Behörde ist überhaupt befugt, ein so schwankungsanfälliges Asset wie Bitcoin zu verwalten? Trumps Exekutivorder vom März 2025 hatte das US-Finanzministerium (Treasury) als zuständige Stelle vorgesehen – doch seitdem sind Zweifel aufgekommen, ob das Treasury dafür die nötige gesetzliche Grundlage besitzt. Wie Cointelegraph unter Berufung auf Bloomberg berichtet, mischt sich inzwischen auch das Handelsministerium (Commerce) in die Zuständigkeitsfrage ein – und das Justizministerium prüft parallel, welche Optionen rechtlich überhaupt zulässig sind.
Die offizielle Stellungnahme fällt entsprechend vage aus: White-House-Sprecherin Liz Huston erklärte gegenüber CoinDesk, die Regierung evaluiere weiterhin die „beste Struktur" für die Reserve. Konkrete Ergebnisse: keine.
Dabei liegt das Material längst vor. Die USA halten laut Cointelegraph derzeit 328.372 Bitcoin – mehr als jede andere Nation weltweit. Diese stammen jedoch ausschließlich aus Beschlagnahmungen, etwa aus Strafverfolgungsverfahren, und bilden noch keine formelle, gesetzlich verankerte Reserve. Berater Patrick Witt betont deshalb: Ohne ein verabschiedetes Gesetz bleibt jede Struktur rechtlich angreifbar. Entsprechende Gesetzentwürfe – darunter der BITCOIN Act und der ARMA Act – liegen vor, sind aber bislang nicht verabschiedet.
Wenn ein Präsidentschaftserlass nicht reicht: Was der US-Behördenstreit über Krypto-Regulierung verrät
Das Stocken der US-Bitcoin-Reserve ist kein bloßes Verwaltungsproblem – es ist ein Lehrstück darüber, wie weit politischer Wille und rechtliche Wirklichkeit auseinanderklaffen können. Eine Exekutivorder, also ein präsidialer Erlass, kann Richtung vorgeben, ersetzt aber kein Gesetz. Genau das zeigt der aktuelle Streit: Trumps Anweisung nannte das Finanzministerium als zuständige Stelle, doch offenbar fehlt diesem die gesetzliche Grundlage, ein so volatiles Asset wie Bitcoin dauerhaft zu verwalten. Das Handelsministerium meldet nun ebenfalls Ansprüche an – und das Justizministerium prüft, welche Konstruktion überhaupt rechtlich haltbar wäre.
Für Beobachter aus Deutschland, wo staatliche Zuständigkeiten durch Gesetze und nicht durch Erlasse geregelt werden, klingt das vertraut: Ohne parlamentarische Absicherung bleibt selbst eine ambitionierte Regierungsidee ein Entwurf. Genau das betonen auch die im US-Kongress eingebrachten Initiativen wie der BITCOIN Act – sie sind noch nicht verabschiedet, aber ihre Befürworter argumentieren, dass nur ein verabschiedetes Gesetz echte Rechtssicherheit schaffen kann.
Was dieser Fall nicht bedeutet: Er ist kein Zeichen dafür, dass die USA von ihrer Bitcoin-Strategie abrücken. Die Bestände existieren, die politische Absicht ist bekundet. Aber er zeigt, dass staatliche Kryptoreserven kein Knopfdruck-Projekt sind – sondern institutionelle Schwerstarbeit, die Institutionen, Gesetze und Zuständigkeiten neu justieren muss. Das gilt nicht nur in Washington.
Wie eine Präsidentschaftsorder allein noch keine Reserve macht
Wenn der US-Präsident per Exekutivorder — einem Erlass, der ohne Parlamentsabstimmung direkt in Kraft tritt — etwas anordnet, klingt das nach einer klaren Sache. Doch eine solche Order kann nur im Rahmen bestehender Gesetze handeln. Genau hier liegt das Problem: Für den Umgang mit Bitcoin als Staatsreserve gibt es bislang keine klare gesetzliche Grundlage in den USA.
Eine Strategic Bitcoin Reserve — also ein offiziell verwalteter staatlicher Bitcoin-Bestand, ähnlich wie Goldreserven einer Zentralbank — setzt voraus, dass eine Behörde rechtlich eindeutig dafür zuständig ist. Welche Regeln gelten? Wer darf kaufen, verkaufen, verwahren? Solche Fragen beantwortet eine Exekutivorder allein nicht. Ein Gesetz des Kongresses wäre nötig, um Zuständigkeiten und Befugnisse verbindlich zu regeln — und das steht bislang aus. Wer tiefer in die Krypto-Regulierung einsteigen möchte, findet dort einen guten Einstieg.
Häufige Fragen
Warum reicht eine Präsidentschaftsorder nicht aus, um die Reserve einfach einzurichten?
Eine Exekutivorder – also ein präsidialer Erlass – kann Behörden anweisen, etwas umzusetzen, schafft aber keine neuen gesetzlichen Befugnisse. Wenn unklar ist, ob eine Behörde ein bestimmtes Asset wie Bitcoin rechtlich verwalten darf, braucht es ein Gesetz des Kongresses, das diese Frage eindeutig beantwortet. Genau deshalb fordern Berater wie Patrick Witt eine parlamentarische Absicherung als Voraussetzung für eine rechtssichere Umsetzung.
Was bedeutet „Strategic Bitcoin Reserve" eigentlich?
Der Begriff beschreibt den Plan, Bitcoin als staatliche Vermögensreserve dauerhaft zu halten – ähnlich wie Goldreserven bei Zentralbanken. Wichtig: Die USA besitzen bereits Bitcoin, da sie ihn in der Vergangenheit im Rahmen von Strafverfolgungen beschlagnahmt haben. Eine formelle Reserve im rechtlichen Sinne existiert jedoch noch nicht – die beschlagnahmten Bestände werden bislang ohne klare institutionelle Struktur gehalten.